Prognose FinTech 2016

Finance 2016: Drei ungewöhnliche Prognosen

Der Jahresbeginn ist die hohe Zeit der Prognosen: Was erwartet uns? Inzwischen sind die meisten Blicke un die Glaskugel publiziert, und es findet sich wenig Überraschendes. Blockchain, Mobile Payment, mehr Biometrie (allein schon wegen der zweiten Payment Service Direktive). Auch der Kontowechselservice wird wegen gesetzlicher Vorgabe ein großes Thema sein.

Überraschend war für mich, dass immer noch sehr die Einzelfeatures oder Einzelservices im Vordergrund stehen. Inzwischen sind wir doch an dem Punkt, an dem gerade die intelligente Verknüpfung in ein stimmiges Ganzes die zentrale Herausforderung ist.

Drei neue Begriffe sind bei mir hängengeblieben, die ich Ihnen kurz vorstellen möchte:

  • Unicorpses
  • Internet of Me
  • Life Finance

Unicorpses

In Deutschland war 2015 erst der Durchbruch für Investments in FinTech, international lief der Markt schon heiß. Private Companies wurden höher bewertet als Public Companies – in gutes Indiz, dass da auch viel heiße Luft gehandelt wird, die sich in den Bilanzen der Venture Capitalists gut macht, die aber letztlich nicht realisiert werden kann.

Es gibt ein erhebliches Risiko, dass in 2016 mehr FinTechs den Weg von Yapital gehen werden – ins Aus. Darunter könnte auch mindestens ein Unicorn sein, also ein Unternehmen mit mehr als 1 Milliarde Marktkapitalisierung. Und ein totes Unicorn ist ein eben ein Unicorpse. Das Wortspiel ist so gut, dass es definitiv in den Schlagzeilen auftauchen wird, sobald über dem ersten Einhorn dunkle Wolken auftauchen.

(aus den Prognosen von bank Innovation übernommen: http://bankinnovation.net/2015/12/top-10-fintech-predictions-for-2016/ )

Weiterlesen

ball-563965_1920

Bessere Kundenbeziehungen durch Social CRM

Das Wissen über den Kunden bzw. das Erkennen von Bedarfen spielt seit jeher eine wichtige Rolle in Banken. Ich kann mich noch gut an meine Ausbildung zum Bankkaufmann 1997 erinnern. Hier wurde erstmals systematisch mittels eines „Persönlichen Beratungsbogens“ papierhaft die wichtigsten Kundenwünsche, finanziellen Ziele etc. erfasst.  Zu dieser Zeit waren die Kunden noch bereit in einem persönlichen Gespräch diese Informationen mitzuteilen. Dies hat sich m.E. in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Zum einen hat das Vertrauen gegenüber den Banken deutlich abgenommen. Zum  anderen kommen die Kunden deutlich seltener in die Filiale und zu Beratungsgesprächen – gerade im Privatkundengeschäft. Nicht selten wird als Einwand von Kunden der offensichtliche  Verkaufsfokus genannt. Daran änderte auch der Einsatz moderner Beratungssoftware wenig.

Ich bin mir aber sicher, dass viele Kunden durchaus Hinweisen, Angeboten und Tipps zu finanziellen Themen aufgeschlossen gegenüber stehen. Nur der Moment der Ansprache  muss einfach passen. Diese sog. „Magic Moments“ zu erkennen stellt eine große Herausforderung für die Banken dar. Auch hier steht für die Banken eine digitale Veränderung an.

Weiterlesen

ThinkBold_2015

ThinkBold: Warum CIOs manchmal einen Cowboyhut brauchen.

IT-Leiter sind heute nicht nur CIOs, die ihre IT Schritt für Schritt immer etwas besser machen. Sie sind auch CDOs, Chief Disruption Officer, die ihre eigene Organisation herausfordern, die Dinge ganz anders anzugehen. Beide Aufgaben sind gleich wichtig, und der Hut, unter den man sie bringen muss, darf ruhig mal ein Cowboyhut sein. Soll heißen: In Deutschland organisieren wir uns gern mit der Gründlichkeit einer vom Ingenieurwesen geprägten Kultur. Für die disruptiven Herausforderungen wäre amerikanischer Pioniergeist oft hilfreicher. Mehr Mut, den Aufbruch ins Unbekannte zu wagen – dafür steht der Cowboyhut.

Das war eine der Erkenntnisse der ThinkBold-Konferenz, auf der gestern CIOs und Startup-Gründer angeregt diskutierten, wie IT und ihre Chiefs heute erfolgreich sein können. Zur Veranstaltung mit dem Thema „Mobile Enterprise“ hatten VOICE, Münchner Kreis und SYNGENIO AG in die „Klassikstadt Frankfurt“ eingeladen.

„Ein ganz normales Bankkonto könnte Facebook heute 98% günstiger anbieten als eine Direktbank.“ (Chris Boos, arago)

Weiterlesen

Kreditkarten

Positive Effekte durch Deckelung der Interchange Fee?

Nachdem nun – nach jahrelangen Verhandlungen – auch die Deckelung der Verarbeitungsgebühren im Kartenzahlungsverkehr (die sog. Interchange Fee oder das Interbankenentgelt) durch EU beschlossene Sache ist haben die Banken hier eine weitere Herausforderung zu meistern. Da die Deckelung ab 09.12.2015 greift sollten die Banken schnellstmöglich, falls noch nicht geschehen, Konzepte zur Kompensation der Ertragseinbußen entwickeln.

Zwar ist Deutschland auch weiterhin kein Kreditkartenland. Aber mit den neuen Mobile Payment Angeboten (wie z.B. Apple Pay) kann sich das schnell ändern.

