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Wie Banken den FinTechs Paroli bieten können: Fünf Eckpunkte.

Das Netz ist voller Artikel, die Banken den Untergang prophezeien, weil sie der Konkurrenz durch neue FinTech-Anbieter nicht gewachsen seien (hier ein Beispiel). Aber so einfach ist die Welt nicht. Wenn Banken ihre Karten richtig ausspielen, können sie auch unter den Bedingungen der digitalen Transformation profitabel arbeiten. Meiner Erfahrung nach wollen die meisten Banker inzwischen auch in diese Zukunft investieren. Sie sind aber unsicher, wie sie sich konkret positionieren sollen. Schließlich ist die Mehrzahl der FinTechs bisher eher eine Hoffnung auf zukünftigen Erfolg denn ein tragfähiges Geschäftsmodell. Und niemand will sich in seiner Bank für ein Innovationsprojekt stark machen, das sich letztlich als großer Flop entpuppt.

Wie finden wir zum erfolgreichen Umgang mit den FinTechs? Fünf Eckpunkte:

Erstens: Nicht verwirren lassen. Ja, es gibt viele und vielfältige neue Player. Aber auch von diesen Anbietern werden nur wenige wirklich relevant sein. Banken müssen nicht jede neue Idee sofort selber auch in Angriff nehmen. Es reicht, sich auf die wichtigen Felder zu konzentrieren. Als Beispiel aus der Vergangenheit: Paypal hat ursprünglich Peer to Peer Payments für Palm Pilots angeboten. Eine coole Idee, aber kein Erfolg. Nichts tun war die richtige Antwort darauf.

Zweitens: Die evolutionären Veränderungen mitgehen. Betrachten wir mal nur die überschaubare Gruppe der derjenigen neuen Konkurrenten, die bereits wirklich erfolgreich sind oder doch so viel öffentliche Aufmerksamkeit bekommen, dass sie wahrscheinlich erfolgreich werden. Diese Gruppe zerfällt in 2 Typen: Die Evolutionären und die Disruptiven. Auch die Evolutionären kommen frisch und cool daher. Auch sie bringen eine wirklich neue Leistung ein. Aber dieses neue Angebot setzt auf den bestehenden Strukturen der Finanzbranche auf. Es erweitert sie nur, indem es die Möglichkeiten neuer Technologien nutzt. Die wichtigsten Beispiele dafür sind:

  • Paypal
  • Apple Pay 
  • Mint

Auf diese Anbieter müssen Banken eine Antwort geben. Das können sie auch, weil es eben „nur“ um Weiterentwicklungen des Bestehenden geht. Um Überweisungen, Kreditkartenzahlungen, Aufbereitung der Kundenfinanzen. Hier gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder möglichst nahtlos mit diesen Anbietern zusammenarbeiten, um den eigenen Kunden eine gute Basis zur Nutzung solch neuer Dienste zu liefern. Das ist nicht verkehrt, weil diese Dienste nicht direkt eigenes Geschäft reduzieren. Aber sie besetzen die Kundenschnittstelle und schwächen die Kundenbindung zur Bank. Deshalb muss man auch die zweite Möglichkeit prüfen: Eine eigene, konkurrenzfähige Lösung lancieren. Damit kann man den FinTechs Paroli bieten und die eigene Kundenbindung stärken. Dann muss man aber auch konsequent sein und darf sich vor Anfeindungen aus dem Lager der Etablierten nicht fürchten. Ein Beispiel ist die 1822 Direkt, mit der die Frankfurter Sparkasse als Direktbank aktiv ist. Oder Sofortüberweisung als deutsche Alternative zu Paypal. Das hätte auch jede Bank realisieren können – wenn deren Juristen sich getraut hätten. Ein Beispiel für die nahtlose Zusammenarbeit mit den FinTechs ist die Paypal-Unterstützung der DKB. Beides kann richtig sein. Wichtig ist, dass man sich für eine der beiden Positionen entscheidet und entsprechend handelt. Wirklich gefährlich ist in diesem Segment nur: Abwarten und nichts tun.

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Ich treffe ja immer mal wieder auf Banker, die sich fragen, ob all die digitalen Kanäle wirklich genutzt werden. Selbst auf dem CIBI-Innovationstag Anfang dieses Jahres wunderte sich ein Teilnehmer, „wer denn all diese Internetbanking-Nutzer sein sollen, er kenne in seinem Bekanntenkreis keine“. Da konnte ich dann aus eigener Erfahrung berichten, dass für mich Online-Banking schon immer dazugehörte. Weil mein Vater bei der Deutschen Bundespost arbeitete, wir deshalb BTX hatten und schon in den 80ern des letzten Jahrhunderts Homebanking gemacht wurde. So unterschiedlich sind die Nutzungen. Man muss die Kunden nur mal fragen!

