Blockchain

Zwei kritische Erfolgsfaktoren für Blockchain bei Banken

Die Experimentierfreude der Banken in Sachen Blockchain ist ungebrochen. Das ist auch gut so, schließlich haben die Verfahren für Transaktionen und Settlement in der Finanzbranche schon viel zu viele Jahre auf dem Buckel. Der Blockchain-Hype bietet die Chance, an der einen oder anderen Stelle radikal neue und effizientere Verfahren zu etablieren. Das ist die Stärke eines Hypes: Er bringt alle in Bewegung. Da geht was.

Die Schwäche ist: Es laufen keineswegs alle in dieselbe Richtung. Im Gegenteil, viele Banken experimentieren gleichzeitig in verschiedenen Konstellationen mit verschiedenen Einsatzfällen auf Basis verschiedener Technologien. Die Financial Times hat hier schon darauf hingewiesen, dass es langsam unübersichtlich wird mit den diversen Cryptowährungen der Banken.

Welche Blockchain wird sich durchsetzen? Worauf kommt es an? Zwar wird über alle möglichen Aspekte diskutiert: eher offene oder eher geschlossene Systeme, eher zentrale oder dezentrale, Alternativen zum Proof of Work, Geschwindigkeit der Finalisierung von Transaktionen, … Accenture hat sogar eine editierbare Blockchain vorgeschlagen. Das wäre so etwas wie ein nachträglich änderbarer Rechnungsabschluss – eine sehr schräge Idee.

Im Moment sehe ich zwei Faktoren, die darüber entscheiden dürften, welches Blockchain-Konzept breite Akzeptanz finden kann:

  1. Der Charakter der verwendeten Token („Währung“) in der Blockchain
  2. Hinreichende organisatorische Regeln zum Umgang Ausnahmen und technischem Versagen

Charakter der Token

Die deutsche Bank,  Santander, BNY Mellon und ICAP machen mit jetzt mit beim Blockchain-Projekt der UBS. Der verwendete USC („Utility Settlement Coin“) wird hier an die jeweilige Landeswährung gebunden, also zum Beispiel Euro oder Dollar.

Von Seiten des Konkurrenten Ripple kam schnell die Kritik, dass diese Kopplung den Charakter der internen Währung fundamental ändert: Aus einem Asset wird eine Verbindlichkeit. Originellerweise wird Ripple selbst wiederum von den BitCoin-Anhängern dafür kritisiert, dass es in seinen Gateways mit Verbindlichkeiten („IOUs“) arbeite statt mit tatsächlichen Assets wie BitCoins.

Warum ist die Diskussion wichtig? Weil es um die Frage geht, wer aus dem Nichts neue Werte schaffen kann – und wem diese Werte dann gehören. Natürlich will jeder seine eigene Währung schaffen und besitzen. Das ermuntert andere aber nicht unbedingt zum Mitmachen. Warum sollte ich durch meine Mitwirkung eine Währung aufwerten, die überwiegend jemand anderem gehört?

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FehlendeBerater

Ersetzen Robo Advisor nur fehlende menschliche Berater?

Robo Advisor und deren Varianten wie Cyborg-Advisor (mit menschlichem Berater im Hintergrund) sind stark im Kommen. Das gilt zum einen für Geldanlagen, aber auch für Versicherungen – mit Clark ist gerade wieder ein InsurTech-Makler hinzugekommen, bei dem sich der Mensch hinter der App versteckt.

Was treibt eigentlich diesen Trend? Einerseits sicher die Erwartung von Kunden, auch komplexe Fragen einfach aufbereitet zu bekommen. Nicht aus Hunderten von Fonds wählen, aber trotzdem eine passende Anlagestrategie haben, das klingt doch gut.

Man kann es aber auch anders sehen: Den Menschen bleibt zunehmend keine Wahl mehr, als sich von Robotern beraten zu lassen. Es gibt nämlich zu wenige menschliche Berater, die das tun. Banken reduzieren die Anzahl der Filialen und der Berater. Versicherungen reduzieren ihren Außendienst. Die Anzahl der gebundenen Berater sinkt damit.

