comdirekt integriert Personal Finance Management ins Online-Banking

(Übersichtsfunktionen im PFM der comdirekt. Video: comdirekt.)

Als erste deutsche Bank integriert die comdirekt PFM (Personal Finance Management) in ihr Online-Banking. Der Antritt ist eine runde Sache geworden, die sicher noch weiter ausgebaut wird. Was können andere Banken daraus lernen?

comdirekt setzt auf die White Label Lösung von Meniga. Auch im Frontend, was auch zum erkennbaren Meniga-Stil in der Gestaltung führt. Hier stellt comdirekt ihr PFM in Videotutorials vor. An Funktionen werden geboten:

  • Grafische Auswertung von comdirekt-Umsätzen nach Kategorien,
  • Budgetkontrolle,
  • Benachrichtigungen bei Ereignissen wir Limitüberschreitung einer Buchung in einer Kategorie oder einer Budgetüberschreitung.

Dem Ganzen liegen natürlich die Definitionen von Kategorien und Budgets zugrunde. Beides nimmt das System automatisch vor, der Nutzer kann nach Wunsch vielfältig nachjustieren. Was mir besonders gefällt:

  • Die Ergebnisse stehen im Vordergrund, also die Auswertungen und Budgetkontrolle. Dafür nötige Basisarbeit wie Umsatzklassifikation und Budgetdefinition wird im ersten Schritt automatisch gemacht. Der Vorteil: Wenn ein Nutzer die Basisdefinitionen anpasst, weiß er schon, wozu sie genutzt werden. Er kann dann gezielt vom Nutzen her anpassen. Wenn der Nutzer mit der Kategorisierung beginnen müsste, könnte er zunächst gar nicht entscheiden, welche Kategorien die richtigen für ihn sind.
  • Es gibt detaillierte Anpassungsmöglichkeiten. So können auch Barzahlungen erfasst werden oder ein Umsatz kann auf mehrere Kategorien aufgeteilt werden. Die Anpassungen sind sinnvoll integriert, so dass die Oberfläche zunächst übersichtlich bleibt.
  • Automatische Budgetdefinition auf Basis der Umsätze der letzten drei Monate (wahlweise auch sechs Monate).
  • Die Erklärvideos bieten einen motivierenden Einstieg in die Nutzung der neuen Funktionen.

Das können andere Banken gern so nachmachen! Das Angebot dürfte auch nicht das letzte Wort der comdirekt in Sachen PFM bleiben. Denn Meniga kann mehr. Vermutlich will comdirekt die Nutzer zu Beginn nicht überfordern, sondern lieber öfter mal was Neues aus dem Hut zaubern. Da kann ich nur zustimmen. Es bleibt also spannend, was sich noch so tun wird…

Für einen detaillierten Erfahrungsbericht ist es zu früh. Im Moment stellen sich mir noch einige Fragen:

  • Wie schon in einem früheren Beitrag erwähnt, bin ich skeptisch bei zu detaillierten Kategorien. „Lebensmittel / Getränke“ leidet darunter, dass wir bei Bäcker, Metzger und Wochenmarkt heute gar nicht elektronisch zahlen können. Diese Einkäufe muss man also weiterhin von Hand einbuchen.
  • Budgetierung ist ein großes Thema von Meniga in Island. Allerdings wurde das Land auch von der Finanz- und Wirtschaftskrise schwer getroffen. Massive Währungsverluste führen dazu, dass die Isländer sparen müssen. Auch diejenigen, die eigentlich mit Geld umgehen können und damit gern gesehene Kunden sind. Ist das auf Deutschland übertragbar? Wir werden sehen.
  • Trotz Corporate Design der comdirekt ist das PFM deutlich als Meniga-PFM erkennbar. Wird das zum Problem für andere Banken, die auf Meniga setzen? Unterscheiden sie sich genug? Ich wage die Prognose, dass andere Anbieter das Frontend stärker umgestalten werden. Mehr Motivation durch mehr Interaktion und Feedback könnte ein Thema sein. Interaktive Grafiken würden eine weitergehende Auswertung erlauben, ohne wieder in Tabellenansichten a la Excel zu landen.

Potenzial gibt es immer. Wesentlich ist, dass comdirekt live gegangen ist mit echten Next Generation Online Banking Features. In einer stimmigen Ausbaustufe. Das wird die Konkurrenz nicht auf sich sitzen lassen können! Fairerweise muss man natürlich sagen, dass comdirekt zwar die erste Bank ist, die PFM ins Online Banking integriert, dass aber die Postbank vorher schon die separate PFM-iPad-App „Finanzassistent“ herausgebracht hat und dass es vorher schon Non-Bank-Angebote wie Finanzblick gab. Und laut Kommentar hier fehlt bisher auch bei comdirekt noch die Integration ins mobile Banking. Der Titel als „erste Bank, die PFM in ihr Omnichannel-Angebot integriert“, ist also noch zu haben … nur zu!

Vor einem halben Jahr habe ich einen Blogbeitrag mit dem Zitat „Paradigmenwechsel im Finanzdienstleistungsmarkt“ betitelt. Der Begriff Paradigmenwechsel ist vor einigen Jahren inflationär gebraucht worden und dadurch etwas abgenutzt. Deshalb war ich ganz froh, ihn als Zitat bringen zu können. Dann musste ich nicht selber ein „neues Paradigma“ ausrufen. Aber jetzt tue ich es doch: Wir haben es mit einem neuen Paradigma im digitalen Banking zu tun. Das Online Banking in Deutschland wandelt sich. PFM ist ein zentraler Teil davon. Schön für die comdirekt, dass sie hier den Markt vor sich hertreiben kann.

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank für den Beitrag und die freundliche Erwähnung. Klar sind wir froh und auch ein kleines bisschen stolz darüber, zum ersten integrierten PFM in Deutschland beizutragen.
    Nach allem was ich höre, sind die Kunden auch recht angetan von der Lösung die comdirect anbietet und das Thema mobil wird sicherlich noch ergänzt werden.
    Die Gefahr einer „Wiedererkennung“ sehe ich nicht ganz so. Zum einen sind Kunden i.d.R. keine „Insider“, die verschiedene PFM Anwendungen auf ihre Herkunft vergleichen, zum anderen gibt es noch zahlreiche Gestaltungsvarianten im Frontend, die es dann auch Experten schwer machen dürften, den White Label Zulieferer zu erkennen.
    Wir sind auch sehr gespannt über die weitere Entwicklung. Einiges ist im Busch, soviel weiß ich ganz sicher.

    Beste Grüße

    Hansjörg Leichsenring
    Meniga
    Repräsentant für Deutschland, Österreich und Schweiz

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