thinkBoldSpecial

Schöne neue (bimodale) Welt. Innovations-IT trifft auf Exzellenz-IT.

„Bimodal.“ Was klingt, als sei es eine Persönlichkeitsstörung, ist in Wirklichkeit die spannendste Herausforderung für die IT in Zeiten der Digitalisierung. IT muss heute nämlich in zwei Modi gleichzeitig operieren: einem stabilen und einem agilen Modus. Aber so, dass ein Ganzes daraus entsteht, keine parallelen Welten. Sonst endet es doch mit einer Störung, mit schizophrener IT nämlich.

Wie man das konkret angeht, wird am 30.09.2016 auf der „thinkBold *special“-Konferenz in Köln von hochrelevanten Praktikern der Finanzbranche diskutiert. Das Programm finden Sie hier. Für die Leser des Blogs wurden ein paar Plätze reserviert, bei Interesse wenden Sie sich einfach an mich oder info@syngenio.de.

Warum brauchen wir überhaupt bimodale IT in der Finanzbranche? Geht das überhaupt, agil arbeiten und dabei alle Regularien einhalten? Die banale Antwort ist: Wer Produktions- und Vertriebsbank sein will, braucht beides, stabile IT und agile IT.

Die stabile IT ist effizienz- und kostenoptimiert, zuverlässig und hochverfügbar. So muss die Produktions-IT auch sein, um im Wettbewerb um bessere Cost-Income-Ratios mithalten zu können. Eine solche IT ändert man aber auch nur ganz vorsichtig, mit viel Vorlauf. Zwei Releases im Jahr.

Gleichzeitig wenden die Kunden sich immer mehr den wirklich gut gemachten digitalen Angeboten zu. Dafür brauchen wir die agile IT, die ständig Verbesserungen einbaut und sofort auf Kundenfeedback reagiert. Wer als Vertriebsbank erfolgreich sein will, muss heute agil entwickeln. Da schafft man dann auch mal zwei Releases pro Monat.

Und wenn wir beides brauchen, müssen wir es auch miteinander verheiraten. Übergänge zwischen Innovation und Exzellenz schaffen. Bank-API ist in diesem Kontext ein Stichwort, aber auch nicht die Antwort auf alle Fragen.

Die thinkBold Special bringt die konkreten Fragen mit dem Big Picture zusammen. Payment, Banking und Brokerage sind mit Anwenderberichten vertreten, auf die ich schon sehr gespannt bin. Auch zu Internet der Dinge, Blockchain und Algorithmic Banking werden wir Redner aus der wirklichen Praxis hören.

Sehr passend finde ich auch den Beitrag zur Frage, was man von einer gut geführten Cocktailbar über Methoden der Hochverfügbarkeit lernen kann. Die Konferenz geht dann nämlich in die 15-Jahr-Feier der SYNGENIO über. Da sind wir dann schon gleich in der richtigen Stimmung. Wie gesagt, ein paar Gäste kann ich noch reinschmuggeln. Geben Sie mir mal einen Wink.

ThinkBoldBanner

Payment_PSD2_SCA

PSD2 bringt uns fließendes Vertrauen bei Authentisierungen

Mit der PSD2 wird Authentisierung nicht mehr gleich Authentisierung sein. In Zukunft kommt es auf die Abfolge der Authentisierungen an, die ich bereits hinter mir habe. Je nachdem reicht dann eine einfache Identifikation, oder es ist eine starke Authentisierung gefordert, also eine Erkennung anhand von zwei separaten Faktoren.

Klingt kompliziert? Das zu vermeiden, wird die Kunst bei der Nutzung der neuen Rollen sein, die mit PSD2 eingeführt werden.

Alles in Allem hat die EBA hier einen guten Job gemacht. Angesichts der Vorgabe aus Brüssel hatte ich ja bereits befürchtet, dass zukünftig jeder Kontozugriff und jede Zahlung eine starke Authentisierung braucht. Selbst Kleinstzahlungen. Immerhin definierte die Richtlinie, dass auch reine Informationszugriffe stark authentisiert sein müssen. Wie sollte man da die üblichen Bagatellgrenzen für kleinere Zahlungen rechtfertigen?