Man kann in Frage stellen, ob anbietergebundene Finanzberatung überhaupt Sinn macht. Also ist die Lage bei den freien Beratern eigentlich viel spannender. Wie sieht es denn insgesamt aus, wenn man alle betrachtet? Praktischerweise veröffentlicht der DIHK die Statistiken der eingetragenen Vermittler. Das sieht dann im Vergleich so aus:

  • Finanzanlagenvermittler: Juli 2016: ca. 37 Tausend. 2010: Noch keine Eintragung nötig, geschätzt ca. 80 Tausend Vermittler (Schätzung der Bundesregierung). Seit der Eintragungspflicht wurde der Höchststand in 2014 mit gut 41 Tausend Vermittlern erreicht.
  • Versicherungsvermittler: Juli 2016: ca. 230 Tausend. Juli 2010: ca. 256 Tausend.

Gegenüber dem früheren Niveau haben wir also jetzt schon mal 10% Rückgang. Hingegen gab es eine Steigerung bei den Honorarberatern: von 45 (2014) auf 121 (2016). Tolle Wachstumsrate, irrelevante Größenordnung.

Und bei den Vermittlern sind noch viele Berater aus den Zeiten dabei, als man mit LV und automatischen jährlichen Anpassungen gut leben konnte. Wenn die mal aussteigen, werden sie wohl kaum durch entsprechend viel Nachwuchs ersetzt.

Womit sich die Frage stellt: Wenn die klassische, provisionsfinanzierte Beratung zunehmend weniger attraktiv für die Berater ist, und die Kunden immer noch keine Honorarberatung akzeptieren, wer berät dann die Menschen, deren Einkommensniveau zu unattraktiv für die übrig gebliebenen Berater ist?

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thinkBoldSpecial

Schöne neue (bimodale) Welt. Innovations-IT trifft auf Exzellenz-IT.

„Bimodal.“ Was klingt, als sei es eine Persönlichkeitsstörung, ist in Wirklichkeit die spannendste Herausforderung für die IT in Zeiten der Digitalisierung. IT muss heute nämlich in zwei Modi gleichzeitig operieren: einem stabilen und einem agilen Modus. Aber so, dass ein Ganzes daraus entsteht, keine parallelen Welten. Sonst endet es doch mit einer Störung, mit schizophrener IT nämlich.

Wie man das konkret angeht, wird am 30.09.2016 auf der „thinkBold *special“-Konferenz in Köln von hochrelevanten Praktikern der Finanzbranche diskutiert. Das Programm finden Sie hier. Für die Leser des Blogs wurden ein paar Plätze reserviert, bei Interesse wenden Sie sich einfach an mich oder info@syngenio.de.

Warum brauchen wir überhaupt bimodale IT in der Finanzbranche? Geht das überhaupt, agil arbeiten und dabei alle Regularien einhalten? Die banale Antwort ist: Wer Produktions- und Vertriebsbank sein will, braucht beides, stabile IT und agile IT.

Die stabile IT ist effizienz- und kostenoptimiert, zuverlässig und hochverfügbar. So muss die Produktions-IT auch sein, um im Wettbewerb um bessere Cost-Income-Ratios mithalten zu können. Eine solche IT ändert man aber auch nur ganz vorsichtig, mit viel Vorlauf. Zwei Releases im Jahr.

Gleichzeitig wenden die Kunden sich immer mehr den wirklich gut gemachten digitalen Angeboten zu. Dafür brauchen wir die agile IT, die ständig Verbesserungen einbaut und sofort auf Kundenfeedback reagiert. Wer als Vertriebsbank erfolgreich sein will, muss heute agil entwickeln. Da schafft man dann auch mal zwei Releases pro Monat.

Und wenn wir beides brauchen, müssen wir es auch miteinander verheiraten. Übergänge zwischen Innovation und Exzellenz schaffen. Bank-API ist in diesem Kontext ein Stichwort, aber auch nicht die Antwort auf alle Fragen.