Deshalb stelle ich Ihnen heute ein Video vor, in dem ein Nutzer zu Wort kommt. Mein Kollege Marcus Goldemann, Creative Director bei Unterschied & Macher, hat es erstellt. Wir fuhren gemeinsam zum Flughafen, und ich entdeckte die Finanzmanager-App auf dem Pad am Armaturenbrett. Schnell stellte sich heraus, dass der Fahrer selbständig ist und sein Taxiunternehmen aus dem Auto heraus steuert: Liquidität prüfen, Rechnungen zahlen… und alles sicher mit dem Pad für die Bankapplikationen und dem Smartphone für die Mobile TANs.

Freundlicherweise hat der Fahrer sich gleich für ein Interview zur Verfügung gestellt, und so entstand dieses Kurzvideo. 100% Authentisch. Mobile Banking heute.

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SEPA Card Clearing: Für manche private oder öffentliche Bank wird es extrem sportlich!

Stichtag 14. April 2015: An diesem Tag startet der Rollout für SEPA Card Clearing in der Deutschen Kreditwirtschaft. Also jeder Debitkarten-Herausgeber oder Geldautomaten-Kreditkarten-Akzeptant in Deutschland muss ab diesem Tag in der Lage sein, SCC-Nachrichten zu verarbeiten.

Die großen Player wie die Sparkassen FinanzGruppe, der genossenschaftliche Sektor oder die Großbanken (Deutsche Bank, Postbank, Commerzbank, UniCredit) arbeiten seit Anfang 2012 in verschiedenen Gremien und Arbeitsgruppen der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) intensiv an der Spezifikation und Umsetzung von SCC in Deutschland. Ab November 2014 werden die DK-weiten End-to-End-Tests stattfinden.

Allerdings scheinen die kleineren Institute aus dem Bereich des Bankenverbandes oder des VÖB bei diesen Aktivitäten ziemlich spät dran zu sein.

So sagte Markus Härtel (Bundesbank) beim van den Berg Informationsforum am 19.09.2014, dass ca. 70 Institute sich noch nicht zu den bereits laufenden SCC-Bundesbank-Tests angemeldet hätten.

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Holvi kommt nach Deutschland: Banking für „Makers and Doers“.

Mit Holvi kommt ein cooler finnischer FinTech-Anbieter jetzt auch nach Deutschland und Österreich. Holvi hat mir schon auf der Finovate Europe 2013 sehr gut gefallen. Dort zeigten sie ihren absolut eigenständigen Ansatz, einen Kontoauszug aufzubereiten: Übersichtlich getrennt nach Einnahmen und Ausgaben, und diese wiederum in Kategorien eingeteilt.

Inzwischen hat sich das Geschäftsmodell dahin konkretisiert, dass Holvi primär Freiberufler und Kleinunternehmer unterstützt. „Makers and Doers“ nennt sich das dann im Marketing-Slang. Das macht Sinn: Einerseits hatte die charakteristische Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben immer schon etwas von einer Bilanz, anderseits lassen sich bei beruflicher Nutzung andere Gebührenmodelle etablieren als bei Banking für Privatkunden. Das Privatkundengeschäft ist gerade in Deutschland ja sehr wettbewerbsintensiv. Weiterlesen

IBM Watson Financial Consulting

Sind Watson, Gabriel und der Mensch das neue Dreamteam der Finanzberatung?

IBM hat die DBS Bank in Singapur überzeugt, Watson einzusetzen. Watson ist ein System, das sehr große Datenmengen durchforsten und daraufhin Fragen beantworten kann. Berühmt wurde es, als es menschliche Spieler der US-Qizsendung „Jeopardy!“ deklassierte.

Einen anderen Ansatz, aber dasselbe Ziel verfolgt Advice Games mit ihrer Software Gabriel, die als „Finanzieller Schutzengel“ agieren soll.

Werden Bankberater durch Künstliche Intelligenz ersetzt?

Zumindest vorläufig zeichnet sich ein anderes Bild ab: Mensch und Software werden zu Teamplayern, die gemeinsam Kunden unterstützen. Dabei wächst die Software aber über ihre bisherige Rolle als reines Werkzeug hinaus und wird zum echten Partner: Einfache Fragen beantwortet sie direkt selbst, bei komplexen Aufgaben unterstützt sie die menschlichen Experten. Schauen wir uns die Ansätze mal an:

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CIBI Innovationstag 2014

CIBI Innovationstag 2014: Erfahrungsberichte zu PFM in Deutschland

Unter der Überschrift „Eine neue Welle von Innovationen bei Finanzdienstleistern“ schickte der Veranstalter ibi Research heute in München den CIBI Innovationstag 2014 ins Rennen.