Aber die EBA hat es geschafft. Sie beruft sich darauf, dass es Ziel der Richtlinie sei, die Entwicklung innovativer benutzerfreundlicher Bezahlverfahren zu fördern. Das rechtfertige die Einführung von Ausnahmen. Ich finde das ja wirklich ausgesprochen gut und richtig, frage mich allerdings, ob die EBA genauso entspannt sein wird, wenn die beaufsichtigten Banken die gleiche Interpretationsfreiheit auf Regeln der EBA anwenden.

Selbst für die reinen Informationszugriffe gibt es jetzt eine Bagatellregelung. Beim ersten Mal und nach einer Pause von mehr als einem Monat muss man sich stark authentisieren, ansonsten reicht die einfache Identifikation. Das hilft allen, die regelmäßig ihre Kontodaten über denselben Weg abrufen.

Bei Zahlungen kann man auf die starke Authentisierung verzichten, wenn sie unter den üblichen Grenzen liegen (10€ bei Online-Zahlungen, 50€ an der Kasse). Aber neben diesen Limits für die einzelne Zahlung gibt es noch Limits für den kumulierten Betrag aller Zahlungen: Ab 100€ online oder 150€ an der Kasse greift dann doch wieder die starke Authentisierung.

Es kommt nicht immer starke Authentisierung zum Einsatz, dass schafft etwas Spielraum. Trotzdem entstehen für die Nutzer neue und erst einmal ungewohnte Situationen. Man weiß jetzt nämlich vorher nicht mehr, wie man sich authentisieren muss. Man muss sich daran gewöhnen, ab und zu nach einem zusätzlichen Identifikationsmerkmal neben dem Üblichen gefragt zu werden. Je nachdem, ob man gerade einen Schwellwert bei den kumulierten Zahlungen überschreitet.

Gerade bei den reinen Informationszugriffen „fließt“ das Vertrauen in die Korrektheit einer Anmeldung sozusagen von einem Login zum anderen. Solange die Kette der Zugriffe nicht abreißt, ist alles in Ordnung. Erst bei einer längeren Pause reißt der Fluss ab, das Vertrauen in den Zugriff muss erst wieder durch die starke Authentisierung hergestellt werden.

Weiterlesen

Innovation_Transformation

Von der Innovation zur digitalen Transformation. Es beginnt.

Jede Bank spricht über Innovation. Und tut auch was, keine Frage. Es gibt eine Menge Bewegung. Aber wenn wir ehrlich sind: Darunter sind auch eine Menge Ausweichbewegungen. Es kann einen schon verblüffen, wie viel Innovation man in einer Organisation einführen kann, ohne wirklich etwas zu verändern.

Denn das halte ich schon für entscheidend: Die eigentliche Herausforderung der Branche ist die Digitale Transformation. Und Transformation heißt Veränderung. Veränderung der eigenen Haltung, Unternehmenskultur und sogar des Selbstverständnisses.

Im Moment sind wir mit dem Thema „Innovation“ deutlich weiter als mit der „digitalen Transformation“. Innovationen finden zahlreich statt, und zwar vor allem zwei Typen von Innovationen:

  • Optimierende Innovation: Beispiel VideoIdent. Eine Verbesserung der bestehenden Produktanträge mit den Mitteln der Digitalisierung. Fertig zukaufbar von entsprechenden Anbietern. Das Thema lässt sich in der Organisation der Bank genau zuordnen. Man weiß, wer zuständig ist, wer das Projektbudget beantragt. Es ändert sich auch Null und Nichts an den bestehenden Produkten oder am Kunde-Bank-Verhältnis. Die Identifikation wird digital, Interessenten können reibungsloser Kunde werden, sonst bleibt alles beim Alten. Diese Form der Innovation lässt sich sehr gut einbauen.
  • Ergänzende Innovation: Neben dem bestehenden Geschäft wird Innovation zusätzlich betrieben. Als Incubator, Hackathon, Innovation Space, oder wie auch immer. So kann man Innovation machen, ohne dass die Organisation wirklich umdenken oder umlernen müsste. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin dafür, dass man diese Dinge angeht. Das ist alles richtig. Aber es ist eben ein sehr vorsichtiger Schritt in Richtung Veränderung. Wir führen das Neue mal ein. Am Rande. Da, wo es noch nicht ans Eingemachte geht. Wenn alles gut geht, befruchtet es die Unternehmenskultur. Dann verbreitet sich die Lust aufs Neue in der Bank und Umdenken wird salonfähig.

