main_payment1

Payment ist das nächste Internet! Und warum das eine verdammt schlechte Nachricht für die Payment-Branche ist.

Das Internet hat jenen Riesengeschäfte ermöglicht, die früh darauf gesetzt haben. Google, Facebook, Apple. Nur nicht denjenigen, die tatsächlich das Netz aufgebaut haben, den Providern, die teure Kabel verlegen und dauernd neue Mobilfunk-Standards umsetzen mussten. Die sind von Hype-Unternehmen zu Zulieferern mit langweiligen Eigenkapitalrenditen geworden.

Genau das passiert gerade mit der Payment-Branche. Payment boomt, ja. Apple, Facebook, Samsung, Google, alle integrieren Payment in ihre Plattformen. Gleichzeitig müssen sich die Payment Provider selbst mit sinkenden Margen zufrieden geben. Die EU limitiert Interchange-Gebühren drastisch, Apple hat mit Visa und Mastercard Gebühren von 15 bis 25 Basispunkten vereinbart, und Facebook bekommt offenbar Klein-Transaktionen ganz umsonst abgewickelt.

Von jedem 1€-InApp-Kauf bekommt Apple also 30 Cent und zahlt für die Abwicklung 1 bis 2 Cent. Krass. (Und alle lieben Apple und meckern über die Banken, aber das ist ein anderes Thema.)

Warum ist das so? Weil mit dem Verkauf von Produkten mehr Geld verdient wird als mit der Abrechnung des Bezahlens. Payment ist nur das kleine Anhängsel am Verkaufsprozess. Es ist wichtig, weil die Zahlung belegt, dass tatsächlich ein Verkauf stattgefunden hat. Wenn also ein Unternehmen, dass sein Geld mit Werbung verdient, den gesamten Entscheidungsprozess des Kunden von der ersten Werbeeinblendung bis zum tatsächlichen Kauf verfolgen kann, dann kann es ganz neue Erlösmodelle umsetzen. Dann wird es nicht mehr fürs Anzeigen von Werbung bezahlt, sondern bekommt eine Provision für den Verkauf. Der Unterschied ist gigantisch, von der Sache her und von den Einnahmen. Darum ist Payment so wichtig für die Werbekönige Google und Facebook.

Wie reagiert die Payment-Branche? Wie in jedem Multisided-Platform-Geschäftsmodell liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Verbreitung. Bei den Kunden und den Acquirern (sprich: Händlern). Wohl deswegen sind Visa und MasterCard bereit, im Moment schlechte Konditionen zu akzeptieren. Um zum Standard der großen Plattformen zu werden. Und dadurch ihr Geschäftsmodell auszuweiten. Strategisch gesehen ist das nachvollziehbar. Kurzfristig wird es aber die Margen reduzieren.

Es ist schon eine Ironie des Schicksals, dass die deutschen Banken gerade in diese Marktsituation hinein ihre neue Paymentlösung platzieren werden. Besser spät als nie, sicher, aber verdammt nicht einfach. Wenn schon Visa Facebook-Zahlungen umsonst ausführt, was soll dann ein ganz neues Verfahren den Händlern bieten, damit sie es akzeptieren? Was drauflegen?
Ich hoffe mal, dass mir da irgendwas entgeht. Dass es einen anderen, kreativen Ansatz gibt, das neue Verfahren im Markt zu platzieren. Vorteile für deutsche Händler, die das Verfahren einsetzen gegenüber Global Playern, die ihre Plattform für einen Nischenmarkt wie Deutschland nicht anpassen wollen. Einfachere Nutzbarkeit etwa.

