Hertie Stiftung

Sind Banker gierig oder können sie nicht anders ?

Von: Joachim Evers, Senior Business Consultant, syngenio AG

Unter diesem Titel fand am 10. Juli 2014 ein Vortrag der gemeinnützigen Hertie-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bei der Frankfurt School of Finance and Management statt.

 

Über 300 Teilnehmer warteten gespannt auf den Vortrag des umstrittenen Hirnforschers  Professor Dr. Christian Egler, der „in der Höhle des Löwen“ eher gemäßigt wirkte. Da der größte Saal nicht ausreichte, wurde der Vortrag in die Nachbarräume gestreamt, wo weitere Zuschauer doch noch diesem Vortrag folgen konnten.

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Joachim-Loew

Customer Onboarding entscheidet den Kampf um die Kunden

Viel Aufwand floss in die Gewinnung dieses Neukunden, jetzt endlich hat er das Webformular ausgefüllt. Nur muss er leider noch durchs PostIdent-Verfahren … und an dieser Stelle bleibt ein zweistelliger Prozentsatz der Kunden hängen.
Das ist ja nun auch wirklich nicht mehr zeitgemäß, findet Brett King: “Application Forms Kill Customer Innovation.” Er plant mit Moven “Downloadable Accounts”. Auch eine seltsame Vorstellung, schließlich kamen Konten schon immer aus der Cloud (aka Bank), und da gehören sie auch hin.
Nur der Antragsprozess mit Identifikation und Unterschrift ist eine echte Spaßbremse für Kunden und Innovatoren gleichermaßen. Sehr schön hat sich gerade eine LinkedIn-Gruppe darüber aufgeregt:

I think we need Gen-Y regulators to challenge some of the conventional wisdom that has been expired for a while, yet is still in-use. We don’t consume expired foods. Why should we have to be subject to expired customer identification and verification processes? (Ghan Desai)

Die Unterschrift ist immer noch der Klassiker unter den biometrischen Verfahren: Etwas, dass mir kraft endloser Wiederholung so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass es eine einzigartige Form angenommen hat. Nur stimmt dieser Mythos heute weniger denn je: Junge Erwachsene schreiben selten mit der Hand, auch den eigenen Namen. Sie können natürlich ihren Namen schreiben, aber eben nicht auf einzigartige Art und Weise. In diesem Sinne haben sie keine Unterschrift mehr!

Wenn Unterschriften ein Auslaufmodell sind, was können wir dann tun?

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PFM Sparkasse Chemnitz

Elektronisches Haushaltsbuch bei der Sparkasse Chemnitz und in der Zeit

Bisher hatten die Sparkassen vor allem das gedruckte Papier-Haushaltsbuch im Angebot. Den traditionellen Zettel-Look hat die Sparkasse Chemnitz beibehalten. Aber sonst ist alles anders, denn sie bietet jetzt ein ausgewachsenes Online Personal Finance Management (PFM), das den Vergleich mit den Angeboten anderer deutschen First Mover nicht scheuen muss: Einnahmen und Ausgaben-Visualisierungen, Kategorien-Tortendiagramm und individuelle Budgets. Es fehlen eigentlich nur Sparziele.

Ob der niedliche Papier-Look wirklich praktisch ist, kann ich anhand der Screenshots nicht beurteilen. Die Post-Its sehen eigentlich zu klein aus, um darauf wirklich Listen von Einzelbuchungen anzuzeigen. Schön aufgeräumt wirkt das Ganze aber auf jeden Fall.

Leider gibt es die moderne Lösung nicht unbedingt schon bald bei jeder Sparkasse. Die Chemnitzer sind nämlich „Enfant terrible“ im Verband und setzen IT auch mit ihrer eigenen Tochter um. So auch hier. Sparkassen, die rein auf die vom DSGV vorangetriebenen Lösungen setzen, bleibt bis auf weiteres der Verweis auf das gedruckte Haushaltsbuch. Aber vielleicht gelingt die Provokation ja und der Verband startet eine Multichannel-Initiative, die neben Papier und Bleistift auch Maus und Touchscreen unterstützt?

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Paypal bei DKB

DKB integriert Paypal

Was auf den ersten Blick wie eine Kapitulation vor der Konkurrenz aussieht, könnte einer der schlauesten Schachzüge einer etablierten Bank im Umgang mit Next Generation Finance Anbietern sein: Die DKB integriert Paypal in ihr Online-Banking.

Ausgerechnet die DKB, die ihre Kreditkarte als zentrales Kundenbindungsinstrument einsetzt und sie dafür auch mit bemerkenswerten Features ausstattet. Müsste sie nicht alles tun, um die Kunden zum Bezahlen mit der DKB-Kreditkarte zu motivieren? Warum andere Zahlungsdienste ins Boot holen?