Wir sind jetzt an dem Punkt, an dem die führenden Banken wirklich beginnen, mehr zu tun, ernsthafte Transformationsschritte anzugehen. Damit wird es jetzt spannend:

Weiterlesen

BeDisruptiveWeb

Und FinTechs disrupten doch. Aber anders als gedacht.

Über die Relevanz der FinTech-Szene ist eine neue Debatte entbrannt. Einerseits beweist der Verkauf der Fidor Bank an die Groupe BPCE die Bedeutung der neuen Szene für die etablierten Banken. Auch der neu entbrannte Wettbewerb zwischen London und Berlin um die FinTechs spricht dafür, dass von den Softwareschmieden der Finanzbranche noch viel erwartet wird.

Anderseits fragt das Wirtschaftsmagazin Brand Eins im Artikel Das nächste kleine Ding, wo denn nun die laufend angekündigte Disruption bleibe:

„Digitale Angreifer, die die Banken wirklich ersetzen und etwas substanziell Besseres anbieten? Fehlanzeige. […] Bis heute […] beliefen sich die Marktanteilsverluste der etablierten Finanzhäuser an Fintechs auf „kaum mehr als einen Rundungsfehler“.“ (Brand Eins)

Schlimmer noch, der Artikel bemängelt nicht nur fehlende Erfolge – die könnten sich ja noch einstellen. Er wirft den FinTechs sogar vor, die Kernprinzipien der digitalen Transformation zu verraten: Nämlich zu sehr von der „coolen“ Technologie und ihren Möglichkeiten her zu denken, und zu wenig vom Kundennutzen her. Das ist schon ein Schlag in die Magengrube. Autsch!

Tatsächlich ist die Diskussion ja eigentlich auch längst weiter. Im Januar 2015 (!) schrieb ich in diesem Blog über die Finovate-Konferenz:

Die deutliche Mehrzahl der Präsentatoren zeigte Angebote für Banken, keine Revolutionen gegen den Bankensektor mehr. FinTechs sehen Banken heute als Kunden oder als Exit Strategie, nicht mehr als Gegner.

Was bedeutet das? Der Kampf um Kunden, um bessere Angebote und neue Dienste ist nicht vorbei. Er wird aber vor allem Bank gegen Bank stattfinden, weniger Bank gegen IT-Startups.

Schon damals kommentierte Hans-Jörg Leichsenring vom Bank Blog, das sei doch nicht überraschend. Im April diesen Jahres analysierte Dirk Elsner im Capital-Artikel Die FinTech-Revolution fällt aus sehr elegant, dass Disruption zum Unwort verkommt und FinTechs die Kooperation mit den Banken suchen:

Die Digitalisierung bedroht nicht den Finanzsektor, sondern die darunter zusammengefassten Konzepte, Technologien und neuen Services erweitern die Angebotspalette an Finanzdienstleistungen. (Dirk Elsner in Capital.de)

Also sind sich alle einig, dass FinTechs viel mit Banken kooperieren und wenig verdrängen. Heißt das, die Disruption fällt aus? Alles bleibt beim Alten, es ändert sich nichts für die Banken? Nein.

Die FinTechs disrupten vor allem die bisher weitgehend exklusiven Leistungen der eigenen Bank-IT. Hier wird ein tatsächlich bestehendes Produkt, nämlich die Bereitstellung von IT-Leistungen für Banken und Bankkunden, tatsächlich durch neue Anbieter erbracht. In manchen Fällen ist die Beziehung Kunde-Lieferant hier eine bankinterne Kundenbeziehung zwischen Fachbereich und IT-Bereich. Deshalb lässt sich das Ausmaß der wirtschaftlichen Verschiebung nicht so einfach messen.