Der Königsweg wäre sicher, wenn es gelänge, die Lagerbildung aufzubrechen: Banken, Handel, Telkos, Internetdienste – alle stehen sich gegenseitig im Weg. Leider sehe ich keine Anzeichen, dass sich daran etwas ändert.

finanzblick smartwatch

Smartwatch-Banking: Faszination wichtiger als Funktion

Alle beschäftigen sich mit der Smartwatch. Die einen befragen noch ihre Kunden, die anderen sind schon live: Finanzblick stellt aktuell Banking für die Apple Watch vor. Macht das Sinn? Gute Frage.

Einerseits. BITKOM ermittelt in einer aktuellen Umfrage, dass 40% der Deutschen sich für smarte Uhren interessieren. Bei den 14 – 29 Jährigen sind es sogar 56%. Und immerhin jeder Siebte (14%) will “in jedem Fall” eine Smartwatch haben. Das Ding hat offenbar Potenzial.

Anderseits. Apple selbst ist eher zurückhaltend, was den Erfolg der Uhr angeht. Absatzzahlen werden nicht genannt, in der Bilanz versteckt man die Uhr unter “sonstige Umsätze”. Es gibt Forscher, die der Ansicht sind, mit dem Smartphone hätten wir einen “Sweet Spot” gefunden. Einen guten Kompromiss zwischen klein, handlich und mobil einerseits, ordentlicher Displaygröße und Akkulaufzeit anderseits. Google Glass wurde dann ja auch der nicht der Erfolg, den der erste Hype versprochen hatte.

Weiterlesen

CIBI Innovationstag

CIBI Innovationstag: Digitalisierung zwingt zu differenzierten Strategien

Ein Beitrag von Sylvia Eberhard, SYNGENIO AG

Prof. Penzel eröffnete wie immer sehr charmant den CIBI Innovationstag. In seinem Vortrag  “Finanzdienstleister – durchdrungen von der Digitalisierung” berichtete er von aktuell 200 innovativen Geschäftsmodellen im Banking.  Insbesondere bei Zahlungen und Girokonten tut sich viel.

Das CIBI hat sich zum Ziel gesetzt, einen Innovationsindex  einzuführen. Die Innovationmatrix besteht aus den Achsen „Bedeutung“ und „Umsetzungsgrad“. Folgende Innovationen sind derzeit in der Matrix:

  • Mobile Payment
  • Video Beratung
  • Mobile Banking
  • P2P Trankaktionen und Kredite
  • Crowdfunding
  • PFM (Personal Finance Management)

Kai Friedrich von der Consorsbank stellte “Banking 3.0 – durch Kundenbeteiligung am Puls der Zeit“ vor. Durch den Zukauf der DAB Bank ist Consors jetzt Deutschlands größter Online Broker. Sie setzen voll auf Kundenfeedback. 2014 gab es eine große „Hallo-Bank“ Aktion, bei der  Kunden Fragen an die Bank stellen konnten, die dann in einem aufwändigen Co-Creation Workshop in Berlin bearbeitet wurden. Nun setzt die Consorsbank ausgearbeitete Vorschläge Ihrer Kunden nach und nach um. Sie will eine vollständige Retailbank werden.

Unter Banking 3.0 wurden in dem Vortrag folgende Punkte verstanden:

  • 7/24 Stunden erreichbar
  • Kunden fühlen sich immer connected und informiert
  • Einsatz mobile Technologien
  • Nutzung von Facebook, Twitter, und anderen sozialen Medien
  • die Kunden-Community ist ein wichtiger Berater der Bank.

„Wir nutzen viele A – B Testings. Das setzt uns unter Druck und lässt uns näher am Kunden sein.“ Kai Friedrich, Consorsbank.

Weiterlesen

BFM Business Finance Management

Sie suchen ein unbesetztes Marktsegment für Digital Banking? Hier ist es.

Unglaublich, aber wahr: Es gibt noch Marktsegmente, in denen die deutschen Banken praktisch keine Next Generation Finance Lösungen anbieten. Wenn Sie also keine Lust mehr haben, ihre Apps und ihr PFM ständig mit der Bank um die Ecke zu vergleichen, dann begeben Sie sich doch mal auf ein Terrain ohne Konkurrenz: Banking für Freiberufler und kleine Unternehmen.