Nach den Keynotes bot die sehr gut besuchte Veranstaltung drei Tracks zu PFM, „Von SEPA zu PSD2“ und Bankinnovationen. Ich war im PFM-Track, dort gaben ibi, Volksbank Bühl, comdirect und figo spannende Einblicke in den aktuellen Stand der Akzeptanz von PFM in Deutschland. Endlich Erfahrungswerte zu PFM! (Mehr dazu weiter unten.)

Vorher wurde aber erst einmal die Revolution ausgerufen. Und zwar in den Keynotes. Dabei war Martin Kölsch von Fidor noch am Zurückhaltendsten. Er hatte seinen Vortrag mit „Web 2.0“ betitelt (erinnern Sie sich? So hat man es damals genannt, als Interaktivität und User Experience ins Web kamen …) und spannte dann auch den großen Bogen über die Zeit von DAB-Gründung bis heute. Seine Kernaussage:

„Es geht um eine Revolution in der Kunde-Bank-Beziehung. Es geht um Augenhöhe. Die gibt es im Strukturvertrieb nicht, und sie entsteht auch nicht einfach durch Digitalisierung. Das ist eine Kulturfrage.“

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Top Ten Post Next Gen Finance

Trendbarometer: Top-Themen im Blog

Seit gut einem Jahr berichten meine Co-Autoren und ich hier über Next Generation Finance. Die Blogbeiträge decken inzwischen ein breites Themenspektrum ab. Eine gute Gelegenheit, zu schauen, was Sie, die Leser, tatsächlich interessiert. Hier die Top Ten der bisherigen  Beiträge:

  1. Fiducia Volksbanken starten integriertes Multichannel PFM
  2. „Paradigmenwechsel im Finanzdienstleistungsmarkt“
  3. Finance 2.0: Zürich zeigt die Zukunft
  4. Die Digitalisierung der Versicherung findet statt
  5. JAX 2013: „Kinect und Touch bringen den Wow-Faktor in die Filiale“
  6. Personal Finance Management jetzt online
  7. comdirect integriert Personal Finance Management ins Online Banking
  8. Mobile Payment: Löst sich der gordische Knoten jetzt?
  9. Personal Finance Management: Erfolg durch Wandel
  10. Interview: kesh prescht vor bei Mobile Payment

Die meisten Zugriffe an einem Tag aber erreichte ein anderer Beitrag: „Wow! Die Medien verschieben das SEPA-End-Date!“

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Finovate_Europe_2014_Blog

Vorschau Finovate Europe 2014

Nächste Woche findet in London wieder die Finovate Europe 2014 statt, garantiert der coolste Banking Event des Jahres im guten, alten Europa. Wenn Sie auch dabei sind, freue ich mich über eine Mail oder einen Kommentar im Blog, ich würde gern die Vernetzung der deutschen Teilnehmer untereinander fördern, vielleicht gehen wir ja auch auf ein Pint oder einen Tea in die City?

Was gibt es zu sehen? Wie immer führt Finovate in den Demosessions Innovationen live vor, kurz und knackig, und gibt einem genug Zeit, die interessantesten Referenten zwischendrin am Stand zu besuchen. 68 Demos an zwei Tagen! Da lohnt es sich, vorab schon mal einige anzuschauen:

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Zinsfalle_als_Chance

So geht’s : Die Zinsfalle als Chance der Deutschen

Im Handelsblatt vom 03. Januar 2014 erschienen mehrere Artikel zu der Problematik, dass durch das inzwischen langjährige Zinstief das Geschäftsmodell der deutschen Regionalbanken, namentlich Volksbanken/Raiffeisenbanken und Sparkassen in den nächsten Jahren massiv in Bedrängnis geraten kann. Denn diese Häuser nehmen vor allem Spareinlagen entgegen und leihen dieses Geld in Form von Krediten wieder aus. Durch das Zinstief tappen nun diese Banken und Sparkassen in die Zinsfalle, denn die Marge zwischen Einlagenzinsen und Kreditzinsen schrumpft deutlich.

Als wichtigste Lösung wurde in den Artikeln eine Ankurbelung des Provisionsgeschäftes, insbesondere des Wertpapiergeschäftes genannt.

Und in dieser möglichweise bald anstehenden Wandlung des Geschäftsmodells sehe ich eine große Chance für die Sparer in Deutschland!

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Wow! Die Medien verschieben das SEPA-End-Date!!

 

Heute war in diversen Medien von der Verschiebung der SEPA-Einführung zu lesen und zu hören.

Also: Erst einmal gibt es SEPA seit 2008, allerdings sollen die alten deutschen Zahlungsverkehrssysteme per Gesetz (EU-Verordnungen haben Gesetzescharakter) zum 01.02.2014 abgeschaltet werden.

Wir erinnern uns schmerzlich daran, dass die deutschen Medien das Thema SEPA lange Zeit weitgehend ignoriert haben. So wurden Pressetermine und –Mitteilungen geradezu boykottiert.
„Das Thema sei für die Leser nicht interessant“ war zu vernehmen.

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