Bankingcheck Interview

Das andere Social Finance: Banken bewerten und vergleichen. Bankingcheck im Interview.

Wenn von Social Finance die Rede ist, denkt man zuerst an Twitterbanking und Facebook-Pages der Banken. Der wichtigere Aspekt von Social Finance ist aber derzeit der umgekehrte Weg: Kommentare über die Bank, die auf fremden Websites abgegeben werden. Vergleichs- und Bewertungs-Portale gewinnen immer mehr an Bedeutung. Eine Webtrekk-Studie hat 2012 als ersten Durchbruch für Vergleichsseiten identifiziert: Unter den Produktabschlüssen im Internet kamen erstmal mehr als 10% über Vergleichsseiten zustande, nach 1% bis 3% in den Jahren vorher.

Grund genug, Daniel Bödger nach seiner Einschätzung zu fragen. Er betreibt mit seiner Media Solutions GmbH die Webseite BankingCheck.de.

Herr Bödger, was bietet BankingCheck?

Im Gegensatz zu vielen anderen Finanzportalen liegt bei BankingCheck der Schwerpunkt auf Kundenmeinungen und Bewertungen. Einerseits können bei uns Kunden und Interessierte Bewertungen zu verschiedenen Finanzprodukten und auch zu den Banken und Anbietern selbst finden und lesen. Zusätzlich können Kunden natürlich auch die Konditionen der Produkte miteinander vergleichen. Ich denke das man sich nur so umfassend und frei über ein Produkt informieren kann.

Um ein Höchstmaß an Bewertungen zu generieren, bieten wir diesen sogenannten Bewertungsprozess auch Banken und Finanzdienstleistern für die Integration in ihre System an. So kann im Zweifel jeder echte Kunde (der auch ein Produkt erworben hat) zu eine Bewertungsabgabe animiert werden. Wichtig ist hierbei auch, dass man als Bank überhaupt auf das Feedback eingeht, auch um seine Prozesse und Produkte zu verbessern – und man sollte dies natürlich kontinuierlich machen, um aktuelle Meinungen darstellen zu können.

Welche Rolle spielen Vergleichsportale in der Finanzbranche heute?

Vergleichsportale haben natürlich ihre Berechtigung, um Kunden über die Vielzahl an Produkten zu informieren und um den Überblick zu behalten. Leider sind heutzutage viele Vergleicher reine Abverkaufsportale, die dem Kunden möglichst schnell und ohne großen Aufwand ein Produkt oder am besten gleich mehrere verkaufen wollen.

Wir selbst sehen uns nicht als klassisches Vergleichsportal sehen, sondern als Bewertungsportal – denn unser Fokus liegt im Prozess der Bewertungen. Es geht daher nicht nur um den Neukunden, sondern in erster Linie darum, einen einmal teuer eingekauften Bestandskunden zu pflegen und zu hegen und diesen möglichst nicht zu verlieren. Bewertungen und Kundenmeinungen zur Verbesserung des Supports, der Qualität und der Produkte sind da ein guter Anfang.

Wie unterscheiden sich Konditionsvergleiche und Produktbewertungen? Was gibt bei Kunden den Ausschlag?

Wie eben schon angedeutet, sind Konditionsvergleiche meist nicht sehr nachhaltig – da wird nur auf den schnellen Schuss abgezielt. Seiten wie Amazon oder Holidaycheck machen es uns ja vor – wenn man offen auch echtes Kundenfeedback in die Vergleiche integriert, verweilen die Nutzer viel länger auf den eigenen Seiten, lesen die Bewertungen und entscheiden sich dann meist direkt auch für ein Produkt. Man schafft damit ein deutlich nachhaltigeres Modell als den reinen Abverkauf.

Nach einer aktuellen Studie von big-social-media ziehen fast 70% der Konsumenten Verbraucherinformationen heran, bevor sie sich für ein Produkt entscheiden. Produkte mit positiven User-Ratings verkaufen sich demnach um bis zu 200% besser als Produkte ohne Bewertungen. Das sollte uns zu denken geben.

Was glauben Sie, wo die Reise hingeht? Wie werden sich Kunden zukünftig für Finanzprodukte entscheiden?

Die Kunden sind und werden immer aufgeklärter – so kann man mit guten Konditionen zwar Interesse wecken, am Ende nützt einem aber der kurzfristige Sonderzins (bspw. beim Tagesgeld) nichts, wenn der Kunden danach weiterzieht, weil vielleicht der Service nicht das Wahre ist. Ähnlich wie in der Reise, Hotel, Arzt oder E-Commerce Branche werden sich Kundenfeedbacksysteme durchsetzen und die klassischen Abverkäufe verdrängen. Wir haben dort schon sehr gute Erfahrungen machen können und geben diese gerne weiter.

Nutzen die prämierten Banken die Awards ihrer Meinung nach heute schon richtig?

Ja – einige nutzen den Award schon recht gut. Es handelt sich ja um eine jährlich für einen kurzen Zeitraum stattfindende Aktion. Viele Banken haben sich mittlerweile darauf eingestimmt. So nehmen in 2014 mehr als 40 Anbieter am Award teil. Einige davon nutzen die Bewertungsstrecken darüber hinaus auch das ganze Jahr über und können damit immer aktuelles und gutes Feedback vorweisen. Und man hat natürlich einen weiteren Vorteil – als Anbieter kann man beim Award ein festes und günstiges Testsiegel für seine Seiten nutzen. Verwendet man die Bewertungsstrecke, muss man theoretisch keine weiteren Siegel von anderen Testorganisationen (die meist einen eigenen Test  ohne echte Nutzer machen) nutzen, da man immer ein aktuelles Siegel sein eigen nennen darf.

Was raten Sie Banken, die bei den Awards 2014 gut abschneiden wollen?

Wir raten generell allen Banken, sich nicht nur mit Ihren Neukunden, sondern auch mit den Bestandskunden zu beschäftigen. Lassen Sie die Kunden teilhaben an Produktinnovationen und Serviceverbesserungen. Denn nur ein Kunde, der am Prozess des Anbieters teilhaben kann, ist auch ein zufriedener Kunden – und sei es, dass er einfach per Newsletter zu seiner Meinung gefragt wird – oft freuen sich Kunden einfach auf die Nachfrage und geben im Zweifel auch mal eine positive Bewertung ab.

Wir empfehlen Kunden per Newsletter oder direkt per Mail anzuschreiben, einige Wochen nachdem das entsprechende Produkt gekauft wurde. Sehr gerne genutzt werden aber auch Integrationen im Onlinebanking oder die Nutzer per Facebook oder anderer Social Media Kanäle. Im Zweifel kann eine Bewertung aber auch per Post abgegeben werden.

Herr Bödger, vielen Dank für dieses Gespräch!

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

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