Zumindest die IT-Anbieter haben die Marktlücke erkannt. Auf der Finovate in London gab es mehrere Präsentationen dazu. Bevor ich darauf eingehe, mal kurz zur Frage: Wie kommt es eigentlich, dass hier ein ganzes Kundensegment unbeackert geblieben ist?

Brett King hat darauf schon vor Jahren eine Antwort gegeben, die vermutlich immer noch gilt: Weil Banken einfach keinen Bezug zu den Bedürfnissen dieser Kundengruppe haben. Ernsthaft verdient wird an den großen Firmenkunden. Denen muss ich aber im digitalen Bereich nicht viel bieten, was eine Benutzeroberfläche hat – die nutzen EBICS und integrieren all ihre Bankverbindungen in ihr ERP-System.

Anders sieht es bei Freiberuflern und Kleinunternehmern aus. Die haben teilweise gar keine Buchhaltungssysteme, oder nur sehr schlichte. Außerdem sind die geschäftlichen Transaktionen überschaubar: Sie kaufen Materialien, laufen Zahlungseingängen ihrer Kunden hinterher und vielleicht zahlen sie sogar Gehälter. Viele Freiberufler wären schon dankbar, wenn sie bei der Abrechnung der Mehrwertsteuer unterstützt würden. Gleichzeitig sind sie flexibel und nehmen Hilfe gern an – siehe hier unsere Erfahrung mit dem Taxiunternehmer, der seine Firma aus dem Auto führt.

Weiterlesen

Finance2.0-Konferenz

Next Gen Finance: Die Events im kommenden Halbjahr

Die folgenden Veranstaltungen kann ich Ihnen ans Herz legen, wenn Sie sich über den Stand der Dinge in der Next Generation Finance austauschen wollen – ich selber plane ebenfalls, dabei zu sein:

  1. CIBI Innovationstag am 19. März in München
  2. JAX Finance am 28.-29. April in London
  3. Finance 2.0 Konferenz am 05. Mai in Zürich
  4. Innovation for Banks am 20./21. Mai in Köln

Kurzeinstieg zu den Veranstaltungen:

CIBI Innovationstag

„Digitalisierung zwingt zu differenzierten Strategien“ titelt das ibi research über einen der Tracks – und diese Sichtweise ist typisch für die Veranstaltung. Die Stärke des CIBI Innovationstages liegt immer darin, dass er Banken und FinTechs aller Couleur zusammenbringt – vom BVR über Consors bis Yapital. Und natürlich bekommt man Einblick in die Forschungssicht des ibi -  das Preis- Leistungsverhältnis der Veranstaltung ist kaum zu schlagen. Diesen einen Tag sollten Sie sich unbedingt Zeit nehmen.

JAX Finance London

Der „Jax Finance Day“ war jahrelang ein Finance-Track auf den Jax- und W-Jax-Konferenzen in Deutschland. Ich habe das Konzept damals mit dem S&S-Verlag zusammen entwickelt und die JAX Finance Days moderiert. Jetzt ist daraus ein eigenständiger Event entstanden, der in London als zweitägige Konferenz stattfindet. Ich bin daran nicht mehr beteiligt und auch ein wenig traurig, dass es offenbar nur in London genug Potenzial für eine echte Finanzkonferenz für Teckies gibt. Aber gut – die Flüge sind günstiger, als man denkt. Fahren wir eben wieder mal ins Vereinigte Königreich.

Finance 2.0 Zürich

Schon zum dritten Mal findet die Finance 2.0 Konferenz in Zürich statt. Über das Programm lässt sich bisher noch wenig sagen. Ich kann nur aus der Vergangenheit berichten, dass es spannende Neuvorstellungen und gute Referenten gab. Auch für deutsche Teilnehmer lohnt sich der Blick über die Grenze – auch wenn die stets bescheidenen Schweizer das natürlich nicht so laut sagen, aber man kann sich dort einiges abgucken.