Die thinkBold Special bringt die konkreten Fragen mit dem Big Picture zusammen. Payment, Banking und Brokerage sind mit Anwenderberichten vertreten, auf die ich schon sehr gespannt bin. Auch zu Internet der Dinge, Blockchain und Algorithmic Banking werden wir Redner aus der wirklichen Praxis hören.

Sehr passend finde ich auch den Beitrag zur Frage, was man von einer gut geführten Cocktailbar über Methoden der Hochverfügbarkeit lernen kann. Die Konferenz geht dann nämlich in die 15-Jahr-Feier der SYNGENIO über. Da sind wir dann schon gleich in der richtigen Stimmung. Wie gesagt, ein paar Gäste kann ich noch reinschmuggeln. Geben Sie mir mal einen Wink.

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Innovation_Transformation

Von der Innovation zur digitalen Transformation. Es beginnt.

Jede Bank spricht über Innovation. Und tut auch was, keine Frage. Es gibt eine Menge Bewegung. Aber wenn wir ehrlich sind: Darunter sind auch eine Menge Ausweichbewegungen. Es kann einen schon verblüffen, wie viel Innovation man in einer Organisation einführen kann, ohne wirklich etwas zu verändern.

Denn das halte ich schon für entscheidend: Die eigentliche Herausforderung der Branche ist die Digitale Transformation. Und Transformation heißt Veränderung. Veränderung der eigenen Haltung, Unternehmenskultur und sogar des Selbstverständnisses.

Im Moment sind wir mit dem Thema „Innovation“ deutlich weiter als mit der „digitalen Transformation“. Innovationen finden zahlreich statt, und zwar vor allem zwei Typen von Innovationen:

  • Optimierende Innovation: Beispiel VideoIdent. Eine Verbesserung der bestehenden Produktanträge mit den Mitteln der Digitalisierung. Fertig zukaufbar von entsprechenden Anbietern. Das Thema lässt sich in der Organisation der Bank genau zuordnen. Man weiß, wer zuständig ist, wer das Projektbudget beantragt. Es ändert sich auch Null und Nichts an den bestehenden Produkten oder am Kunde-Bank-Verhältnis. Die Identifikation wird digital, Interessenten können reibungsloser Kunde werden, sonst bleibt alles beim Alten. Diese Form der Innovation lässt sich sehr gut einbauen.
  • Ergänzende Innovation: Neben dem bestehenden Geschäft wird Innovation zusätzlich betrieben. Als Incubator, Hackathon, Innovation Space, oder wie auch immer. So kann man Innovation machen, ohne dass die Organisation wirklich umdenken oder umlernen müsste. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin dafür, dass man diese Dinge angeht. Das ist alles richtig. Aber es ist eben ein sehr vorsichtiger Schritt in Richtung Veränderung. Wir führen das Neue mal ein. Am Rande. Da, wo es noch nicht ans Eingemachte geht. Wenn alles gut geht, befruchtet es die Unternehmenskultur. Dann verbreitet sich die Lust aufs Neue in der Bank und Umdenken wird salonfähig.

Wir sind jetzt an dem Punkt, an dem die führenden Banken wirklich beginnen, mehr zu tun, ernsthafte Transformationsschritte anzugehen. Damit wird es jetzt spannend:

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BeDisruptiveWeb

Und FinTechs disrupten doch. Aber anders als gedacht.

Über die Relevanz der FinTech-Szene ist eine neue Debatte entbrannt. Einerseits beweist der Verkauf der Fidor Bank an die Groupe BPCE die Bedeutung der neuen Szene für die etablierten Banken. Auch der neu entbrannte Wettbewerb zwischen London und Berlin um die FinTechs spricht dafür, dass von den Softwareschmieden der Finanzbranche noch viel erwartet wird.