Fakt ist aber, dass Banken sich immer mehr daran gewöhnen, Innovationen in neuen Strukturen und mit externen Anbietern zu erstellen. „Innovationen entwickelt man selbst, aber nicht allein“ ist einer der 3 Schlüsselfaktoren für die digitale Transformation bei Banken.

SYNGENIO hat in der Vergangenheit oft direkt für die Bank-IT gearbeitet. Das tun wir auch immer noch, vor allem, um die Bank-IT zu stärken im neuen Wettbewerb mit fremden IT-Anbietern. Agilität, MVP-Entwicklung, Strukturen für eine bimodale IT sind da zentrale Themen.

Zunehmend kommen aber auch Digital Offices, Multichannel-Manager, Marketing oder Innovationsmanager direkt auf uns zu. Gerade Zukunftsthemen bei der Kundenansprache, bei Mehrwertdiensten oder neuen Geschäftsmodellen gehen Fachbereiche inzwischen direkt mit externen bankerfahrenen IT-Unternehmen an. Die „agile IT“ ist zunehmend extern, der internen IT droht die Reduktion auf die „stabile IT“. (Aber, wie oben geschrieben, auch die interne IT macht sich zunehmend fit für den Wettbewerb.)

Das ist natürlich eine Disruption, die dem Bankkunden erst einmal egal ist. Deswegen sieht es aus Endkundensicht leicht so aus, als fände sie nicht statt. Im internen Gefüge der Banken aber werden die Karten neu gemischt. Daher kann man nur allen Mitarbeitern in Banken, in der Bank-IT und bei den externen Bank-IT-Unternehmen sagen: Ihr steckt mitten in einem disruptiven Prozess. Wenig bleibt beim Alten, und wer sich schneller wandelt, wird zu den Gewinnern gehören.

AXA_Ingress_Augmented_Reality

Augmented Reality Marketing mit Pokemon Go und Ingress. Ernsthaft.

So, jetzt heißt es schnell sein und den Hype nutzen: Pokemon Go lockt Menschen von fünf bis fünfzig Jahren dahin, wo die Pokemons sind – auch zur Bankfiliale. Und das für extrem wenig Geld, denn Sie brauchen nicht unbedingt eine teure Werbekampagne. Suchen Sie Filialen in der Nähe einer Spiele-Lokation, eines sogenannten Poke-Stops, und versprechen Sie, dort zu bestimmten Uhrzeiten sogenannte „Lockmodule“ einzusetzen, die Pokemons anlocken.

Publizieren Sie das auf ihrer Facebook-Seite und auf Pokemon-Fan-Sites und sie werden überrascht sein, welches Medienecho Sie erreichen: Im Netz und in der Realität vor ihren Filialen. Kosten: Für 100 € bekommen Sie Lockmodule für gut 85 Stunden, das reicht um an zehn Filialen eine Woche lang jeden Tag eine „Happy-Lockstoff-Hour“ einzurichten und den Spieler noch ein paar Mal Nachschlag zu gönnen.

Die Kosten sind Peanuts im Vergleich zur möglichen Wirkung, garantiert auch Peanuts im Vergleich zur McDonalds-Werbekampagne, von der die Gerüchteküche berichtet. McDonalds möchte offenbar alle seine Filialen zu Poke-Stops machen, womöglich noch so, dass seltene Pokemons dort besonders oft auftauchen. Dafür werden sie dann richtig Geld hinlegen müssen.

Übrigens ist die Finanzbranche Pionier bei der Nutzung von Augmented Reality Games für Werbezwecke. Der Anbieter von Pokemon Go, die Firma Niantic, hat nämlich vor Jahren bereits das sehr ähnlich funktionierende Spiel Ingress herausgebracht. Allerdings fehlte hier der große Markenname und das futuristische Setting dürfte auch nicht jedermanns Sache sein.

