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„Best of Show“ der Finovate Europe 2014

Am 11. Und 12.02. fand die Finovate Europe 2014 in London statt. Zum Glück gab es eine Plattform für Bank-basierte Bitcoin-Zahlungen zu sehen und ein BLE-Payment per Smartwatch. Also auch mal wirklich aktuelle Themen. Ansonsten war Finovate 2014 vor allem ein Update der Entwicklungen, die man schon auf der Finovate 2013 gesehen hat.

Das ist nicht unbedingt schlecht: Es kann bedeuten, dass die wesentlichen Ausrichtungen der Next Generation Finance bekannt und konsensfähig sind. Die Entwicklungen laufen derzeit daraus hinaus, die einzelnen Ansätze valider umzusetzen. Plus: Bausteine wachsen zusammen. Die bessere Umsetzung der bekannten Ideen ist jetzt wichtiger als die bessere Idee.

Die wichtigsten Themen waren:

  • Feature Rich Online / Mobile Banking: Online Banking ändert sein Wesen, seine Gestaltung und erweitert seinen Umfang. Über alle Devices hinweg. Das war Konsens, es geht nur noch darum, wer das besser macht.
  • Sicherheit und Betrugserkennung: Mehrere Lösungen befassen sich mit mobile Security und Fraud Detection im eCommerce.
  • Banking für Kleinunternehmen: Die Integration von Business Intelligence Werkzeugen für Kleinunternehmen direkt ins Banking erleichtert den Firmen ihr eigenes Management und gibt der Bank einen tiefen Einblick ins wirkliche Geschäft. Und damit eine bessere Basis für die Kreditvergabe, die vor allem kurzfristige Liquiditätsprobleme lösen muss.
  • Geld bewegen: Bezahlen und Alternativen zum klassischen Zahlungsverkehr waren auch wieder gut vertreten. Aber oft wieder so, dass sie zum Scheitern verurteilt scheinen, weil die Hürden für eine weite Verbreitung zu hoch sind. Eigentlich schauen wir hier gerade alle auf Apple…

Die wichtigsten Ansätze und Technologien waren:

  • UX! User Experience ist weiterhin das zentrale Thema. Attraktive Interfaces, Responsive, Joy of Use. Da ist ja auch wahrlich noch viel zu holen im Finanzbereich!
  • Big Data: Ob für Sicherheit oder Aktienprognosen: Mehr Daten sammeln und auswerten bietet noch jede Menge Potenzial. Zum Nutzen der Kunden, aber manchmal eben auch zum Nutzen von Banken und Händlern … die Datenschutzaspekte muss man erst mal prüfen.
  • Psychologische Analysen: Motivation und Interessen der Kunden werden betrachtet. Wiederum kann man daraus Security Features bauen, oder Ansätze zur automatischen Beratung, oder einfach nur die richtigen Rabatte im richtigen Moment platzieren.

Insgesamt 8 der 68 Beiträge wurden zur „Best of Show“ gewählt. Hier sind sie:

 Yourwealth.co.uk

YourWealth Moneyhub

Zu den allseitigen Favouriten gehörte „YourWealth“, die ich bereits in der Ankündigung genannt hatte. Gezeigt wurde eine sehr vollständig wirkende, wertorientierte Finanzmanagement-Lösung. (Und genau das halte ich auch für das erstrebenswerte Ziel für Online-Banking.) Neben aktuellen Daten konnte man weit in die Zukunft planen, sich Ziele setzen und unterschiedliche Szenarien betrachten. Zusammengefasst wurde das Ganze in einem „Moneyhub“, der sich auch durch andere Grafiken wohltuend vom Mainstream PFM abhob.

YourWealth Visuals

Bei meinen Gesprächen am Stand sah das Ganze dann doch wesentlich gewöhnlicher aus. Mir ist unklar, ob es sich derzeit nicht um eine Sammlung diverser Einzelrechner handelt.

tink

Tink Timeline

Tink ist eine schwedische App, mit der Kunden ihre Finanzen im Blick behalten nach dem Motto: „a minute a day keeps the banker away“. Sehr gut fand ich die Idee, eine Timeline anzuzeigen, in der man verschiedene Informationshäppchen präsentiert bekommt. Im ersten Moment sieht es aus wie ein schöner Kontoauszug, aber tatsächlich ist es eine separate Ansicht. Ausgaben werden pro Tag zusammenfassend angezeigt, hinzu kommen Wochenauswertungen und Kommentare des Systems, die „tinkselfies“. Tink ist bisher in Deutschland nicht präsent, die Gründer sehen den hohen Anteil an Bargeldzahlungen als zu hohe Einstiegshürde an.

