Foto source: Scene from "Novgorod Marketplace", a painting by Appolinary Vasnetsov (1856-1933).

CNP@POS: the next big step … after the dematerialized goat

For years – if not centuries – we have been tokenizing in commerce:

First, the goat herder at the market square had to trade his goat for a piece of parchment and twenty eggs at one vendor so that he could then trade the parchment for some cloth and the eggs for vegetables at another vendor – one that needed no goat, but had use for parchment.

Then came money.

Coins that allowed faster trade because the goat herder didn’t have to worry about vegetarian cloth dealers.

Coins became the token for the goat… and the cloth … and the vegetables.

Then trade boomed, and cash registers were needed – that’s where progress basically stopped, but I’ll get to that later.

Customers stood in lines, waiting to trade their tokenized goats for vegetables… the register queue was born on that day as well.

As too many coins became annoying, paper bank notes were created as tokens for the money… And, with too many paper bank notes, cards were created as tokens for notes – or if you will, as tokens for the tokens for the tokens for the goat and the cloth and the vegetables.

They called is progress – but did it get rid of the register queues? Nope.

Shortened them a bit … maybe.

A tiny bit.

Now, these cards became easy to counterfeit – much easier than the coins (and much, much easier than the goat) – so technology provided the wonderful world of commerce with little tiny EMV chips, which tokenized the cards that tokenized the notes that tokenized the coins that tokenized the goats, the cloth and the vegetables. The registers had meanwhile been augmented by tiny black boxes called POS terminals … making that side more complex instead of less… and we still had those register queues.

Then we went contactless.

Oh! The joys sung around the world for this brave giant step in progress!

Only took ten years of singing before a handful of people were willing to try it, but such is the price for progress nobody wants.

So where are we now?

We have dematerialized the goat.

We have demateiralized the bank note.

We have dematerialized the coin.

We have dematerialized the card,

And have even dematerialized its little chip.

We have a token for the token of the token for the token of the token for the token.

And we still have cash registers, POS terminals, and register queues.

Maybe it’s time to start work on the other side of the counter?

Until we have dematerialized the cash register – and it’s annoying little black box called POS terminal – we will never get rid of the one thing that really annoys the customer – the need to stand in a line to make a purchase.

Commerce is screaming for the abolition of the register queue –

It is time for CNP@POS!!

 

Foto source: Scene from „Novgorod Marketplace“, a painting by Appolinary Vasnetsov (1856-1933).

Finance Life

Finance Life: Diese App sagt mir, was ich wirklich wissen will

Ein Beitrag von Mark Spiessl, SYNGENIO AG.

Kunden erhalten regelmäßig Kontosalden von Ihrer Bank. Mit dem Einzug der digitalen Kundenzugänge über Web und Mobile mittlerweile jederzeit, 24 mal 7. Kontosalden sind auch unheimlich beliebt – viele nutzen Mobile Banking für nichts anderes, als die Salden- und Umsatz-Abfrage.

Doch ist der Saldo wirklich so hilfreich, wie man denkt?

Ist der Saldo wirklich die Information, die Kunden haben wollen? Oder haben sie sich nur damit abgefunden, dass ihnen der Saldo reichen muss? Weil sie keine bessere Kennzahl bekommen, die ihren Finanzstatus zusammenfasst?

Alle Kunden haben unterschiedliche Fragen, die sie eigentlich beantwortet haben möchten: Ist die Rate für mein Auto schon vom Konto abgegangen, oder kommt das noch? Werde ich am Ende des Monats noch Geld übrig haben, oder am Ende des Geldes noch Monat?  Wieviel kann ich noch bis zum nächsten Geldeingang pro Tag ausgeben, ohne dass es knallt?