Für Ingress konnte Niantic drei Werbepartner gewinnen: AXA, Mitsubishi Financial Group und Softbank. Letzteres ist eine japanische Software-Firma. Alle Werbekunden tauchen im Spiel mit Items auf, die nach ihnen benannt sind und besonders wertvolle Eigenschaften haben.

Von AXA kommt der „AXA-Shield“ und das ist natürlich der beste Schutzschild im Spiel. Passender geht es ja wohl nicht mehr. Mitsubishi Financial Group stellt die „MUFG-Kapsel“, in der sich Items vermehren, also sozusagen verzinsen.

Wirklich cool ist, dass alle AXA-Filialen in Deutschland Spiele-Lokationen sind, an denen man besonders leicht AXA-Schilde bekommt. Glauben Sie mir, alle Ingress-Spieler kennen die AXA-Filialen in ihrer Stadt.

Weiterlesen

PSD2 Artikel97

PIN/TAN mit PSD2: Klarheit oder neue Unsicherheit?

Was geht mit PIN und TAN? Schafft die PSD2 hier mehr Klarheit oder eben nicht? Derzeit sieht es für mich so aus, als würden Zahlungsauslösedienste (wie SOFORT) profitieren, während Kontoinformationsdienste (wie figo.io  oder finapi.de) erst mal verunsichert werden.

Aktuell ziehen die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) und das Kartellamt ihren Streit um die Sofortüberweisung gnadenlos durch: Das Kartellamt hält die AGBs der Banken für wettbewerbswidrig, wogegen die DK wiederum gerichtlich vorgehen wird. Dabei würden auch etliche deutsche Banken selber gern Multibanking anbieten, wofür sie die Zugangsdaten zu anderen Banken speichern müssten. Da machen ihnen jetzt die eigenen Verbände mit den starren AGB einen Strich durch die Rechnung.

Und zumindest das Kartellamt weist in seiner Pressemitteilung wenigstens darauf hin, dass die PSD2 das Thema Sofortüberweisung ja einer neuen Regulierung zuführt, durch die sich der ganze Streit erledigen wird. Zahlungsauslösedienste sind in der PSD2 ausdrücklich vorgesehen. Wenn sich SOFORT an die Spielregeln hält, können die Banken sie nicht mehr stoppen. Das ganz Hin und Her zwischen DK und Kartellamt ist also ohnehin nur noch ein Spiel auf Zeit. Haben wir wirklich nichts Wichtigeres zu tun?

Was mich aber noch viel mehr irritiert, sind die Vorgaben der PSD2 zum Thema starke Authentisierung. Artikel 97 Absatz (1) sagt eindeutig, dass eine starke Authentisierung nötig ist, wenn ein Kunde online auf sein Zahlungskonto zugreift. Starke Authentisierung heißt: Zwei verschiedene Authentisierungsverfahren, etwa Wissen (z.B. PIN), Besitz (z.B. Karte, TAN-Generator) oder Biometrie (z.B. Fingerabdruck).

Das wird lästig für die Kunden, wenn sie zukünftig schon beim reinen Zugriff aufs Konto zwei Merkmale liefern müssen. Nur PIN alleine geht dann dann wohl nicht mehr. Gut, die technische Richtlinie ist noch nicht fertig. Man könnte hoffen, dass hier wieder mal Bagatellgrenzen eingezogen werden, so dass man erst bei Zahlungen ab 50 € wirklich stark authentisieren muss.

Allerdings sagt Artikel 97 Absatz (4) noch mal ausdrücklich, dass die starke Authentisierung auch gilt, wenn der Zugriff über einen Kontoinformationsdienstleister erfolgt. Ein solcher Dienstleister führt gar keine Zahlungen aus! Man muss das also wohl so lesen, dass wirklich jeder Kontozugriff mit zwei Authentisierungsmerkmalen erfolgen muss, auch wenn gar keine Zahlung erfolgt.