BehavioSec

BehavioSec ist eine Sicherheitssoftware. Sie sammelt Verhaltensmuster und erkennt daran den berechtigten Nutzer: Tipp- und Swipe-Geschwindigkeit, Neigungswinkel des Smartphones, alles, was das Gerät hergibt. Das geschieht im Hintergrund und liefert eine Wahrscheinlichkeit, dass der aktuelle Nutzer der übliche Nutzer ist. Laut eigener Aussage werden andere Nutzer in 99,7% der Fälle erkannt. Man kann das etwa als zusätzliches Kriterium verwenden, um zu entscheiden, ob man bei Transaktionen auf eine TAN-Eingabe verzichtet oder im Gegenteil, nur besonders strikte TAN-Verfahren zulässt. Da es bei mobile Apps derzeit keine absolute Sicherheit gibt, halte ich das für grundsätzlich für einen sehr guten Ansatz.

MISYS (aka IND Group)

MISYS Family View

Im Finovate Programm standen sie noch als IND Group. Am Montag wurde aber wohl der Deal besiegelt, nachdem sie jetzt zu MISYS gehören. Wie auch immer: Sie überzeugten das Publikum durch ihre Online und Mobile Banking Lösung und die tolle Präsentation, in der drei Generationen über Finanzen stritten. Sehr passend, denn der „Family View“ auf Finanzen war eines der wesentlichen Features. Eine tolle Performance bot die Tochter, die im mobile Banking ein Tattoo als Sparziel angelegt hatte:

MISYS Tattoo App

Das ist doch mal was anderes! Auch sonst war zumindest in der Demo alles zu sehen, was man so haben möchte: Coupons, Sharing mit Freunden, Social Media Integration …

Backbase

Backbase Editor

Backbase zeigte eine Gesamtlösung für Omnichannel-Vertrieb. Es geht los beim Editor, mit dem Marketing-Mitarbeiter zielgruppenspezifische Kampagnen einrichten können. Dann kamen einfach und übersichtlich aussehende Formulare. Und zuletzt die Wiederaufnahme eines Antragsprozesses im Online Banking.

Backbase Omnichannel

Etwas viel für acht Minuten Präsentation, aber anscheinend überzeugend: Backbase zählt die Deutsche Bank und ABN Amro zu ihren Kunden. Ich werde mir das mal genauer anschauen!

ETRONIKA

ETRONIKA Mobile Banking PFM

Wie schon letztes Jahr, so gehörte ETRONIKA auch dieses Jahr wieder zu den „Best of Show“-Gewinnern. Die Lösung sah dies Mal um einiges vollständiger aus, insbesondere das Farbdesign war ein echter Hingucker. Der Fokus der Präsentation lag auf der Verbindung von Banking und Shopping: Aus der Kaufhistorie wird ein psychologisches Kundenprofil erstellt, um die passenden Angebote platzieren zu können. Na, ob die deutschen Kunden solchen Datenverwendungen zustimmen werden?

ETRONIKA Customer Typology

 Dynamics

… und dann gab es noch zwei „Best of Show“ Gewinner, deren Platzierung ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Das ist zum einen Dynamics, die Kreditkarten mit zusätzlicher Elektronik ausstatten, um den Magnetstreifen neu zu beschreiben.

Dynamics Card

Damit kann man z.B. die Kreditkarte auch als Kundenkarte für einen Shop nutzen. Aber: Ich habe ja bei syngenio Kolleginnen und Kollegen, die zu den Top-Beratern für Kartenprocessing in Deutschland gehören. Und die sagen mit immer: Die Karten von Dynamics sind zu teuer, es gibt einfach keinen Business Case.

Luxoft

Luxoft

Luxoft wurde auch prämiert. Das lag bestimmt an der tollen Präsentation, in der ein Kind zeigte, wie kinderleicht die Anwendung ist. Das täuscht aber. Ich habe es selbst ausprobiert, das Ding ist viel zu kompliziert und überhaupt nicht selbsterklärend.

Luxoft Brokerage

Lässt die Finovate nach? Darüber kann man streiten. Sie ist aber definitiv ein Treffpunkt für die Innovatoren der deutschen Bankbranche, und natürlich die Blogger. Allein dafür fahre ich gern wieder hin!

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

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