Der entscheidende Punkt dürfte sein, dass Paypal seinerseits ja auf etablierten Zahlungsverfahren aufsetzt – unter anderem auf Kreditkarten. Und so gehört die Verknüpfung der DKB-Visa-Karte als Zahlungsverfahren in Paypal gleich mit zum Leistungsumfang.

Warum sollten Kunden auch nicht die Kreditkarte als Zahlungsmittel verwenden? Klar, bei Kreditkarten fallen Gebühren an. Die zahlt aber der Handel. Die Kunden sammeln Bonus-Punkte für den DKB-Club. Das ist für sie attraktiver als eine Lastschrift. Weiterlesen

Ripple Payments

Ripple schlägt Wellen: Fidor unterstützt Alternative zu Bitcoin

Ripple versucht sich an einem ganzheitlicheren Verfahren für internationale Echtzeit-Zahlungen als Bitcoin es bietet. Aufwind bekommt Ripple jetzt durch Fidor, die als erste Bank weltweit das Protokoll unterstützt. Vorgestellt hat Matthias Kröner die Initiative der Fidor letzte Woche auf der Konferenz „Zahlungsverkehr der Zukunft“, die ich als Teilnehmer und Referent für „Next Generation Finance“ besucht habe.

Wie unterscheidet sich Ripple von Bitcoin? Zwei Kernpunkte sehe ich:

  • Zum einen deckt Ripple auch die Schnittstellen zu realen Währungen ab. Gerade hier, bei den Börsen, ihrer Zuverlässigkeit und den Umrechnungskursen, war Bitcoin bisher schwach.
  • Zum anderen ist Ripple weniger auf Konfrontationskurs zu etablierten Finanzstrukturen ausgelegt. Im Gegenteil, es bietet von Anfang an die Möglichkeit, unterschiedlich stark regulierte Payment-Strukturen auf Basis seines Protokolls zu realisieren. Banken sind quasi natürliche Gateways in die Ripple-Welt.

Außerdem gibt es bei Ripple kein Geld-Mining und damit auch weniger spekulative Goldgräberstimmung. Aber schauen wir erst einmal, worum es überhaupt geht: Weiterlesen

Display TAN von NFC-TAN

INNOVATIONSforBANKS 2014: Mobile Banking Sicherheit im Fokus

Heute und morgen findet die Konferenz Innovations for Banks des Bankingclub statt. Einen Schwerpunkt bildeten heute Mobile Payment und Mobile Banking, insbesondere die Sicherheitsaspekte.

Mit “Display TAN” zeigte Dr. Bernd Borchert von der Uni Tübingen das vermutlich handlichste Chipkarten-TAN-Gerät der Welt: Es wird einfach direkt in die Karte integriert (siehe die Grafik oben, von www.nfc-tan.com).  Das Smartphone sendet per Bluetooth oder NFC die Transaktion an die Karte. Ein Display in der Karte zeigt die zu signierende Transaktion an, per OK-Button bestätigt der Nutzer. Der Kartenchip generiert dann die TAN, das tut er schon bei heutigen chipTAN-Verfahren. Wiederum per Bluetooth/NFC gehen die Daten zurück ans Smartphone. Solche Karten existieren bereits, als Kosten wurden 9€ / Stück genannt, das ist im Vergleich mit üblichen Chipkarten-TAN-Geräten eher günstig, um Vergleich mit Standard-Karten natürlich sehr teuer.

Mehr zur Diskussion um Sicherheitsverfahren im Mobile Banking und ums Mobile Payment:

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Bankingcheck Interview

Das andere Social Finance: Banken bewerten und vergleichen. Bankingcheck im Interview.

Wenn von Social Finance die Rede ist, denkt man zuerst an Twitterbanking und Facebook-Pages der Banken. Der wichtigere Aspekt von Social Finance ist aber derzeit der umgekehrte Weg: Kommentare über die Bank, die auf fremden Websites abgegeben werden. Vergleichs- und Bewertungs-Portale gewinnen immer mehr an Bedeutung. Eine Webtrekk-Studie hat 2012 als ersten Durchbruch für Vergleichsseiten identifiziert: Unter den Produktabschlüssen im Internet kamen erstmal mehr als 10% über Vergleichsseiten zustande, nach 1% bis 3% in den Jahren vorher.

Grund genug, Daniel Bödger nach seiner Einschätzung zu fragen. Er betreibt mit seiner Media Solutions GmbH die Webseite BankingCheck.de.

Herr Bödger, was bietet BankingCheck?

Im Gegensatz zu vielen anderen Finanzportalen liegt bei BankingCheck der Schwerpunkt auf Kundenmeinungen und Bewertungen. Einerseits können bei uns Kunden und Interessierte Bewertungen zu verschiedenen Finanzprodukten und auch zu den Banken und Anbietern selbst finden und lesen. Zusätzlich können Kunden natürlich auch die Konditionen der Produkte miteinander vergleichen. Ich denke das man sich nur so umfassend und frei über ein Produkt informieren kann. Weiterlesen

IBM Watson Financial Consulting

Sind Watson, Gabriel und der Mensch das neue Dreamteam der Finanzberatung?