Mit dem Kontosaldo beginnt das Kopfrechnen…

Außer bei der FinanceLIFE App. Mit der FinanceLIFE Produktsuite hat SYNGENIO ein Produkt entwickelt, das Kunden das Kopfrechnen abnimmt. Es zeigt gleich das Ergebnis der Kopfrechnung auf einen Blick – und nicht nur dem Saldo. Und, weil jeder Kunde andere Fragen hat, kann der Kunde auch mit einem Swipe auf seinem Smartphone die Ansichten wechseln und seine persönliche ideale Kennzahl wählen.

Das Produkt ist modular aufgebaut und flexibel einsetzbar: Als Stand-Alone App oder integriert in eine vorhandene Banking App, für Kreditkarten oder Girokonten, (jeweils einzelne oder auch mehrere bis hin zu Multibanking).

Der Clou ist: Weniger ist mehr, wenn es das Richtige ist!

Kulturen_Banking

Warum bankomo, Yomo und N26 eher neue Kulturen des Bankings sind

Zuerst haben die großen Sparkassen mit yomo eine Antwort aufs Smartphone-Banking von N26 gegeben, jetzt ziehen die Genossen nach: bankomo ist die „Bank auf dem Smartphone“ von der Reisebank.

Im Mittelpunkt stehen bei allen einfache Produkte wie Girokonto und Debitcard, verpackt in ein wirklich modernes App-Design, bankomo bietet auch P2P-Transfers.

Die Frage ist: Ist App-Banking nur was für bestimmte Zielgruppen oder wird es zum Vorbild, an dem sich die mobile Banking Apps aller Banken messen lassen müssen?  N26 hat Push-Nachrichten so populär gemacht, dass inzwischen kein Mobile Banking mehr ohne sie auskommen will. Anderseits sagt die Reisebank, bankomo sei konkret für die unbanked in Deutschland gedacht.

Tatsächlich ist es bisher noch nicht so, dass mobile banking Apps der etablierten Banken als primärer Zugang zu Bankleistungen genutzt werden. Aus den USA kommt frisch eine Studie, die über 400 Banken berücksichtigt und die Erfahrungen aus Deutschland bestätigt: Die meisten Menschen nutzen Mobile Banking vor allem, um den Kontostand und die letzten Umsätze zu checken. Etwas mehr als 3 von 4 Logins machen nur das. Schön, dass die App auch P2P-Zahlungen kann – durchgesetzt haben sie sich bei den Kunden der etablierten Banken noch nicht.

Aus meinen persönlichen Nutzerbefragungen komme ich derzeit zum Schluss, dass es schlicht unterschiedliche Kulturen der Nutzung von Bankfunktionen gibt – und die sind eher kontextabhängig als zielgruppenabhängig.

Man kennt das vom Bezahlen: In vielen Situationen könnte ich bar bezahlen, mit der girocard oder der Kreditkarte. Im Web ist die Auswahl an Zahlverfahren noch größer. Ich denke aber nicht lange nach, wie ich bezahlen will. Für bestimmte Kontexte habe ich mir längst einen Standard-Weg angewöhnt. Bäcker? Bar. Flugbuchung? Kreditkarte. Abo? Lastschrift. Teures Restaurant? Girocard. Die verschiedenen Bezahlsysteme existieren nebeneinander, weil sich für jedes eine Nutzungskultur herausgebildet hat, über die ich gar nicht mehr nachdenke.

Mein Eindruck ist: Genau das passiert jetzt auch beim Banking. Die große Altersvorsorgeplanung? Hausbank mit Filiale. Die kleine Anlageoptimierung mit 0,2% mehr Zins? Direktbank. Das praktische Konto auf dem Smartphone? N26, yomo oder bankomo.

Es ist nicht so, dass nur unbanked und Teenager die Bank auf dem Smartphone zu schätzen wissen. Ein Kollege nutzt sein sein N26-Konto etwa für sein „Freizeit-Geld“, das er vom anderen Girokonto dahin überweist. Ja, das ist dann noch eine Bankverbindung und noch ein Konto – aber es kostet ja nichts und ist gefällig, also warum nicht?

