Finovate2015

Die paradoxe Botschaft der Finovate Europe Konferenz 2015

Soeben endet die Finovate Europe 2015 in London. Sie ist immer noch die wichtigste Konferenz für FinTech, sendet aber diesmal eine paradoxe Botschaft:

Einerseits boomt der FinTech-Markt. Allein in Großbritannien wurden 2014 über 340 Millionen Pfund in FinTech Firmen investiert. Der Markt für Finance Technologie insgesamt wird auf ein Volumen von 20 Milliarden geschätzt (Sunday Times von letztem Sonntag). Auch die Finovate selbst war so ausgebucht wie nie, und es waren auch wieder etliche Venture Capitalists vor Ort.

Anderseits stehen die Banken im Fokus. Die deutliche Mehrzahl der Präsentatoren zeigte Angebote für Banken, keine Revolutionen gegen den Bankensektor mehr. Selbst Bitcoin kam primär vor in Form von Portalen, die Banken eine einfache Integration ermöglichen. FinTechs sehen Banken heute als Kunden oder als Exit Strategie, nicht mehr als Gegner.

Was bedeutet das? Der Kampf um Kunden, um bessere Angebote und neue Dienste ist nicht vorbei. Er wird aber vor allem Bank gegen Bank stattfinden, weniger Bank gegen IT-Startups. (Wobei die Finovate natürlich den Blick insofern verzerrt, als die IT-Riesen wie Apple erst gar nicht vor Ort sind.)

Die Themen der Finovate: Neu war der stärkere Fokus auf Software für die Bankmitarbeiter und für Geschäftskunden. Ebenso Middleware-Software als Basis für Omnichannel und Integration neuer Protokolle wie Ripple. User Experience behielt seinen Stellenwert. Es waren vor allem die PFM-Produktanbieter, die neu User Interfaces präsentierten.

Sicherheit kam oft vor, entweder zur Absicherung von Mobile Banking oder in Form von Identity Management. Die Kunst liegt in der Verbindung von Sicherheit und Usability, oder, wie jemand sagte:

„You have to make it bulletproof AND foolproof.“

Auch Payment war ein wesentliches Thema, konkret auch Kreditkarten. Wie der Referent von fiserv sagte:

Bank have to remain on top of the wallet with their customers.“

fiserv zeigte denn auch eine Kundenbindungs-App mit Apple Pay als eines von mehreren Bezahlverfahren, die integriert werden können. Diesen Meta-Ansatz fand ich überzeugender als die diversen Mobile Payment Lösungen mit QR-Codes, BLE oder sogar nur mit Angabe der Telefonnummer und einer PIN. Letzteres war sozusagen eine „Smartphone not present mobile payment solution“.

Wie immer war war es interessant, mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch zu kommen. Die Präsentationen selbst waren durchaus anstrengend, weil meistens eben nicht ganz Neues gezeigt wurde, sondern eine Vertiefung des Bestehenden. Das ist dann nicht immer leicht verdaulich in 7 Minuten. Und manchmal auch altbekannt, leider. Trotzdem: Finovate ist definitiv eine Reise wert.

 

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

Kommentare (7) Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Herr Borgmeier

    Wieso paradox? Derzeit sind die Kunden zu 99% bei Banken, wenn es um Bankleistungen geht. FinTech Startups müssen erst noch beweisen, dass es ihnen gelingt, den Markt für sich einzunehmen.
    Insofern wird im Wettbewerb noch eine ganze Weile Bank vs. Bank gespielt werden.

    Beste Grüße

    Hansjörg Leichsenring
    http://www.der-bank-blog.de

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    • Im Endeffekt sind wir uns dann ja einig.
      Aus meiner Sicht wurden FinTechs lange als Bedrohung für die Banken gesehen, als Konkurrenz, die IT-seitig modischer und moderner unterwegs ist. Daher die Einschätzung als „paradox“: Die Fintechs werden stärker und sind gleichzeitig weniger Bedrohung als gedacht.
      Dass jetzt FinTechs primär als externe Zulieferer für Banken arbeiten, ist für mich persönlich auch völlig ok. Ich bin ja mit SYNGENIO selber IT-Dienstleister für Banken und mache seit Jahren genau das.

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  2. Ich glaube zunehmend, dass die einzigen, die FinTechs als wirkliche Bedrohung für Banken sehen, die FinTechs selbst sind und wir Blogger. Auch ja, und natürlich die VC, die in sie investiert haben…

    VG

    Hansjörg Leichsenring

    Antworten

  3. „Bedrohung“ klingt gleich so dramatisch. Ich glaube, dass FinTechs den Banken zu denken geben und zumindest einige sich nun mit dem Thema beschäftigen.
    Fakt ist, dass bei den meisten FinTechs die Einfachheit und Transparenz der Produkte für den Kunden im Vordergrund stehen und die Banken somit zum Umdenken bewegt. Andererseits besitzen die Banken den größeren Kundenstamm.

    Deshalb finde ich es mehr als naheliegend, dass FinTechs sich mehr und mehr als Zulieferer oder Partner für Banken etablieren. So ist der Kampf um den Kundenstamm gleich um ein vielfaches leichter.

    Der Kern der Frage ist vielmehr die Frage der Evolution gegenüber der Revolution.
    Den Trend den Herr Borgmeier anspricht halte ich für die Evolution, die wahrscheinlich die erfolgsversprechendere Businessidee ist. Auf bestehendem aufbauen, erweitern, verbessern und damit besser und einfacher zu sein als der Mitbewerber.

    Die Revolution – etwas neues aufzubauen – ist speziell für ein Startup mit vielen Risiken und einem hohen finanziellen Inzest verbunden.

    Ein spannendes Thema!
    Viele Grüße
    Karsten Treiber

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