Innovation for Banks

Ich war jetzt zweimal auf der Innovation for Banks und fand die Dynamik unter den Teilnehmern stets sehr positiv. Mein Eindruck: Hier sind diejenigen, die wirklich was umsetzen. Nicht die Chief Strategy Officer, eher die Abteilungsleiter und Produktmanager, die das Banking modernisieren. Entsprechend locker kann man sich unterhalten. Ich freue mich schon darauf, Sie dort zu treffen!

Zum Schluss noch der Disclaimer: Ich bekomme für diese Empfehlungen keine Provision der Veranstalter, auch keinen freien Eintritt oder sowas. Bloginhalte sind nicht käuflich, ich empfehle nur, was ich wirklich für empfehlenswert halte.

Wizzio_App

Berater sind die neuen Kunden. Besonders im Private Banking.

Ein klarer Trend der Finovate war moderne Software für Bankberater. Mit der sie sich schnell auf Kundentermine vorbereiten können, die sie aber auch im Kundengespräch sinnvoll einsetzen können.

Während die FinTechs in den letzten Jahren primär Endkunden im Visier hatten, stehen also jetzt Berater im Fokus. Das passt ins Gesamtbild, nämlich dass FinTechs nicht mehr in Konkurrenz zu Banken gehen, sondern an Banken verkaufen.

Nun ist die Finovate immer der Spielplatz des technisch Möglichen, nicht des revisionsfähig Ausgereiften. Es gab sehr attraktive Interfaces zu sehen, MiFID-konform dürfte keine einzige davon gewesen sein. (Das haben die Anbieter auf Nachfrage auch nicht behauptet, mit denen ich gesprochen habe.)

Trotzdem kann man daraus eine Richtung ableiten, in die es bei der Weiterentwicklung der Software für Bankberater gehen wird:

  • „Tablet-First“ Design: Das Tablet wird zum Lieblingswerkzeug für alles, was nicht viele Eingaben erfordert. Insbesondere kann es im Kundengespräch zwanglos eingesetzt werden. Deshalb muss die Software zuallererst für das Tablet und Touchbedienung optimiert sein.
  • Verbindung von CRM und Diensten im Web: Zu den Kundeninformationen wird auch gleich die Anfahrt per Google Maps angezeigt,  die Anfahrtszeit im Kalender geblockt.
  • Verbindung von Kundendaten, Market Research und automatischen Empfehlungen: In der Vermögensberatung wird das Portfolio des Kunden zusammen mit den Meinungen der Bank zu den Positionen angezeigt. Das System generiert mögliche Handlungsoptionen mit unterschiedlicher Risikostruktur. Der Berater kann das dem Kunden auch zeigen, sie können gemeinsam eine der Handlungsoptionen auswählen.

Wizzio_Simulation

Weiterlesen

Finovate2015-fancy

Brauchen wir “Kernvertriebsbanksysteme”?

Man kann die Veränderungen im Banking fundamental in zwei Gruppen einteilen:

  • Disruption der Produktionsbank: Ersatz der branchenspezifischen Systeme und Protokolle durch offene, internet-basierte Ansätze. Beispiele sind Bitcoin (internetfähiges Geld), Ripple (internetbasierter Zahlungsverkehr in Echtzeit) und P2P-Kredite (Plattform statt Bank als Risikotransformierer).
  • Disruption/Evolution der Vertriebsbank: Weiterentwicklung der digitalen Kundenschnittstelle. Die reine Verbesserung ist zunächst einmal evolutionär, sie kann aber eine Qualität erreichen, durch die sie klassische Vertriebsstrategien in Frage stellt. Dann sind auch diese zunächst vergleichsweise harmlos aussehenden Apps und Websites disruptiv. In dem Sinne, dass sie bestehende Vorteile der Banken zunichte machen. In diesem Fall sind es eben die Vertriebsprozesse, die disrupted werden.