Anderseits fragt das Wirtschaftsmagazin Brand Eins im Artikel Das nächste kleine Ding, wo denn nun die laufend angekündigte Disruption bleibe:

„Digitale Angreifer, die die Banken wirklich ersetzen und etwas substanziell Besseres anbieten? Fehlanzeige. […] Bis heute […] beliefen sich die Marktanteilsverluste der etablierten Finanzhäuser an Fintechs auf „kaum mehr als einen Rundungsfehler“.“ (Brand Eins)

Schlimmer noch, der Artikel bemängelt nicht nur fehlende Erfolge – die könnten sich ja noch einstellen. Er wirft den FinTechs sogar vor, die Kernprinzipien der digitalen Transformation zu verraten: Nämlich zu sehr von der „coolen“ Technologie und ihren Möglichkeiten her zu denken, und zu wenig vom Kundennutzen her. Das ist schon ein Schlag in die Magengrube. Autsch!

Tatsächlich ist die Diskussion ja eigentlich auch längst weiter. Im Januar 2015 (!) schrieb ich in diesem Blog über die Finovate-Konferenz:

Die deutliche Mehrzahl der Präsentatoren zeigte Angebote für Banken, keine Revolutionen gegen den Bankensektor mehr. FinTechs sehen Banken heute als Kunden oder als Exit Strategie, nicht mehr als Gegner.

Was bedeutet das? Der Kampf um Kunden, um bessere Angebote und neue Dienste ist nicht vorbei. Er wird aber vor allem Bank gegen Bank stattfinden, weniger Bank gegen IT-Startups.

Schon damals kommentierte Hans-Jörg Leichsenring vom Bank Blog, das sei doch nicht überraschend. Im April diesen Jahres analysierte Dirk Elsner im Capital-Artikel Die FinTech-Revolution fällt aus sehr elegant, dass Disruption zum Unwort verkommt und FinTechs die Kooperation mit den Banken suchen:

Die Digitalisierung bedroht nicht den Finanzsektor, sondern die darunter zusammengefassten Konzepte, Technologien und neuen Services erweitern die Angebotspalette an Finanzdienstleistungen. (Dirk Elsner in Capital.de)

Also sind sich alle einig, dass FinTechs viel mit Banken kooperieren und wenig verdrängen. Heißt das, die Disruption fällt aus? Alles bleibt beim Alten, es ändert sich nichts für die Banken? Nein.

Die FinTechs disrupten vor allem die bisher weitgehend exklusiven Leistungen der eigenen Bank-IT. Hier wird ein tatsächlich bestehendes Produkt, nämlich die Bereitstellung von IT-Leistungen für Banken und Bankkunden, tatsächlich durch neue Anbieter erbracht. In manchen Fällen ist die Beziehung Kunde-Lieferant hier eine bankinterne Kundenbeziehung zwischen Fachbereich und IT-Bereich. Deshalb lässt sich das Ausmaß der wirtschaftlichen Verschiebung nicht so einfach messen.

Fakt ist aber, dass Banken sich immer mehr daran gewöhnen, Innovationen in neuen Strukturen und mit externen Anbietern zu erstellen. „Innovationen entwickelt man selbst, aber nicht allein“ ist einer der 3 Schlüsselfaktoren für die digitale Transformation bei Banken.

SYNGENIO hat in der Vergangenheit oft direkt für die Bank-IT gearbeitet. Das tun wir auch immer noch, vor allem, um die Bank-IT zu stärken im neuen Wettbewerb mit fremden IT-Anbietern. Agilität, MVP-Entwicklung, Strukturen für eine bimodale IT sind da zentrale Themen.

Zunehmend kommen aber auch Digital Offices, Multichannel-Manager, Marketing oder Innovationsmanager direkt auf uns zu. Gerade Zukunftsthemen bei der Kundenansprache, bei Mehrwertdiensten oder neuen Geschäftsmodellen gehen Fachbereiche inzwischen direkt mit externen bankerfahrenen IT-Unternehmen an. Die „agile IT“ ist zunehmend extern, der internen IT droht die Reduktion auf die „stabile IT“. (Aber, wie oben geschrieben, auch die interne IT macht sich zunehmend fit für den Wettbewerb.)