Es scheint mir realistisch, dass sich langsam eine Nutzungs-Kultur für unterschiedliche Banking-Typen herausbildet. Die Menschen werden alle Banking-Typen nutzen, die ihnen passend erscheinen – und das können durchaus mehrere parallel sein, je nach Situation.

Finovate2017

Finovate 2017: Eine klare Botschaft

Brexit hin oder her – Finovate London ist immer noch der kompakteste Überblick über die Fintech-Szene in Europa. Sicher, hier findet man inzwischen eher die schon erwachseneren Anbieter als die ganz Frischen – aber das sind auch die Einflussreicheren.

Dieses Jahr stehen überraschend wenige Themen im Fokus, die sich bei den verschiedenen Anbietern stetig wiederholten. Der Vorteil: Eine klare Botschaft, was die Anbieter für die Themen der Zeit halten.

Kernpunkte sind:

  • Sprache und Text als Interface – ob nun Alexa oder Chatbots, einfach drauflosquasseln ist das UI von heute. Bei comarch findet das Investment-Gespräch im Auto statt! (Coole Technik, überzogenes Szenario.)
    Weitere Anbieter: five degrees, Moven, aixigo
  • Identity Management – für Neukunden (KYC) und die von PSD2 geforderte 2-Faktor-Authentisierung. Jumio, signicat, hooyu fokussieren das. Auch die Chipkarte mit Tasten von Dynamics wird plötzlich sinnvoll – als TAN-Generator in der Kreditkarte. Die Karte nehme ich vorläufig ohnehin noch mit, dann habe ich den TAN-Generator auch gleich dabei.
  • Biometrie: Die wichtigste Form der 2-Faktor-Authentisierung ist Biometrie als 2. Faktor. Hier gab es primär Gesichts- und Augenerkennung, von eher naiv bis anscheinend ausgereift. Iproov setzt auf Gesichserkennung mit farbiger Beleuchtung gegen Fraud, Eyeverify erkennt Augenmuster. Veridium fotografiert Fingerabdrücke mit unterschiedlichem Fokus, um daraus Fingerprints zu erkennen.
  • Komprimiertes Personal Finance Management: Simpler, fokussierter, gamifizierter als früher zeigt sich PFM. ING Polen zeigt ein Daschboard für „Heute“, „Monat“ und „Jahr“ – sieht gut aus. Meniga integriert „Challenges“ wie das Money Monster, dass Geld fressen will, soll heißen, aufs Sparbuch packen. Moven geht Sparziele neu an, um das Weitersparen nach Zielerreichung zu fördern.

Auch sicheres Social Media für Analysten war ein Thema. Seit Donald Trumps Tweets die Börse bewegen, muss man den Analysten die Twitter-Nutzung erlauben. Earlybird und pushfor kümmern sich darum.

 

Trump Beratung

Frag Donald Trump: Berater richtig einsetzen

Als Donald Trump im Wahlkampf gefragt wurde, von wem er sich beraten lasse, erwiderte er in seiner unnachahmlichen Art, er habe nur einen Berater, und das sei er selbst. Noch am gleichen Tag wurde er in der Late-Night-Show dafür gelobt. Begründung: Man solle sich Berater suchen, die einem widersprechen – und niemand widerspricht Donald Trump so oft wie Donald Trump.

Der Wahlkämpfer Trump konnte behaupten, keine Berater zu brauchen – gestimmt hat es schon damals nicht, und als Präsident braucht er definitiv welche. Die Aufgaben politischer Berater ändern sich aber in Zeiten, in denen Politik und Demokratie von solchen Populisten böse disrupted werden.

Auch in der IT- und Finanzbranche sind die richtigen Berater immer noch ein kritischer Erfolgsfaktor. Aber ihre Rolle ändert sich, auch wenn die Disruption des Finanzgeschäfts aktuell geringer erscheint als die der Politik. Man muss sich also fragen, ob man noch die richtigen Berater hat.

Früher haben Berater neue Methoden wie Prozessorientierung eingeführt und generell Erfahrungen eingebracht, wie andere Firmen sowas umsetzen. Man hat quasi die Fähigkeit zur internen Erneuerung eingekauft, indem man sich Kenner und Treiber des Wandels ins Haus geholt hat.