Die Einteilung leuchtet unmittelbar ein, scheint fast trivial. Trotzdem habe ich sie bei meinen Recherchen so nicht finden können – für sachdienliche Hinweise, ob schon mal jemand diesen Blickwinkel auf Next Generation Finance publiziert hat, bin ich dankbar.

Was folgt nun daraus? Die Banken müssen ihre IT in die Lage versetzen, die Veränderungen mit zu gehen, ohne bestehende Investitionen vorschnell zu entwerten. Auf der Finovate gab es mehrere Anbieter, die neue, zentrale Middleware-Plattformen als Lösungsansatz propagiert haben. Die Einsatzzwecke waren unterschiedlich:

  • Omnichannel: Middleware als zentrale “Kanalbündelung” zur übergreifenden Speicherung von Interaktionen, insbesondere Anträgen.
  • Bank als Plattform: Auch wenn man die Bank öffnet für externe Innovationen, kann eine Middleware Sinn machen, die eine konsolidierte Schnittstelle (“API”) zur Verfügung stellt. (Fidor macht das aktuell mit den “Pirates of Banking”, )
  • Neue Protokolle wie Ripple: Würde man radikal andere Zahlungsverkehrsverfahren in die bestehenden Systeme aufnehmen wollen? Wohl er nicht. Die “Altlasten” befruchten das Neue nicht, behindern es aber. Dann lieber an einer neuen Middleware andocken.

Zu Ende gedacht, entsteht bei mir das Bild eines “Kernvertriebsbanksystems”. Klassische Kernbanksysteme bündeln klassische Bankfunktionen und stellen gerade durch ihre hohe Kohärenz die Konsistenz der Buchungen sicher. Denkt man über Omnichannel, APIs etc. nach, merkt man schnell: genau diese Zusammenführung von Daten in einen einheitlichen Stand, eine einheitliche Sicht, benötigt man hier auch.

Weiterlesen

Finovate2015

Die paradoxe Botschaft der Finovate Europe Konferenz 2015

Soeben endet die Finovate Europe 2015 in London. Sie ist immer noch die wichtigste Konferenz für FinTech, sendet aber diesmal eine paradoxe Botschaft:

Einerseits boomt der FinTech-Markt. Allein in Großbritannien wurden 2014 über 340 Millionen Pfund in FinTech Firmen investiert. Der Markt für Finance Technologie insgesamt wird auf ein Volumen von 20 Milliarden geschätzt (Sunday Times von letztem Sonntag). Auch die Finovate selbst war so ausgebucht wie nie, und es waren auch wieder etliche Venture Capitalists vor Ort.

Anderseits stehen die Banken im Fokus. Die deutliche Mehrzahl der Präsentatoren zeigte Angebote für Banken, keine Revolutionen gegen den Bankensektor mehr. Selbst Bitcoin kam primär vor in Form von Portalen, die Banken eine einfache Integration ermöglichen. FinTechs sehen Banken heute als Kunden oder als Exit Strategie, nicht mehr als Gegner.

Was bedeutet das? Der Kampf um Kunden, um bessere Angebote und neue Dienste ist nicht vorbei. Er wird aber vor allem Bank gegen Bank stattfinden, weniger Bank gegen IT-Startups. (Wobei die Finovate natürlich den Blick insofern verzerrt, als die IT-Riesen wie Apple erst gar nicht vor Ort sind.)

Weiterlesen

DisruptionProduktionsbank

Digitalisierung ist ein alter Hut. Banking in freier Wildbahn, das ist disruptiv.