Das ist natürlich eine Disruption, die dem Bankkunden erst einmal egal ist. Deswegen sieht es aus Endkundensicht leicht so aus, als fände sie nicht statt. Im internen Gefüge der Banken aber werden die Karten neu gemischt. Daher kann man nur allen Mitarbeitern in Banken, in der Bank-IT und bei den externen Bank-IT-Unternehmen sagen: Ihr steckt mitten in einem disruptiven Prozess. Wenig bleibt beim Alten, und wer sich schneller wandelt, wird zu den Gewinnern gehören.

IDNow Patent VideoIdent

IDnow erhält Patent auf Videoidentifikation

IDnow war bisher einer der führenden Anbieter von GWG-konformen Videoidentifikationslösungen – aber nicht der Einzige. Ändert sich das jetzt?

Das europäische Patentamt hat IDnow ein Patent auf ein Verfahren zur Benutzeridentifikation über Video erteilt. Sie finden es hier. Das Verfahren enthält wesentlichen Elemente einer Fernlegitimation, die den Kriterien der BaFin zur GWG-Konformität genügt. IDnow stellt hier einen Vergleich von Patent und Vorgaben der BaFin bereit.

Das Verfahren wurde bereits im Januar 2013 zum Patent angemeldet, also über ein Jahr vor dem entsprechenden Rundschreiben der BaFin. Dementsprechend sind das patentierte Verfahren und die BaFin-Vorgaben nicht identisch. Es sieht aber so aus, als wäre die BaFin eigentlich nur noch etwas spezifischer gewesen. Wenn sich das bestätigt, heißt es: Jede laut BaFin-Kriterien GWG-konforme Videoidentifikation fällt unter den Patentschutz. So sieht das auch IDnow.

Was bedeutet das jetzt für den Wettbewerb? Und für Banken, die Lösungen anderer Anbieter nutzen? Das dürfte davon abhängen, ob und wie sich die Wettbewerber mit IDnow einigen. Grundsätzlich steht einem Patentinhaber das Recht zu, sein Patent ausschließlich selbst zu nutzen, es also anderen vorzuenthalten. Allerdings kann der Patentinhaber gezwungen werden, Lizenzen zu vergeben, wenn der Lizenznehmer die Lizenz für eine wesentliche Weiterentwicklung des Verfahrens benötigt.

Eigentlich steht ja für dieses Jahr die Erweiterung der Videoidentifikation um den Online Vertragsabschluss mit QES auf der Agenda. Durch das Patent könnten sich jetzt erst einmal wieder offene Fragen zur eigentlichen Identifikation in den Vordergrund drängen. Wir werden sehen – die Information ist noch zu frisch, als dass man sie abschließend bewerten könnte.

 

Blockchain

Die Blockchain-Revolution findet nicht statt

Blockchain, das war die Technologie, die Banken wirklich tiefgehend disrupten sollte. Die dem etablierten Finanzsystem sein Monopol auf Zahlungsverkehr zu entreißen drohte. Ein offenes Zahlungssystem, im Prinzip ähnlich zu Bitcoin, aber ohne dessen Limitierungen und Kinderkrankheiten. Geld in freier Wildbahn, habe ich das mal genannt.

Der aktuelle Stand: It’s not happening. Die Revolution ist abgesagt.

Um das zu verstehen, schauen wir auf die Banken, die Angreifer, und dann auf die anderen Bereiche, in die sich die Revolution verschoben hat. Es reicht, Gruppen zu betrachten, denn Blockchain und Zahlungsverkehr leben vom großen Netzwerk. Alleingänge sind witzlos.

Die Banken sind vor allem im Konsortium von R3 aktiv. 45 Großbanken sind aktuell dabei, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank, die UBS, JP Morgan, Wells Fargo – alles, was Rang und Namen hat. 60% der systemrelevanten Banken seien an Bord.