In den letzten Jahren haben Banken und Finanzdienstleister aber massiv in die interne Fähigkeit zur Erneuerung investiert. Ob es nun Innovation, Disruption oder Digitalisierung heißt, ob es ein Space, ein Lab, eine Garage oder ein Center ist – der Wandel wurde ins Haus geholt, bekam seinen Ort und seinen Platz im Organigramm.

Dieser Prozess ist längst nicht abgeschlossen, aber er ist bei vielen Unternehmen heute der Kern des Wandels. Berater müssen sich daran messen lassen, was sie zu diesem Kern und seiner Wirkung in das Gesamtunternehmen beitragen. Das ist neu: Beratung muss jetzt zuerst die interne Kultur verstehen, um deren Bewegungsenergie aufnehmen, verstärken und kanalisieren zu können.

Methoden spielen immer noch eine große Rolle, aber weniger die Methoden der klassischen Betriebswirtschaft, als vielmehr agile Methoden und Kreativtechniken. Agile Software-Entwicklung, Design Thinking, Service Blueprinting, DevOps, MVP und Lean Startup sind gefragt.

Führende Unternehmen, die bereits einen lebendigen Innovationskern entwickelt haben, stehen heute vor einer doppelten Aufgabe. Einerseits muss der Output aus dem Kern die „alte“ Organisation durchdringen, um einen nachhaltigen Kulturwandel zu ermöglichen. Anderseits darf er sich bei dieser Verbindung von Alt und Neu nicht so vereinnahmen lassen, dass der Kern seine Radikalität und damit auch seine Wirkmächtigkeit verliert.

Erscheint die Veränderung zu revolutionär, verweigert sich die Linie dem „Digital Lab“ schlicht. Passt sich das Lab zu sehr an, wird es so normal wie die Linie und damit sinnlos.

Die Aufgabe von Beratern ist es heute, bei diesem Balanceakt zu unterstützen. Sie müssen heilende Störenfriede sein. Heilen sollen sie die Wunden, die jede wesentliche Veränderung in der Unternehmenskultur aufreißt. Sie versöhnen die Linie mit den jungen Wilden, auch, indem sie die Erneuerungsenergie stärken, die in der Linie selbst steckt.

Und sie stören die schleichenden Abnutzungserscheinungen des ritualisierten Neuen im Innovationskern – indem sie eingefahrene Routinen der internen Innovatoren aufzeigen und gemeinsam mit dem Team daran arbeiten, unzufrieden zu bleiben, sich immer wieder auf die Suche nach dem Besseren zu begeben.

Berater arbeiten heute mehr denn je wie Ethnologen: als teilnehmende Beobachter. Sie sorgen für die nötige Diversität im Mix der Unternehmenskulturen. Was übrigens auch bedeutet: Ein einziges Beratungsunternehmen allein schafft geringe Diversität. Besser ist es, sich mit mehreren, verschiedenen Beratern von verschiedenen Unternehmen zusammen zu tun. Wenigstens einzelne Köpfe aus anderen Kontexten oder von anderen Anbietern sollte man sich holen, und auch ruhig immer mal wieder wechseln.

Blockchain

Zwei kritische Erfolgsfaktoren für Blockchain bei Banken

Die Experimentierfreude der Banken in Sachen Blockchain ist ungebrochen. Das ist auch gut so, schließlich haben die Verfahren für Transaktionen und Settlement in der Finanzbranche schon viel zu viele Jahre auf dem Buckel. Der Blockchain-Hype bietet die Chance, an der einen oder anderen Stelle radikal neue und effizientere Verfahren zu etablieren. Das ist die Stärke eines Hypes: Er bringt alle in Bewegung. Da geht was.