Man könnte behaupten, die Digitalisierung ihres Produktes habe der Musikbranche das Genick gebrochen. Und niemand würde widersprechen. Genau besehen stimmt das aber nicht:

Die Digitalisierung der Musikbranche fand Anfang der 80er statt. Digitale Aufnahmetechnik im Studio und digitales Abspielen auf dem CD-Player etablierten sich. Das war kein Problem für die Musikindustrie, sondern ein Riesengeschäft. Weil sie alte Platten nochmal als CDs verkaufen konnte.

Kritisch wurde es erst, als die Konsumenten die digitale Musik selber erstellen (CD-Brenner) und verteilen (MP3, Web) konnten. Digitalisierung ist überhaupt kein Problem, solange sie unter Kontrolle der Anbieter steht. Das Problem entsteht durch die Öffnung, durch die Verlagerung des Geschäfts in öffentliche Netze, in Standardformate, durch den Machtzuwachs der Konsumenten, die zu Prosumenten werden (oder schlicht zu Raubkopierern).

Auch die Banken haben ihr Produkt „Geld“ längst digitalisiert. Giralgeld ist genau das: Digitales Geld. Die Virtualisierung von Geld ist sogar noch viel älter: Zu den ersten Leistungen von Banken gehörte das Ausstellen von Wechseln. Damit Händler vor Wegelagerern geschützt waren, führten sie statt Geld nur den Wechsel mit. Als virtuelles Geld. Banken haben auch ihr eigenes Netz geschaffen, in dem sie das digitale Geld bewegen können.

Nur: Das alles ist auf dem Stand, den die Musikindustrie Mitte der 80er erreicht hatte. Es ist eine rein brancheninterne Digitalisierung unter Kontrolle der Anbieter (und deren Aufsichtsbehörden). Was hindert denn eine Bank daran, zum Raubkopierer zu werden und ihr Giralgeld zu vermehren? Die Bilanz würde nicht mehr stimmen und die Aufsicht würde hoffentlich einschreiten. Also die systeminternen Kontrollen, mehr nicht.

Das digitale Geld der Banken wäre in der freien Wildbahn des Internet überhaupt nicht überlebensfähig. Wo systeminterne Kontrollen fehlen, wäre es beliebig kopierbar und würde seinen Geldcharakter sofort verlieren.

Auftritt Bitcoin: Ein digitales „Geld“, das für die offenen Netze gemacht ist. Das jeder selbst durchs Netz schicken kann, billiger und schneller, als die Banken es in ihrem internen Netz können. Klar, ich sehe die Schwächen von Bitcoin auch. Bisher bin ich immer noch der Ansicht, dass es eher das Napster der Kryptowährungen ist, noch nicht das iTunes. Aber der Zuspruch wächst, vielleicht bleiben wir wirklich beim Pionier des Internetgeldes hängen.

Es ist auch egal, ob nun Bitcoin oder ein besser eingebundener Nachfolger das Rennen macht. Entscheidend ist, dass die Banken verstehen: Sie sind noch gar nicht im Internet. Sie sind mit ihrer Digitalisierung noch voll in ihrem internen Netz gefangen. Bisher haben sie lediglich Brücken geschlagen ins Internet mit den Websites, mit Online- und Mobile-Banking. Aber ihre Produkte selbst haben den Sprung ins Netz nicht geschafft.

Weiterlesen

bionym2

Wearable Banking kommt tatsächlich

Mit dem iPad hat Apple damals erfolgreich eine ganz neue Gerätekategorie etabliert. Seitdem glauben alle daran, dass weitere Gerätekategorien ebenso erfolgreich sein können. Um Google Glass ist es etwas ruhiger geworden, aktuell stehen andere „Wearable Computing Devices“ im Vordergrund, vor allem Smart Watches. Offenbar ist der Cyborg-Look von Google Glass nicht jedermanns Sache – Armbänder sind da unauffälliger, im besten Fall sogar modische Accessoires. Jetzt starten gleich zwei Initiativen, die solche Armbänder fürs Banking nutzen:

Weiterlesen

Top