Das könnte böse Folgen für figo und Co. haben. Eigentlich will die PSD2 ihnen ja helfen, indem sie einen ordentlich regulierten Status als Kontoinformationsdienstleister für diese APIs einführt. Aber in der Praxis könnte sie ihnen das Leben schwer machen: Bisher reichte eine PIN zum Zugriff aufs Konto, die konnte figo speichern. Zukünftig werden Besitz oder Biometrie hinzukommen, was sich beides nicht speichern lässt. Noch schlimmer: Naheliegend ist, dass die Banken jeweils die etablierten TAN-Verfahren als zweiten Faktor nutzen. Dann muss der Kunde womöglich pro Bank einen separaten TAN-Generator herausholen, nur um sich den Kontostand all seiner Konten über figo anzeigen zu lassen. Und figo müsste all diese Verfahren implementieren, um die Authentifizierungsdaten an die Banken weiter zu leiten.

Ist das so wirklich im Sinne des Erfinders? Kann die technische Richtlinie da noch aus der Patsche helfen? Ich weiß es nicht. Immerhin hat die EBA schon selbst eingestanden, dass die Schwierigkeit bei der Umsetzung der PSD2 darin bestünde, die verschiedenen Ziele der Richtlinie in Balance zu halten. In diesem Fall will der Gesetzgeber mehr Sicherheit für den Kunden einerseits (dafür die starke Authentisierung) und er will den Banken ihr Monopol auf die Kontodaten entziehen (dafür die Einführung der Kontoinformationsdienstleister). Es könnte sein, dass sich die beiden Ziele hier gegenseitig so sehr im Wege stehen, dass weder die Kunden noch die Dienstleister das Ergebnis mögen.

Fairwert_Payment

Payment: Fairwert statt Mehrwert

Beim Wettbewerb der Bezahlsysteme rücken die sogenannten Mehrwerte immer stärker in den Fokus: Was bietet ein Verfahren dem Kunden über schnelle und verlässliche Abwicklung hinaus noch?

Das Problem ist: Wenn man von „Mehrwerten beim Payment“ spricht, wedelt der Schwanz mit dem Hund. Wie mein Kollege Mark Spiessl immer sagt: Niemand verabredet sich, am Samstag in der Stadt bezahlen zu gehen. Man verabredet sich zum Shoppen. Bezahlen ist das lästige Anhängsel des Themas Einkaufen, und nicht Einkaufen ein Mehrwert des Bezahlens.

PAYBACK zeigt mit der neuen App, wie man Bezahlen so hinter Angeboten und Punkte sammeln versteckt, dass vor lauter positiven Botschaften das unangenehme Gefühl, Geld auszugeben, fast verschwindet.

Es stellt sich die Frage, wie die Rollenverteilung von Banken und Handel beim Payment zukünftig sein wird. Solange ich mit Karten zahle, bin ich ganz froh, davon nicht zu viele im Portemonnaie mit mir rumzuschleppen. Aber Apps? Die wiegen nichts, nehmen keinen Platz weg, öffnen sich bei Kontakt zum Beacon automatisch – von mir aus kann ich für jeden Händler eine andere Bezahlapp nutzen.

Und wie gesagt: Einkaufen ist schön, bezahlen tut weh. Da habe ich doch lieber eine Einkaufs-App als eine Bezahl-App. Die Frage ist, welche Chance Banken überhaupt haben, eine wichtige Rolle beim mobilen Bezahlen zu spielen? Wenn sie diesen Service an den Handel abgeben, verlieren sie den häufigsten Kontaktpunkt zwischen Kunde und Bank. Bezahlen ist mit Abstand die häufigste Finanztransaktion.

Ich glaube nicht, dass Banken den Handel imitieren sollten. Da können sie nur verlieren. Sie müssen sich auf das konzentrieren, was sie besser können als der Handel. Und was ist das?

Weiterlesen

IDNow Patent VideoIdent

IDnow erhält Patent auf Videoidentifikation

IDnow war bisher einer der führenden Anbieter von GWG-konformen Videoidentifikationslösungen – aber nicht der Einzige. Ändert sich das jetzt?