Die Schwäche ist: Es laufen keineswegs alle in dieselbe Richtung. Im Gegenteil, viele Banken experimentieren gleichzeitig in verschiedenen Konstellationen mit verschiedenen Einsatzfällen auf Basis verschiedener Technologien. Die Financial Times hat hier schon darauf hingewiesen, dass es langsam unübersichtlich wird mit den diversen Cryptowährungen der Banken.

Welche Blockchain wird sich durchsetzen? Worauf kommt es an? Zwar wird über alle möglichen Aspekte diskutiert: eher offene oder eher geschlossene Systeme, eher zentrale oder dezentrale, Alternativen zum Proof of Work, Geschwindigkeit der Finalisierung von Transaktionen, … Accenture hat sogar eine editierbare Blockchain vorgeschlagen. Das wäre so etwas wie ein nachträglich änderbarer Rechnungsabschluss – eine sehr schräge Idee.

Im Moment sehe ich zwei Faktoren, die darüber entscheiden dürften, welches Blockchain-Konzept breite Akzeptanz finden kann:

  1. Der Charakter der verwendeten Token („Währung“) in der Blockchain
  2. Hinreichende organisatorische Regeln zum Umgang Ausnahmen und technischem Versagen

Charakter der Token

Die deutsche Bank,  Santander, BNY Mellon und ICAP machen mit jetzt mit beim Blockchain-Projekt der UBS. Der verwendete USC („Utility Settlement Coin“) wird hier an die jeweilige Landeswährung gebunden, also zum Beispiel Euro oder Dollar.

Von Seiten des Konkurrenten Ripple kam schnell die Kritik, dass diese Kopplung den Charakter der internen Währung fundamental ändert: Aus einem Asset wird eine Verbindlichkeit. Originellerweise wird Ripple selbst wiederum von den BitCoin-Anhängern dafür kritisiert, dass es in seinen Gateways mit Verbindlichkeiten („IOUs“) arbeite statt mit tatsächlichen Assets wie BitCoins.

Warum ist die Diskussion wichtig? Weil es um die Frage geht, wer aus dem Nichts neue Werte schaffen kann – und wem diese Werte dann gehören. Natürlich will jeder seine eigene Währung schaffen und besitzen. Das ermuntert andere aber nicht unbedingt zum Mitmachen. Warum sollte ich durch meine Mitwirkung eine Währung aufwerten, die überwiegend jemand anderem gehört?

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FehlendeBerater

Ersetzen Robo Advisor nur fehlende menschliche Berater?

Robo Advisor und deren Varianten wie Cyborg-Advisor (mit menschlichem Berater im Hintergrund) sind stark im Kommen. Das gilt zum einen für Geldanlagen, aber auch für Versicherungen – mit Clark ist gerade wieder ein InsurTech-Makler hinzugekommen, bei dem sich der Mensch hinter der App versteckt.

Was treibt eigentlich diesen Trend? Einerseits sicher die Erwartung von Kunden, auch komplexe Fragen einfach aufbereitet zu bekommen. Nicht aus Hunderten von Fonds wählen, aber trotzdem eine passende Anlagestrategie haben, das klingt doch gut.

Man kann es aber auch anders sehen: Den Menschen bleibt zunehmend keine Wahl mehr, als sich von Robotern beraten zu lassen. Es gibt nämlich zu wenige menschliche Berater, die das tun. Banken reduzieren die Anzahl der Filialen und der Berater. Versicherungen reduzieren ihren Außendienst. Die Anzahl der gebundenen Berater sinkt damit.

Man kann in Frage stellen, ob anbietergebundene Finanzberatung überhaupt Sinn macht. Also ist die Lage bei den freien Beratern eigentlich viel spannender. Wie sieht es denn insgesamt aus, wenn man alle betrachtet? Praktischerweise veröffentlicht der DIHK die Statistiken der eingetragenen Vermittler. Das sieht dann im Vergleich so aus:

  • Finanzanlagenvermittler: Juli 2016: ca. 37 Tausend. 2010: Noch keine Eintragung nötig, geschätzt ca. 80 Tausend Vermittler (Schätzung der Bundesregierung). Seit der Eintragungspflicht wurde der Höchststand in 2014 mit gut 41 Tausend Vermittlern erreicht.
  • Versicherungsvermittler: Juli 2016: ca. 230 Tausend. Juli 2010: ca. 256 Tausend.