IBM hat die DBS Bank in Singapur überzeugt, Watson einzusetzen. Watson ist ein System, das sehr große Datenmengen durchforsten und daraufhin Fragen beantworten kann. Berühmt wurde es, als es menschliche Spieler der US-Qizsendung „Jeopardy!“ deklassierte.

Einen anderen Ansatz, aber dasselbe Ziel verfolgt Advice Games mit ihrer Software Gabriel, die als „Finanzieller Schutzengel“ agieren soll.

Werden Bankberater durch Künstliche Intelligenz ersetzt?

Zumindest vorläufig zeichnet sich ein anderes Bild ab: Mensch und Software werden zu Teamplayern, die gemeinsam Kunden unterstützen. Dabei wächst die Software aber über ihre bisherige Rolle als reines Werkzeug hinaus und wird zum echten Partner: Einfache Fragen beantwortet sie direkt selbst, bei komplexen Aufgaben unterstützt sie die menschlichen Experten. Schauen wir uns die Ansätze mal an:

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Main Incubator

SLAM, Main Incubator, Trumpf: Das Ende des Branchendenkens

Normalerweise geht’s hier ja um Wandel in der Bankbranche durch die digitale Transformation. Aktuell ist aber ein anderer Wandel mal wieder augenfällig: Die zunehmende Auflösung des Konzepts „Branche“, auch in Bezug auf die Bankbranche. Hier mal ein paar aktuelle Meldungen:

  • Die Commerzbank gründet „Main Incubator“ zur Förderung von Startups im FinTech-Bereich. Büroräume, Experten, Fördergelder, Kooperationen mit der Commerzbank werden angeboten. Damit verschafft sich eine Großbank Zugang zum Markt der „Angreifer“. (siehe auch den Bericht in der „Gründerszene“ ). Ich bin sehr gespannt, was Main Incubator zur deutschen FinTech Landschaft beitragen wird!
  • Der Maschinenbauer Trumpf gründet seine eigene Bank. Bereits seit 2001 verfügt Trumpf über eine eigene Leasinggesellschaft. Das gab es bei anderen Maschinenbauern auch. Jetzt hat das Unternehmen aber eine Vollbanklizenz bekommen – ein Novum in der Branche. Ziel ist die Finanzierung des eigenen Absatzes. Trumpf sieht sich gegenüber klassischen Banken dabei im Vorteil, weil sie das Geschäft und damit die Risiken ihrer Kunden besser verstehen.
  • SLAM („Schnellladenetz für Achsen und Metropolen“) ist ein Kooperationsprojekt zum Aufbau einer Ladesäuleninfrastruktur für Elektroautos.  Neben den üblichen Verdächtigen wie Automobilherstellern und Forschungsinstituten engagieren sich auch der Energieversorger EnBW und der DG Verlag. Genossenschaftliches Tanken, das ist doch mal was Neues! Zitat:

„Wir sehen hier Chancen für die genossenschaftliche Finanzgruppe, sich als Innovator für das Zukunftsthema Energiewende, hier speziell der Elektromobilität, zu positionieren. Durch unser Engagement im Projekt SLAM erhalten wir exklusiven Zugang zu neuen Entwicklungen im Bereich Elektromobilität, der unseren Beratungsleistungen für die Volksbanken Raiffeisenbanken zu Gute kommt“ (Peter Erlebach, Vorstandsvorsitzender des DG Verlags)

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Brett King Small Data and context

Brett King über Moven: Small Data, weniger Friktionen

Vor zwei Wochen habe ich hier ja schon von Brett Kings Vortrag beim FI-TS-Forum berichtet. Beim Blogger Lunch ging es anschließend dann um die Ansätze, die er mit Moven umsetzt.

Bei Moven dreht sich alles ums Smartphone. Brett King prophezeit, dass wir in der Rückschau das Smartphone als die technische Erfindung identifizieren werden, die Retail Banking veränderte. Nicht den Computer, nicht das Internet, nein, Smartphones.

Bis 2020 würden wir die kleinen Helferlein auch als alltägliche Finanzberater akzeptiert haben:

„Advice ist better given in context. Smart devices don’t give you all information but the right data at the right time. How can a branch consultant you see once a year compete to that?”

Selbst wenn man die für Brett King typische Zuspitzung mal weglässt: Der Trend lässt sich nicht ignorieren. Er zitierte Studien, nach denen der direkte Kontakt zur Bank auch in Deutschland rückläufig ist. 2014 werden die Bankkunden ihre Bank voraussichtlich noch zweimal im Monat besuchen, nächstes Jahr noch einmal im Monat (wenn man die Trends fortschreibt).

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