Das europäische Patentamt hat IDnow ein Patent auf ein Verfahren zur Benutzeridentifikation über Video erteilt. Sie finden es hier. Das Verfahren enthält wesentlichen Elemente einer Fernlegitimation, die den Kriterien der BaFin zur GWG-Konformität genügt. IDnow stellt hier einen Vergleich von Patent und Vorgaben der BaFin bereit.

Das Verfahren wurde bereits im Januar 2013 zum Patent angemeldet, also über ein Jahr vor dem entsprechenden Rundschreiben der BaFin. Dementsprechend sind das patentierte Verfahren und die BaFin-Vorgaben nicht identisch. Es sieht aber so aus, als wäre die BaFin eigentlich nur noch etwas spezifischer gewesen. Wenn sich das bestätigt, heißt es: Jede laut BaFin-Kriterien GWG-konforme Videoidentifikation fällt unter den Patentschutz. So sieht das auch IDnow.

Was bedeutet das jetzt für den Wettbewerb? Und für Banken, die Lösungen anderer Anbieter nutzen? Das dürfte davon abhängen, ob und wie sich die Wettbewerber mit IDnow einigen. Grundsätzlich steht einem Patentinhaber das Recht zu, sein Patent ausschließlich selbst zu nutzen, es also anderen vorzuenthalten. Allerdings kann der Patentinhaber gezwungen werden, Lizenzen zu vergeben, wenn der Lizenznehmer die Lizenz für eine wesentliche Weiterentwicklung des Verfahrens benötigt.

Eigentlich steht ja für dieses Jahr die Erweiterung der Videoidentifikation um den Online Vertragsabschluss mit QES auf der Agenda. Durch das Patent könnten sich jetzt erst einmal wieder offene Fragen zur eigentlichen Identifikation in den Vordergrund drängen. Wir werden sehen – die Information ist noch zu frisch, als dass man sie abschließend bewerten könnte.

 

Blockchain

Die Blockchain-Revolution findet nicht statt

Blockchain, das war die Technologie, die Banken wirklich tiefgehend disrupten sollte. Die dem etablierten Finanzsystem sein Monopol auf Zahlungsverkehr zu entreißen drohte. Ein offenes Zahlungssystem, im Prinzip ähnlich zu Bitcoin, aber ohne dessen Limitierungen und Kinderkrankheiten. Geld in freier Wildbahn, habe ich das mal genannt.

Der aktuelle Stand: It’s not happening. Die Revolution ist abgesagt.

Um das zu verstehen, schauen wir auf die Banken, die Angreifer, und dann auf die anderen Bereiche, in die sich die Revolution verschoben hat. Es reicht, Gruppen zu betrachten, denn Blockchain und Zahlungsverkehr leben vom großen Netzwerk. Alleingänge sind witzlos.

Die Banken sind vor allem im Konsortium von R3 aktiv. 45 Großbanken sind aktuell dabei, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank, die UBS, JP Morgan, Wells Fargo – alles, was Rang und Namen hat. 60% der systemrelevanten Banken seien an Bord.

R3 hat mit Ethereum experimentiert, später auch mit IBMs OpenLedger / Hyperledger – und schließlich Corda vorgestellt. Corda ist ein verteiltes Buchungssystem (Distributed Ledger), das an die Bedürfnisse der Banken angepasst ist. Es soll die automatisierte Abwicklung von Verträgen zwischen Banken ermöglichen, Clearingstellen überflüssig machen und Kosten des Settlements eliminieren. Sogar „Kontrollknoten“ für die Regulierer sind vorgesehen. Dabei kann Corda wesentlich effizienter sein als Bitcoin, weil Transaktionsdaten nur von den Beteiligten der jeweiligen Transaktion gemeinsam gespeichert werden, nicht von jedem Knoten im Netz. Auch der bei Bitcoin aberwitzig aufwändige „Proof of Work“ kann sehr schlicht geregelt werden.

