Banking Innovation umsetzen

Die 3 Schlüsselfaktoren für die Umsetzung von Banking-Innovationen

McKinsey’s Annual Banking Report gibt den Banken noch ein Zeitfenster von maximal drei Jahren, in denen sie entweder den Wettbewerb um den digitalen Kundenzugang gewinnen oder sich auf die reine Abwicklung spezialisieren müssen. Am Wissen, was zu tun wäre, mangelt es sicher nicht. Eher an der Umsetzung. Aus meiner Erfahrung sehe ich drei Schlüsselfaktoren für die Umsetzung von größeren Innovation in Banken:

Alle 4P und das gesamte Canvas einsetzen

Ob Sie Ihren Business Case nun mit dem Business Modell Canvas beschreiben oder klassisch mit dem Marketing-Mix der „4P: Product, Price, Place, Promotion“: Wichtig ist, dass man offen dafür ist, die Elemente neu und anders zusammen zu setzen. Wie, man kann Kunden nicht für ihre Social Media Aktivitäten bezahlen? Doch, klar. Ihre Vertriebspartner bekommen ja auch eine Provision. Und wenn man Social Media nicht mehr als Kommunikation („Promotion“) einsetzt, sondern als Distributionsweg („Place“), über den Kunden neue Kunden gewinnen, dann kann sich logischerweise auch die Provision zu den Kunden verschieben.

Was solchen Geschäftsmodellen im Wege steht, ist in der Regel die etablierte Aufgabenteilung im Unternehmen. Kann das Produktmanagement die Social Media Reichweite der Bank überhaupt nutzen? Oder „gehört“ die dem Marketing, das sie dann aber doch wieder nur zur Kommunikation nutzt? Und kann Marketing im Online Banking individuelle Kundendialoge führen, oder „gehört“ das dem Multi Channel Management?

Geklärte Zuständigkeiten sind ja gut, aber lassen Sie sich dadurch nicht in ein Denkraster pressen. Die Zuständigkeiten folgen dem Geschäft, nicht umgekehrt.

Prüfen Sie das Produkt an Kunden. Von Anfang an.

Produktmanager sind keine Hellseher. Woher will man wissen, was wirklich funktioniert? Das Problem ist meist sogar, dass Kunden auch nicht wissen, was sie wollen, bevor sie es erlebt haben. Sicher, es gibt Marktforschung. Da sagen Kunden dann immer, dass ihnen Sicherheit wichtig ist. Und zahlen dann doch gerne mit Paypal, ohne TAN-Verfahren. Es hilft alles nichts: Sie müssen sehr schnell Minimum Viable Products erstellen, mit denen Kunden echte Erfahrungen machen. Nur so findet man heraus, ob ein Produkt funktioniert. Und ich spreche hier nicht nur von Usability Tests, sondern vor allem von der Frage, ob die Kunden das Produkt nutzen würden. Lösen wir ein echtes Kundenproblem? Oder muss man es in Wirklichkeit etwas anders angehen? Was ist ihnen wichtig? Der Preis? Verständlichkeit? Die Einfachheit der Nutzung? Die Zusatzfunktionen?

Startups entwickeln Produkte heute immer als eine Folge von Minimum Viable Products (MVP). Auch für etablierte Anbieter ist das der richtige Weg. Ihnen fällt es nur schwerer, das Innovationsteam machen zu lassen. Wenn jede Iteration von einem MVP zum nächsten mit allen betroffenen Abteilungen abgestimmt werden muss, dann dauert sie eben nicht mehr Wochen, sondern Monate. Und das ist viel zu langsam. Es geht darum, sehr schnell zu lernen, was wie funktioniert – und was nicht.

Innovationen entwickelt man selbst, aber nicht allein.

Steve Jobs war sicher ein einzigartiges Phänomen, aber auch er hat nicht den iPod erfunden. Die Idee kam nicht mal von Apple, sie wurde an Apple herangetragen. Und dann mit einer Reihe von Zulieferern zu einem Produkt entwickelt. Das vor den Augen von Steve Jobs bestehen musste, klar.

Es ist für Innovationen unheimlich wichtig, unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen zusammen zu bringen. Verschiedene Abteilungen, interne und externe Mitarbeiter, Berater und Dienstleister. Dadurch werden schneller die richtigen Fragen gestellt, und man kommt auch zu besseren Lösungen, wenn man die verschiedenen Blickwinkel kombiniert. Um Neues entstehen zu lassen, hilft es, auch mit neuen Partnern zusammen zu arbeiten.

Anderseits bin ich skeptisch, was den Start auf der grünen Wiese ganz außerhalb der bestehenden Struktur angeht. In FinTech-Startups zu investieren gehört ja inzwischen zum guten Ton in der Branche. Das hilft auch, um zu erleben, wie anders deren Kultur und Denkweise ist. Eine „Infusion“ der Denkweise in Bank wäre großartig. Aber Produkte entstehen immer in einem „Ökosystem“, in dem sie lebensfähig sind. Und die „grüne Wiese“ ist eben ein ganz anderer Lebensraum als die „Hochgebirgslandschaft“ etablierter Konzerne. Bei einer 1:1-Übernahme funktioniert das Produkt im Zweifelsfall nicht mehr.

Ich freue mich, wenn Sie aus Ihrer Sicht Empfehlungen in den Kommentaren ergänzen!

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

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