Azimo

Drei Trends, die der Geldtransfermarkt verschlafen hat

Neulich habe ich Peter Demidov vom Azimo kennengelernt. Es lohnt sich, aus seinen persönlichen Erfahrungen im internationalen Payment zu lernen. Deshalb hier sein Bericht:

„Mit 2.000 Euro in der Tasche stehe ich in einer langen Schlange vor dem Schalter eines Anbieters von Geldtransfers. Das Geld sollte nach Russland zu meiner Oma. Allein die Tatsache, dass ich als Jugendlicher mit so viel Bargeld durch die Gegend lief, sorgte bei mir schon für Unbehagen. Die Atmosphäre vor Ort verstärkte dieses Gefühl nur noch.

Es war kalt, ungemütlich und alles andere als einladend. Die Fassade des Schalters war genauso veraltet wie die Umgebung, in der er sich befand. Als ich endlich an der Reihe war, musste ich meinen Pass abgeben – was genau damit gemacht wurde, das erklärte mir niemand.

Nachdem ich ein paar Formulare ausgefüllt hatte kam der Knackpunkt: die Kosten. Von meinen 2.000 Euro würden nur 1.750 Euro bei meiner Großmutter ankommen. Sollte ich die Geldsendung trotzdem durchführen? Ob ich es getan habe, verrate ich später.

Diese Geschichte ist nicht erfunden und doch ist sie ein Paradebeispiel dafür, welche drei Trends der traditionelle Geldtransfermarkt verschlafen hat:

1) Nutzerfreundlichkeit

Wer auf dem traditionellen Weg schon mal Geld verschickt hat, der weiß wie umständlich der Prozess ist. Vor 20 Jahren war es für die Menschen noch normal, zahlreiche Dokumente auszufüllen, um Geld zu verschicken. In Zeiten des Internets kann man das keinem mehr nachvollziehbar begründen – genausowenig wie Banken erklären können, warum digitales Geld mehrere Tage braucht, um auf dem Konto des Kunden zu erscheinen.

Das Internet hat die Nutzerfreundlichkeit zahlreicher Dienste verbessert. Wieso können wir ein ganzes Haus im Internet planen und zusammenstellen, aber nicht 1.000 Euro nach Venezuela schicken? Die einfache Handhabung, die wir von unserem Smartphone kennen, wollen wir auch für unsere Geldgeschäfte haben. Wir bei Azimo haben uns gefragt, warum man nicht einfach Geld genauso leicht verschicken kann wie eine SMS – und haben die Frage dann beantwortet.

2) Mobilität

Vor allem in den Schwellenländern wächst die Zahl der Menschen, die Smartphones besitzen rapide. Viele überspringen dabei auch den klassischen Schritt über den Desktop PC wie in den Industrieländern. Ein Fall machte mir das besonders klar: In Aserbaidschan sprach ich mit einem Schäfer über seine Erfahrungen mit dem Internet. Seine Antwort: „Internet? Kenn ich nicht, brauch nicht.“ Einige Sekunden später holte er sein Smartphone heraus und postete etwas auf Instagram.

Das klassische Internet wie wir es vom Desktop kennen, gibt es in Schwellenländern kaum. Dort steigen Nutzer sofort mit dem Smartphone ein und ihr „Zugang“ zum Internet ist nicht über den klassischen Browser, sondern über Apps. 2014 besaßen fast zwei Milliarden Menschen ein Smartphone – Tendenz steigend. In Ländern mit geringerem Einkommen haben mehr Menschen ein mobiles Endgerät als einen Stromanschluss.

Das Smartphone wird immer mehr zur Brieftasche (auch weil es sicherer ist als ein klassisches Portemonnaie) und hat in ärmeren Regionen das Bankkonto bereits teilweise abgelöst. Für uns war es deshalb naheliegend diesen Trend zu nutzen: Mit Azimo kann man Geld direkt auf ein Prepaid-Handy in über 100 Länder weltweit verschicken, wozu man nur die Handynummer des Empfängers braucht. Eine Funktion, die eigentlich naheliegend scheint, aber bisher von den etablierten Playern weitestgehend vernachlässigt wurde.

3) Kosteneffizienz

Mit der starken Vernetzung und Digitalisierung unserer Welt sind in zahlreichen Branchen die Preise gefallen. Umso mehr stößt es deshalb auf Unverständnis, dass man für eine Geldsendung nach Russland fast zehn Prozent an Gebühren bezahlen muss. Die traditionellen Geldversender arbeiten mit dem Agentensystem und haben deshalb zahlreiche Instanzen, durch die das Geld läuft – und jede Instanz bekommt ein Stück vom Kuchen ab. Das erklärt die hohen Kosten.

Dabei kann man dank moderner Technologie das Geld ohne die vielen Mittler direkt verschicken und damit den Preis gravierend senken. Zwar haben viele Geldversender ihre Preise schon gesenkt, doch das veraltete Agentenmodell gibt wenig Spielraum nach unten.

Zurück zu meinem Erlebnis:

Die Geschichte endete so, dass ich das Geld schließlich einem Dritten, der auf dem Weg nach Russland war, in die Hand drücken musste. Ohne Sicherheit, ohne Garantie. Andere überließen ihr Bargeld Busfahrern auf dem Weg ins Ausland – ohne jegliche Garantie, dass das Geld jemals auch die Familie oder Freunde erreicht.

Heute weiß ich, dass ich kein Einzelfall war: Bis zu 700 Millionen Menschen weltweit warten auf Geld aus dem Ausland von ihren Familienangehörigen oder Freunden. Bei vielen hängt die Existenz sogar davon ab, dass das geschickte Geld auch sicher ankommt.

Die traditionellen Geldversender haben sich auf ihren Erfolgen ausgeruht und wenig in die Weiterentwicklung ihres Geschäftsmodells investiert. Genau das ist unsere Chance – und auch die Chance von Millionen Migranten, die Milliarden Dollar durch geringere Kosten sparen können.“

Peter Demidov

Country Manager Deutschland, Azimo

Peter Demidov ist seit August 2015 bei Azimo für den Aufbau des deutschen Marktes zuständig. Er koordiniert hierzulande Strategie, Planung und sämtliche Marketingaktivitäten des Londonder Fintech-Startups.

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Kann die Erfahrung leider nicht teilen. Ich sende seit Jahren Geld ohne viel Papierkram bequem von Handy oder PC in alle Welt. Selbst am Schalter habe ich das Geld per Kreditkarte gezahlt und nicht in Bar übergeben. WordRemit und Western Union machen es möglich. Dort zahlt man auch nicht 250 Euro sondern 5-10 EUR. Der Transfer auf ein ausländisches Bankkonto ist sogar teilweise kostenlos. Aber ich gebe zu die Angegebenen 2,99 Euro in die Philippinen sind auf den ersten Blick wirklich günstig!

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