Brett King Small Data and context

Brett King über Moven: Small Data, weniger Friktionen

Vor zwei Wochen habe ich hier ja schon von Brett Kings Vortrag beim FI-TS-Forum berichtet. Beim Blogger Lunch ging es anschließend dann um die Ansätze, die er mit Moven umsetzt.

Bei Moven dreht sich alles ums Smartphone. Brett King prophezeit, dass wir in der Rückschau das Smartphone als die technische Erfindung identifizieren werden, die Retail Banking veränderte. Nicht den Computer, nicht das Internet, nein, Smartphones.

Bis 2020 würden wir die kleinen Helferlein auch als alltägliche Finanzberater akzeptiert haben:

„Advice ist better given in context. Smart devices don’t give you all information but the right data at the right time. How can a branch consultant you see once a year compete to that?”

Selbst wenn man die für Brett King typische Zuspitzung mal weglässt: Der Trend lässt sich nicht ignorieren. Er zitierte Studien, nach denen der direkte Kontakt zur Bank auch in Deutschland rückläufig ist. 2014 werden die Bankkunden ihre Bank voraussichtlich noch zweimal im Monat besuchen, nächstes Jahr noch einmal im Monat (wenn man die Trends fortschreibt).

Für richtig und wichtig halte ich, dass er betont, Mobile Banking sei nicht einfach Online Banking auf einem kleineren Device. Bei Mobile Banking geht es um andere Nutzungsformen, andere Integration des Bankings in unser tägliches Leben. Smartphones wissen, wo wir sind, kennen Kontext-Informationen und unser typisches Verhalten.

Diesen Kontext gilt es in Werte umzusetzen, für die Kunden und die Bank. Durch Verknüpfung mit passenden Kundeninformationen in Echtzeit („Small Data“), mit Händlerangeboten und passenden kurzfristigen Lösungen für Geldprobleme.

Das ist (noch) nicht immer ganz einfach: Moven selbst ist mit dem Slogan gestartet „A bank without bricks and plastic“, also als Bank ohne Filialen und Plastikkarten. Inzwischen hat auch Moven eingesehen, dass es ganz ohne Karte (noch) nicht geht. Und neben der Kreditkarte bekommen die Kunden dann einen NFC-Sticker fürs Mobile Payment, den man auf die Rückseite des Smartphones klebt. Elegant ist das ja nun auch nicht.

Dabei ist das Ziel gerade, Reibungen und Störungen („Frictions“) los zu werden. Brett sieht die Bankenwelt heute als dermaßen reguliert und in alten Prozessen stranguliert, dass Angreifer erfolgreich sein können, indem sie es ihren Neukunden schlicht einfacher machen.

„Banks love friction. We love it so much, we even have a word for it: Risk Mitigation.“ (Brett King)

Als positive Beispiele nannte er iZettle, sumup und Fidor. Sie hätten vor allem den Prozess angenehmer gestaltet, wie man Kunde wird. „Customer Onboarding“ heißt das in English sehr hübsch.

Moven selbst hat sich „downloadable bank accounts“ als Ziel gesetzt. Brett King gibt zu, dass solche Ansätze auch Risiken enthalten. Er glaubt, dass neue Anbieter auch neue Formen des Risikomanagements finden werden, mit denen sich das handhaben lässt. Ob die europäischen Gesetzgeber das zulassen, ist natürlich eine andere Frage. Zumindest zeigt das Beispiel Fidor, dass oft mehr geht, als man denkt: Beim Fidor-Pay-Konto macht die Bank sich die Grenzwerte zu nutze, unterhalb derer das KWG nicht greift. So können Kunden einfach starten. Erst wenn sie das Konto für größere Beträge nutzen wollen, müssen sie die Mühen der GWG-konformen Prüfungen auf sich nehmen.

Brett King ist einfach inspirierend. Noch mal vielen Dank an FI-TS, die das Treffen möglich gemacht haben!

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. „Er zitierte Studien, nach denen der direkte Kontakt zur Bank auch in Deutschland rückläufig ist. 2014 werden die Bankkunden ihre Bank voraussichtlich noch zweimal im Monat besuchen, nächstes Jahr noch einmal im Monat (wenn man die Trends fortschreibt).“

    Wo besuchen in Deutschland Kunden zwei mal pro Monat noch eine Bankfiliale. Die Zahl kann sich nur auf die Nutzung der SB Zone beziehen, nicht aber auf einen echten Filialbesuch.

    Beste Grüße

    Hansjörg Leichsenring

    http://www.der-bank-blog.de

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