R3 hat mit Ethereum experimentiert, später auch mit IBMs OpenLedger / Hyperledger – und schließlich Corda vorgestellt. Corda ist ein verteiltes Buchungssystem (Distributed Ledger), das an die Bedürfnisse der Banken angepasst ist. Es soll die automatisierte Abwicklung von Verträgen zwischen Banken ermöglichen, Clearingstellen überflüssig machen und Kosten des Settlements eliminieren. Sogar „Kontrollknoten“ für die Regulierer sind vorgesehen. Dabei kann Corda wesentlich effizienter sein als Bitcoin, weil Transaktionsdaten nur von den Beteiligten der jeweiligen Transaktion gemeinsam gespeichert werden, nicht von jedem Knoten im Netz. Auch der bei Bitcoin aberwitzig aufwändige „Proof of Work“ kann sehr schlicht geregelt werden.

Nur: Das funktioniert, weil Corda eben keine Blockchain mehr ist. Corda soll den Banken Kosten sparen, indem Jahrzehnte alte Verfahren internationaler Geschäftsabwicklung durch ein neues System ersetzt werden. Das neue System funktioniert aber nur zwischen Anbietern, die sich vertrauen. Sprich: Zwischen den regulierten Anbietern des heutigen Zahlungsverkehrssystems. Alle anderen bleiben schön außen vor.

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CIBI2016

CIBI 2016: Schlüsselfaktoren für den Bankerfolg

Der CIBI Innovationstag 2016 des ibi research brachte sie alle zusammen: Die etablierten Banken, die Angreifer und die Regulatoren. Daraus entstand ein spannendes Puzzle, mit vielfältigen, teils auch konträren Antworten.

So wurde einerseits die Kooperation von Banken und FinTechs gelobt, anderseits war mit paydirekt auch der Angriff der Banken gehen die „Mutter aller FinTechs“, paypal, vertreten. Frank Schwab bezeichnete das Thema Payment gar als Entscheidungsschlacht um die Kundenschnittstelle.

Aus den vielen  Ergebnissen der Vorträge sind mir einige Erkenntnisse als Schlüsselfaktoren im Gedächtnis geblieben:

  • Omnichannel und Regulatorik zusammen bringen: Prof. Penzel vom ibi stellte die Anforderungen von Omnichannel-Architekturen einerseits und dem modernen Ansatz der Regulierer anderseits vor. Beide erfordern, dass bisher getrennte Spartensysteme zusammengebracht werden. Dazu wird man auf Dauer nicht separate Aggregationen in Richtung Kunde und in Richtung Aufsicht bauen können, die Logik wird in die einzelnen Systeme selbst einfließen müssen.
  • Agilität und Stabiliät in der IT parallel ermöglichen: Dr. Ralph Müller von der Postbank stellte hier deren Modell vor, Frontend und Backend durch eine API zu entkoppeln. So kann das Frontend agil, das Backend kosteneffizient und skalierbar aufgebaut werden.
  • Kunden beteiligen: Tobias Ehret (ebenfalls von der Postbank) und auch mein eigener Vortrag stellten beide die zentrale Rolle des Kunden bereits bei der Konzeption von Innovationen vor. Mit dem MVP-Ansatz werden Kunden durchgängig während der Entwicklung beteiligt. Die Postbank organisiert ihre Community dazu im Ideenlabor.
  • Mit FinTechs kooperieren, dabei aber die eigene Wettbewerbsfähigkeit im Auge behalten: FinTechs haben derzeit ein durchweg positives Image – sofern sie überhaupt beachtet werden. So das Ergebnis einer Blitzumfrage unter den Teilnehmern. Kooperationen wurden als wesentliche Option gesehen, die alle Banken prüfen sollten. Allerdings darf niemand den Wettbewerbsfaktor unterschätzen: Fidor hat derzeit Kundengewinnungskosten von unter 25 € pro Kunde, Geschäftskunden eingerechnet. Auf diesen Wettbewerber muss man sich einstellen.
Prognose FinTech 2016

Finance 2016: Drei ungewöhnliche Prognosen

Der Jahresbeginn ist die hohe Zeit der Prognosen: Was erwartet uns? Inzwischen sind die meisten Blicke un die Glaskugel publiziert, und es findet sich wenig Überraschendes. Blockchain, Mobile Payment, mehr Biometrie (allein schon wegen der zweiten Payment Service Direktive). Auch der Kontowechselservice wird wegen gesetzlicher Vorgabe ein großes Thema sein.

