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Die 7 Erfolgsfaktoren für Online Personal Finance Management

Online Personal Finance Management ist für etablierte Banken eine großartige Gelegenheit, ihren Kunden mehr zu bieten und gleichzeitig von der größeren Nähe zum Kunden zu profitieren. Aus meiner Tätigkeit als Next Generation Finance Berater weiß ich, dass viele Banken sich noch fragen, wie sie diese Gelegenheit richtig nutzen. Also: Wie muss Online Personal Finance Management gestaltet sein, damit es für Kunden und Bank funktioniert? Beginnen wir mit den wichtigsten Erfolgsfaktoren für PFM.

1.      Ausgangspunkt des PFM-Konzeptes ist die Bankmarke

Solange nur eine Bank Personal Finance Management anbietet, ist das PFM an sich ein Alleinstellungsmerkmal. Sobald PFM sich verbreitet, stellt sich wieder die Frage nach Differenzierung und eigener Positionierung. Deshalb: Unbedingt von Anfang den eigenen Markencharakter als zentralen Ausgangspunkt des Konzeptes wählen. Gerade weil es um Kundennähe geht, muss der Antritt stimmig sein. Der persönliche Berater steht bei Ihnen immer im Mittelpunkt? Dann muss er auch mit dem Kunden zusammen die PFM-Analysen einsehen können. Sie setzen als reine Online Bank auf Einfachheit? Dann muss PFM auch entsprechend verdichtet werden.

2.      Wählen Sie eine ganzheitliche Darstellung

Ob PFM nun eine separate App ist oder in das Online-Portal integriert: Kunden müssen PFM stimmig und zusammenhängend erleben. Verbinden Sie Einzelelemente so, dass sie in ihrer Funktion und ihrem Nutzen aufeinander aufbauen. Nicht die Masse macht’s, sondern der sinnstiftende Zusammenhang.

3.      Gestalten Sie PFM emotional

Finanzprodukte sind rational und ihre Präsentation ist es auch. Personal Finance Management will aber doch motivieren, will begeistern! Also: Wenn das Sparbuch für die Ausbildung meiner Kinder ist, will ich es auch mit einem Foto meiner Kinder visualisieren. Bitte keine „Buchhaltungssoftware“ ins Netz stellen – haben Sie Mut zu Bildern mit emotionalen Botschaften!

4.      Bleiben Sie offen für Erweiterungen.

„Jetzt machen wir es richtig“, denkt man gern. Man neigt dazu, allein das Ergebnis des aktuellen Projektes zu fokussieren. Zumindest bis zum Ende des Projektes, danach stellt sich sofort die Frage nach Weiterentwicklung. Denn gerade bei Next Generation Themen ist der Wandel unser stetiger Begleiter. Wenn wir wissen, in welcher Form sich mobile Payment etabliert, dann können (und müssen!) wir auch Personal Finance Management daran anpassen. Aber erst dann! Deshalb brauchen wir einen offenen Ansatz, der von Anfang an für Veränderung und Weiterentwicklung konzipiert wird.

5.      Lieber wenige, automatisierbare Kategorien als Pseudo-Detaillierung

Die Kategorisierung von Buchungen ist ein Kernbestandteil aller Personal Finance Management Lösungen. Wer das gern von Hand macht, arbeitet vermutlich heute schon mit Quicken, MS Money oder Star Money. Alle anderen werden PFM nur akzeptieren, wenn die Zahlungen automatisch sinnvoll kategorisiert werden. Leider geistern immer noch Kategorien umher wie „Lebensmittel“ und „Fast Food“. Ich finde es ja auch schade, aber die Realität ist: Bei Bäcker, Metzger und Wochenmarkt werden wir noch auf Jahre hinaus bar zahlen müssen. Beim Döner um die Ecke ebenso. Diese Kategorien werden im Bargeldland Deutschland einfach nicht aussagekräftig sein. Ganz egal, wie gut die automatische Klassifikationsrate ist.
Sinnvolle Kriterien für die Kategorie-Definition sind etwa:

  1. Dominierender Anteil elektronischer Zahlungen
  2. Sinnvolle Ansatzpunkte für Cross Selling
  3. Optimal: Kategorisierungen, die Nutzer ohnehin machen

6.      Vorsicht beim Einsatz von Budgeting

Meniga war in Island sehr erfolgreich mit einem PFM, das stark auf Budgetkontrolle und Sparen setzte. Das muss man vor dem Hintergrund der spezifischen ökonomischen Situation sehen: Islands Währung hatte massiv abgewertet nach dem Lehmann-Crash. Und in einem Land, das außer Fisch und Ponys so gut wie alles importiert, müssen dann auch ganz normale Menschen den Gürtel enger schnallen. Obwohl sie eigentlich mit Geld umgehen können. Diese Menschen greifen in dieser Situation gern auf PFM-Budgetierung zurück. Das Erfolgsrezept mag heute auf Spanien oder Irland übertragbar sein, aber auf Deutschland? Wo sind denn hier die großen finanziellen Veränderungen, die zur Verhaltensänderung motivieren?
Budgeting ist ein relativer einfacher Teil von PFM, deshalb kann man das auch mit anbieten. Aber es sollte in Deutschland sehr vorsichtig eingesetzt werden. Ich will als Kunde schließlich begeistert und nicht gegängelt werden vom meinem Online Banking.

7.      Produkte folgen der Ausrichtung, nicht umgekehrt.

Wie bei allen IT-Projekten gilt: Generische Funktionen soll man durch Produkte abdecken. Alles andere muss man sowieso individuell machen, egal was die Anbieter versprechen. Weil die Bankmarke individuell ist und die Bank-IT-Architektur auch. Die automatische Kategorisierung ist so eine generische Funktion, die man sinnvoll durch ein entsprechendes PFM-Produkt abdecken kann. Darüber hinaus muss man die erste Erfolgsregel beachten: Ausgangspunkt ist immer die Bankmarke. Sie muss für den Kunden klar erkennbar sein. Das bedeutet: Benutzeroberflächen der PFM-Produkte nur so einsetzen, wie sie zum eigenen Konzept passen. Treiben Sie, lassen Sie sich nicht von den PFM-Produkten treiben. Für Responsive Design, attraktive GUI-Elemente und interaktive Charts gibt es auch genügend frei verfügbare Produkte, mit denen man Benutzeroberflächen effizient attraktiv gestalten kann. Die Kundenschnittstelle ist keine Frage der Technik, sonders des Konzepts.

Soweit meine aktuelle Liste der Erfolgsfaktoren. Online Personal Finance Management ist ein junges Thema- ich freue mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen teilen und Ihre Erfolgsfaktoren als Kommentare einbringen. (Sowohl aus Anbieter-, wie aus Nutzersicht.)

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

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