Gegenüber dem früheren Niveau haben wir also jetzt schon mal 10% Rückgang. Hingegen gab es eine Steigerung bei den Honorarberatern: von 45 (2014) auf 121 (2016). Tolle Wachstumsrate, irrelevante Größenordnung.

Und bei den Vermittlern sind noch viele Berater aus den Zeiten dabei, als man mit LV und automatischen jährlichen Anpassungen gut leben konnte. Wenn die mal aussteigen, werden sie wohl kaum durch entsprechend viel Nachwuchs ersetzt.

Womit sich die Frage stellt: Wenn die klassische, provisionsfinanzierte Beratung zunehmend weniger attraktiv für die Berater ist, und die Kunden immer noch keine Honorarberatung akzeptieren, wer berät dann die Menschen, deren Einkommensniveau zu unattraktiv für die übrig gebliebenen Berater ist?

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thinkBoldSpecial

Schöne neue (bimodale) Welt. Innovations-IT trifft auf Exzellenz-IT.

„Bimodal.“ Was klingt, als sei es eine Persönlichkeitsstörung, ist in Wirklichkeit die spannendste Herausforderung für die IT in Zeiten der Digitalisierung. IT muss heute nämlich in zwei Modi gleichzeitig operieren: einem stabilen und einem agilen Modus. Aber so, dass ein Ganzes daraus entsteht, keine parallelen Welten. Sonst endet es doch mit einer Störung, mit schizophrener IT nämlich.

Wie man das konkret angeht, wird am 30.09.2016 auf der „thinkBold *special“-Konferenz in Köln von hochrelevanten Praktikern der Finanzbranche diskutiert. Das Programm finden Sie hier. Für die Leser des Blogs wurden ein paar Plätze reserviert, bei Interesse wenden Sie sich einfach an mich oder info@syngenio.de.

Warum brauchen wir überhaupt bimodale IT in der Finanzbranche? Geht das überhaupt, agil arbeiten und dabei alle Regularien einhalten? Die banale Antwort ist: Wer Produktions- und Vertriebsbank sein will, braucht beides, stabile IT und agile IT.

Die stabile IT ist effizienz- und kostenoptimiert, zuverlässig und hochverfügbar. So muss die Produktions-IT auch sein, um im Wettbewerb um bessere Cost-Income-Ratios mithalten zu können. Eine solche IT ändert man aber auch nur ganz vorsichtig, mit viel Vorlauf. Zwei Releases im Jahr.

Gleichzeitig wenden die Kunden sich immer mehr den wirklich gut gemachten digitalen Angeboten zu. Dafür brauchen wir die agile IT, die ständig Verbesserungen einbaut und sofort auf Kundenfeedback reagiert. Wer als Vertriebsbank erfolgreich sein will, muss heute agil entwickeln. Da schafft man dann auch mal zwei Releases pro Monat.

Und wenn wir beides brauchen, müssen wir es auch miteinander verheiraten. Übergänge zwischen Innovation und Exzellenz schaffen. Bank-API ist in diesem Kontext ein Stichwort, aber auch nicht die Antwort auf alle Fragen.

Die thinkBold Special bringt die konkreten Fragen mit dem Big Picture zusammen. Payment, Banking und Brokerage sind mit Anwenderberichten vertreten, auf die ich schon sehr gespannt bin. Auch zu Internet der Dinge, Blockchain und Algorithmic Banking werden wir Redner aus der wirklichen Praxis hören.

Sehr passend finde ich auch den Beitrag zur Frage, was man von einer gut geführten Cocktailbar über Methoden der Hochverfügbarkeit lernen kann. Die Konferenz geht dann nämlich in die 15-Jahr-Feier der SYNGENIO über. Da sind wir dann schon gleich in der richtigen Stimmung. Wie gesagt, ein paar Gäste kann ich noch reinschmuggeln. Geben Sie mir mal einen Wink.