Doch von welchen Eintragseinbußen reden wir hier eigentlich?

Weiterlesen

IEX

Geschäftschance für Europa: Fair Trade. An der Börse.

Das Ab und Auf der letzten Börsentage ist ein guter Anlass, darauf hinzuweisen, dass Next Generation Finance auch Beiträge zur Stabilisierung des Handels leisten kann. Mit den gleichen Prinzipien wie immer: Durch Einfachheit und Transparent zum fairen Angebot für alle.

Vorbild ist die junge amerikanische Handelsplattform IEX. Über IEX werden bereits etwa 1,5% des US-Aktienhandels abgewickelt, gerade wird die Zulassung als offizielle Börse beantragt. IEX unterbindet Handelstricks durch einfache Maßnahmen, etwa:

  • Der Zugang für alle Händler wird absichtlich mit einer Latenz von 350 Microsekunden versehen. Damit kann sich niemand relevante Informationsvorsprünge durch schnellere Börsenanbindung verschaffen.
  • Die Börse erlaubt nur wenige, einfache Auftragsarten.
  • Der Börsenalgorithmus ist offen gelegt.

Die Entschleunigung des Handels ist geradezu banal umgesetzt: Das Bild oben zeigt zu Spulen gewickeltes Fiberglaskabel, durch das alle Anfragen geleitet werden. Diese zusätzlichen Netzwerk-Meilen im Zugangsweg reichen, um Hochgeschwindigkeitshandel auszubremsen.

Die Gründungsgeschichte von IEX liest sich hier wie ein Krimi (oder hier noch ausführlicher, in Englisch). Die Geschichte ist ein Auszug aus Michael Lewis Buch „Flash Boys„. Das Buch macht aus dem Thema Hochfrequenzhandel (HFT) einen Skandal, schießt leider in seiner reißerischen Art über das Ziel hinaus.

Wie steht es in Europa um den Hochfrequenzhandel (HFT)?

Weiterlesen

Denkfallen

3 Mythen, die Digital Banking blockieren

„Annahmen sind Dinge, von denen man nicht merkt, dass man sie macht“ sagte schon Douglas Adams. Unser Denken wird geprägt von unbewussten Annahmen, die sich in unsere Entscheidungen mischen. Was die Entscheidungen sicher nicht besser macht. Der digitalen Transformation des Bankings machen es in meiner Wahrnehmung vor allem die folgenden 3 Mythen schwer:

Mythos 1: Digital ist unpersönlich.

Dem persönlichen Gespräch in der Filiale wird oft unterstellt, dass sich Kunden damit deutlich besseres emotional abgeholt und aufgehoben fühlen. Die digitalen Kanäle gelten demgegenüber als kalt und unpersönlich. So pauschal ist das Unsinn. Einerseits werden digitale Medien längst als soziale Medien wahrgenommen, in denen es genauso menschelt wie in anderen Gesprächen. Die „Born Mobiles“ sehen keinen qualitativen Unterschied mehr zwischen einem Telefonat und einem Chat.

Anderseits unterschätzen Banker gern, wie fremd und abweisend eine Bank wirken kann: Ein Kreditgespräch in der ungewohnten Umgebung einer Bank zu führen, ist eben nicht angenehm. Das Smartphone ist persönlicher, als es eine Institution je sein kann. Und: digitalen Kanäle stören nicht den Eindruck von emotionaler Nähe, der über Marketing erzeugt wurde.

Durch die Spots mit Dirk Nowitzki erscheint die ING DiBa doch vertrauter als jeder echte Banker. TDBank fährt seit längerem eine Kampagne mit dem Namen #BankHuman . Der Hashtag ist von Anfang an Teil der Kampagne. Sie soll zeigen, dass die Bank sich auf die überschaubaren, alltäglichen Geldthemen ihrer Kunden einstellt, und kein abweisender Hort der großen Finanzen ist. „Twitter“ und „Menschlich“ sind hier eben gerade keine Gegensätze. Da die Kampagne mehrfach erneuert wurde, darf man wohl annehmen, dass das Konzept funktioniert.

Weiterlesen

WorldeconomicForum

Nützliche Studie: Die Zukunft der Finanzbranche

Das Weltwirtschaftsforum hat eine Studie zur „Future of Financial Services“ veröffentlicht (Link). Der umfangreiche (178 Seiten) und gut lesbare Text bietet nichts revolutionär Neues, aber eine sehr brauchbare Klassifikation der absehbaren Disruptionen.

Untersucht werden 6 Geschäftsbereiche des Finanzsektors, in denen 11 „Innovation Cluster“ identifiziert wurden. Gerade in den Bereichen, die man selbst nicht gut kennt, lohnt es sich, die Detailanalysen anzuschauen. Die Analysen sind fundiert, übersichtlich dargestellt und verzichten auf große Marktschreierei.

Wenn Sie also prüfen wollen, ob Sie in Ihrem Innovationsprozess mit den richtigen Suchfeldern unterwegs sind, sind Sie mit der Studie gut bedient. Wenn in Ihrem Innovationsprozess noch gar keine Suchfelder sauber abgegrenzt sind, können Sie die Einteilung der Studie als Ausgangspunkt nehmen, und einfach Ihre Spezialthemen weiter verfeinern.

Weltbewegend neue Erkenntnisse wird man beim Lesen nicht gewinnen, wohl aber ein besseres Verständnis für Breite und Tiefe der Veränderung, in der wir uns befinden. Mir ist die neue Unübersichtlichkeit noch nie so bewusst geworden wie ausgerechnet beim Lesen dieser gut strukturierten Untersuchung.

Weiterlesen

Top