Nur: Das funktioniert, weil Corda eben keine Blockchain mehr ist. Corda soll den Banken Kosten sparen, indem Jahrzehnte alte Verfahren internationaler Geschäftsabwicklung durch ein neues System ersetzt werden. Das neue System funktioniert aber nur zwischen Anbietern, die sich vertrauen. Sprich: Zwischen den regulierten Anbietern des heutigen Zahlungsverkehrssystems. Alle anderen bleiben schön außen vor.

Weiterlesen

Budgets im PFM

PFM: Budgets helfen nicht weiter

Zugegeben, ich stand dem Budget-Feature im Personal Finance Management schon immer skeptisch gegenüber. Jetzt habe ich ihm doch eine Chance gegeben. Ergebnis: Mehr denn je halte ich Budgets im Privathaushalt für Unsinn. Meine Erfahrungen sehen so aus:

Die großen monatlichen Ausgaben etwa für die Immobilie und die Krankenkasse sind sowieso fix. Um sie zu kennen, muss ich keine Budgets anlegen. Wenn sich also in den Budgets für „Wohnen“ oder „Gesundheit“ etwas tut, dann wegen eines Rohrbruchs oder eines Unfalls. Anders gesagt: da entscheidet dann nicht mehr der Budgetplaner über die Priorität der Ausgaben. Das musste dann sein.

Die übrigen großen Ausgaben fallen nicht monatlich, sondern viel seltener an: Neues Auto, neue Möbel, neues Smart-Dings. Da helfen mir weder Monats- noch Quartalsbudgets weiter. Selbst bei Urlauben sind die Kosten so unterschiedlich, dass man sie dann doch besser einzeln einplant, anstatt mit einem pauschalen Quartalsbudgets zu arbeiten.

Dann bleiben noch ein paar Bereiche übrig, in denen wirklich monatlich wechselnde Kosten anfallen: Haushalt, Kleidung, Restaurants, Ausgehen, Hobby. Hier kann und muss ich wirklich entscheiden, wofür ich mein Geld denn nun ausgeben will.

Aber nicht einmal dabei fand ich Budgets pro Kategorie sinnvoll: Wenn ich in einem Monat mein Budget für Restaurants überschritten habe, was bedeutet das dann? Zunächst einmal gar nichts. Denn wenn ich gleichzeitig die Budgets für Hobby und Kleidung nicht ausgereizt habe, passt es womöglich doch wieder. Um zu wissen, wo ich stehe, muss ich dann wieder alles anschauen.

Da kann ich auch gleich auf den Indikator zurückgreifen, den wir in Wirklichkeit alle verwenden: den Kontostand. Wenn es zuerst Budgets gegeben hätte, dann wäre die Erfindung des Kontostands als großer Fortschritt gefeiert worden: Endlich nicht mehr einzelne Budgets abgleichen müssen, stattdessen gleich die „Bottom Line“  anschauen. Da ist die Information in eine einzige Zahl verdichtet.

Natürlich hat der Kontostand gravierende Nachteile. Er erklärt nicht, wie er zustande gekommen ist. Bei dieser Analyse hilft Kategorisierung (auch ohne Budgets). Vor allem berücksichtigt der Kontostand die Zukunft nicht. Weder die unmittelbare Zukunft, also was diesen Monat noch von meinem Konto abgeht, noch ein Ansparen für zukünftige größere Anschaffungen.

Wir bräuchten also durchaus einen besseren Indikator, wo wir finanziell stehen. Die Kombination aus aktuellem Kontostand und Prognose des Kontostands zum Monatsende ist schon ein wesentlicher Fortschritt. Wenn man noch Rücklagen für größere Ausgaben in kommenden Monaten einbezieht, hat man einen wirklich sinnvollen Indikator. Dann weiß man, wieviel Geld man für „Nice to have“-Themen raushauen kann.

Und mehr muss ich als Privatmensch auch gar nicht im Blick haben. Anders als bei Unternehmen ist die wirtschaftliche Optimierung ja kein Selbstzweck. Ich muss nur den Spielraum kennen, den ich für die Optimierung meiner Lebensqualität habe. Die ja letztlich das Ziel ist.

Top