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Innovation_Transformation

Von der Innovation zur digitalen Transformation. Es beginnt.

Jede Bank spricht über Innovation. Und tut auch was, keine Frage. Es gibt eine Menge Bewegung. Aber wenn wir ehrlich sind: Darunter sind auch eine Menge Ausweichbewegungen. Es kann einen schon verblüffen, wie viel Innovation man in einer Organisation einführen kann, ohne wirklich etwas zu verändern.

Denn das halte ich schon für entscheidend: Die eigentliche Herausforderung der Branche ist die Digitale Transformation. Und Transformation heißt Veränderung. Veränderung der eigenen Haltung, Unternehmenskultur und sogar des Selbstverständnisses.

Im Moment sind wir mit dem Thema „Innovation“ deutlich weiter als mit der „digitalen Transformation“. Innovationen finden zahlreich statt, und zwar vor allem zwei Typen von Innovationen:

  • Optimierende Innovation: Beispiel VideoIdent. Eine Verbesserung der bestehenden Produktanträge mit den Mitteln der Digitalisierung. Fertig zukaufbar von entsprechenden Anbietern. Das Thema lässt sich in der Organisation der Bank genau zuordnen. Man weiß, wer zuständig ist, wer das Projektbudget beantragt. Es ändert sich auch Null und Nichts an den bestehenden Produkten oder am Kunde-Bank-Verhältnis. Die Identifikation wird digital, Interessenten können reibungsloser Kunde werden, sonst bleibt alles beim Alten. Diese Form der Innovation lässt sich sehr gut einbauen.
  • Ergänzende Innovation: Neben dem bestehenden Geschäft wird Innovation zusätzlich betrieben. Als Incubator, Hackathon, Innovation Space, oder wie auch immer. So kann man Innovation machen, ohne dass die Organisation wirklich umdenken oder umlernen müsste. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin dafür, dass man diese Dinge angeht. Das ist alles richtig. Aber es ist eben ein sehr vorsichtiger Schritt in Richtung Veränderung. Wir führen das Neue mal ein. Am Rande. Da, wo es noch nicht ans Eingemachte geht. Wenn alles gut geht, befruchtet es die Unternehmenskultur. Dann verbreitet sich die Lust aufs Neue in der Bank und Umdenken wird salonfähig.

Wir sind jetzt an dem Punkt, an dem die führenden Banken wirklich beginnen, mehr zu tun, ernsthafte Transformationsschritte anzugehen. Damit wird es jetzt spannend:

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BeDisruptiveWeb

Und FinTechs disrupten doch. Aber anders als gedacht.

Über die Relevanz der FinTech-Szene ist eine neue Debatte entbrannt. Einerseits beweist der Verkauf der Fidor Bank an die Groupe BPCE die Bedeutung der neuen Szene für die etablierten Banken. Auch der neu entbrannte Wettbewerb zwischen London und Berlin um die FinTechs spricht dafür, dass von den Softwareschmieden der Finanzbranche noch viel erwartet wird.

Anderseits fragt das Wirtschaftsmagazin Brand Eins im Artikel Das nächste kleine Ding, wo denn nun die laufend angekündigte Disruption bleibe:

„Digitale Angreifer, die die Banken wirklich ersetzen und etwas substanziell Besseres anbieten? Fehlanzeige. […] Bis heute […] beliefen sich die Marktanteilsverluste der etablierten Finanzhäuser an Fintechs auf „kaum mehr als einen Rundungsfehler“.“ (Brand Eins)

Schlimmer noch, der Artikel bemängelt nicht nur fehlende Erfolge – die könnten sich ja noch einstellen. Er wirft den FinTechs sogar vor, die Kernprinzipien der digitalen Transformation zu verraten: Nämlich zu sehr von der „coolen“ Technologie und ihren Möglichkeiten her zu denken, und zu wenig vom Kundennutzen her. Das ist schon ein Schlag in die Magengrube. Autsch!