Überraschend war für mich, dass immer noch sehr die Einzelfeatures oder Einzelservices im Vordergrund stehen. Inzwischen sind wir doch an dem Punkt, an dem gerade die intelligente Verknüpfung in ein stimmiges Ganzes die zentrale Herausforderung ist.

Drei neue Begriffe sind bei mir hängengeblieben, die ich Ihnen kurz vorstellen möchte:

  • Unicorpses
  • Internet of Me
  • Life Finance

Unicorpses

In Deutschland war 2015 erst der Durchbruch für Investments in FinTech, international lief der Markt schon heiß. Private Companies wurden höher bewertet als Public Companies – in gutes Indiz, dass da auch viel heiße Luft gehandelt wird, die sich in den Bilanzen der Venture Capitalists gut macht, die aber letztlich nicht realisiert werden kann.

Es gibt ein erhebliches Risiko, dass in 2016 mehr FinTechs den Weg von Yapital gehen werden – ins Aus. Darunter könnte auch mindestens ein Unicorn sein, also ein Unternehmen mit mehr als 1 Milliarde Marktkapitalisierung. Und ein totes Unicorn ist ein eben ein Unicorpse. Das Wortspiel ist so gut, dass es definitiv in den Schlagzeilen auftauchen wird, sobald über dem ersten Einhorn dunkle Wolken auftauchen.

(aus den Prognosen von bank Innovation übernommen: http://bankinnovation.net/2015/12/top-10-fintech-predictions-for-2016/ )

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JBFOne 2015 bild

JBFOne 2015: Integration und Innovation

Die JBFOne ist die Entwickler-Konferenz der Fiducia und GAD IT – und steht damit für einen sehr großen Teil der Softwareentwicklung im genossenschaftlichen Bereich. SYNGENIO war auch dieses Jahr wieder Teil der JBFOne, die größer denn je zu sein schien.

Und die vor allem eins klar machte: Zwar stehen die Integration der Standorte und die Migration der Banken auf ein einheitliches Bankverfahren auf der Agenda, aber die Fiducia und GAD wird sich nicht darauf beschränken. Sie wird parallel Innovationen vorantreiben, wird ihre Innovations-Kultur und -Methode weiterentwickeln.

Schon in der einleitenden Keynote stellte Gerd Müller heraus, dass Exzellenz und Innovation parallel vorangetrieben werden. „Operative Exzellenz ist wie ein Marathonlauf. Innovation ist ein Sprint. Mit dieser IT der zwei Geschwindigkeiten müssen wir umgehen“, so Gerd Müller.

In meinem Vortrag habe ich noch zwei weitere Aspekte von Innovation betrachtet. Zum einen verlassen wir mit Innovationen bekannte Gewässer. Wir brechen auf zu neuen Ufern. Man spricht gern von Blue Oceans, die zu entdecken sind. Was seltener gesagt wird: Für diese Ozeane gibt es keine Karten, und sie sind elende Nebelmeere. Ja, irgendwo da draußen liegt eine Schatzinsel. Aber die will erst mal gefunden werden.

Und: Unternehmen sind per Gesetz verpflichtet, Risiken zu erkennen und zu steuern. Das Management darf das Schiff nicht einfach auf Grund setzen. Wie aber können wir planen, wenn wir wirklich unterwegs sind in neuen, unkartierten Gewässern?

Es gibt nur einen Weg: Die Kunden entscheiden. Wenn die Kunden gut finden, was wir tun, sind wir auf dem Weg zur Schatzinsel. Deshalb müssen Sie Erfahrungen mit unserem Produkt machen können. So früh wie möglich, und immer wieder. Das ist Produktentwicklung mit Minimum Viable Products.

Auch Gerd Müller sprach in seiner Keynote bereits von validiertem Lernen, mit dem man den Pfeil immer besser ins Zentrum der Zielscheibe justiert. Zum Glück hat er meinen Vortrag dann doch nicht ganz vorweggenommen.

Was bleibt? Die Erkenntnis, dass mit den Genossen zu rechnen ist. Gut so!

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