Tatsächlich ist die Diskussion ja eigentlich auch längst weiter. Im Januar 2015 (!) schrieb ich in diesem Blog über die Finovate-Konferenz:

Die deutliche Mehrzahl der Präsentatoren zeigte Angebote für Banken, keine Revolutionen gegen den Bankensektor mehr. FinTechs sehen Banken heute als Kunden oder als Exit Strategie, nicht mehr als Gegner.

Was bedeutet das? Der Kampf um Kunden, um bessere Angebote und neue Dienste ist nicht vorbei. Er wird aber vor allem Bank gegen Bank stattfinden, weniger Bank gegen IT-Startups.

Schon damals kommentierte Hans-Jörg Leichsenring vom Bank Blog, das sei doch nicht überraschend. Im April diesen Jahres analysierte Dirk Elsner im Capital-Artikel Die FinTech-Revolution fällt aus sehr elegant, dass Disruption zum Unwort verkommt und FinTechs die Kooperation mit den Banken suchen:

Die Digitalisierung bedroht nicht den Finanzsektor, sondern die darunter zusammengefassten Konzepte, Technologien und neuen Services erweitern die Angebotspalette an Finanzdienstleistungen. (Dirk Elsner in Capital.de)

Also sind sich alle einig, dass FinTechs viel mit Banken kooperieren und wenig verdrängen. Heißt das, die Disruption fällt aus? Alles bleibt beim Alten, es ändert sich nichts für die Banken? Nein.

Die FinTechs disrupten vor allem die bisher weitgehend exklusiven Leistungen der eigenen Bank-IT. Hier wird ein tatsächlich bestehendes Produkt, nämlich die Bereitstellung von IT-Leistungen für Banken und Bankkunden, tatsächlich durch neue Anbieter erbracht. In manchen Fällen ist die Beziehung Kunde-Lieferant hier eine bankinterne Kundenbeziehung zwischen Fachbereich und IT-Bereich. Deshalb lässt sich das Ausmaß der wirtschaftlichen Verschiebung nicht so einfach messen.

Fakt ist aber, dass Banken sich immer mehr daran gewöhnen, Innovationen in neuen Strukturen und mit externen Anbietern zu erstellen. „Innovationen entwickelt man selbst, aber nicht allein“ ist einer der 3 Schlüsselfaktoren für die digitale Transformation bei Banken.

SYNGENIO hat in der Vergangenheit oft direkt für die Bank-IT gearbeitet. Das tun wir auch immer noch, vor allem, um die Bank-IT zu stärken im neuen Wettbewerb mit fremden IT-Anbietern. Agilität, MVP-Entwicklung, Strukturen für eine bimodale IT sind da zentrale Themen.

Zunehmend kommen aber auch Digital Offices, Multichannel-Manager, Marketing oder Innovationsmanager direkt auf uns zu. Gerade Zukunftsthemen bei der Kundenansprache, bei Mehrwertdiensten oder neuen Geschäftsmodellen gehen Fachbereiche inzwischen direkt mit externen bankerfahrenen IT-Unternehmen an. Die „agile IT“ ist zunehmend extern, der internen IT droht die Reduktion auf die „stabile IT“. (Aber, wie oben geschrieben, auch die interne IT macht sich zunehmend fit für den Wettbewerb.)

Das ist natürlich eine Disruption, die dem Bankkunden erst einmal egal ist. Deswegen sieht es aus Endkundensicht leicht so aus, als fände sie nicht statt. Im internen Gefüge der Banken aber werden die Karten neu gemischt. Daher kann man nur allen Mitarbeitern in Banken, in der Bank-IT und bei den externen Bank-IT-Unternehmen sagen: Ihr steckt mitten in einem disruptiven Prozess. Wenig bleibt beim Alten, und wer sich schneller wandelt, wird zu den Gewinnern gehören.

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