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econeers startet heute mit grünem Crowdinvesting

Heute startet mit econeers eine neue Plattform für Crowdinvesting. Auf Econeers kann man in erneuerbare Energien und Energieeffizienz investieren. Die Plattform ist ein Ableger von Seedmatch. Kunden von Seedmatch können auch direkt bei Econeers investieren, ohne sich neu registrieren zu müssen. Im Mittelpunkt steht aber nicht die Beteiligung an einem Startup, sondern die Finanzierung eines ökologisch ausgerichteten Projektvorhabens. Investoren profitieren in Form einer festen oder variablen Rendite anstelle der Wertsteigerung eines Startup-Investments.

Ich sehe darin einen spannenden Ausblick sowohl auf die Weiterentwicklung des Crowdinvesting, als auch des Marktes für alternative Investments.

Das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) garantiert feste Preise für „sauberen Strom“. Was den Stromkunden ärgert, freut alternative Energieerzeuger: Ihre Investitionen lassen sich im Voraus kalkulieren. So gut, dass ein erheblicher grauer Kapitalmarkt für Investitionen in erneuerbare Energien entstanden ist. Und wie immer bei geschlossenen Fonds verdienen viele mit, von den Anlagenbauern über die Projektentwickler bis zu den Vertriebsfirmen. Anleger können richtig gutes Geld verdienen oder reinfallen, je nach Seriosität der Anbieter und der Marktentwicklung. (Was nutzt ein Wartungsvertrag mit dem Anlagenbauer, wenn dieser während der Laufzeit insolvent wird?)

Eine funktionierende Webplattform für solche Investments ist aus meiner Sicht daher gleich doppelt interessant:

  • Der Einstieg pro Projekt ist ab 250€ möglich (während bisher oft unter 10.000€ gar nichts ging). Damit kann auch „Otto Normalanleger“ seine Gelder breiter streuen – und die Risiken ebenso.
  • Die automatisierte Abwicklung per Webplattform ist effizienter und damit potenziell günstiger als andere Vertriebswege – sofern die Anbieter nicht aus Rücksicht auf bestehende Vertriebspartner die Agios gleich halten. (Bzw. insofern der Effizienzvorteil nicht durch die kleinteiligere Stückelung wieder aufgehoben wird.)

Auch aus Sicht des Crowdinvestings als erfolgreichem Modell für Next Generation Finance ist Econeers spannend. Denn es treibt die Spezialisierung des Modells voran. Werden wir demnächst weitere spezialisierte Plattformen sehen? Für Mittelstandsanleihen, Musiker, Modelinien? Weg vom Kaufhaus, hin zur Boutique?

Zumindest für ein Thema sehe ich einen Markt: regionale Investments. Eine Plattform einer regionalen Bank, die Kontakte zu kleinen und mittleren Unternehmen hat. Die Bank vergibt selbst Kredite an die Unternehmen und zeigt damit, dass sie deren Geschäftsmodell für tragfähig hält. Sie begrenzt ihr Risiko, indem sie es dem Unternehmen ermöglicht, einen Teil des Kapitals in Form von Crowdinvesting aufzubringen.

Der Vorteil für den Anleger: Die Geschäftsmodelle sind oft einfacher und überschaubarer. Nähe erzeugt Vertrauen, oft wird er selbst als Kunde zum Gelingen seines Investments beitragen können. Letzteres ist wie immer beim Crowdinvesting attraktiv für die lokalen Unternehmen: Sie bekommen kostenlose Aufmerksamkeit und Kontaktmöglichkeit zu potenziellen Kunden.

Die Volksbank Bühl hat ja schon angefangen mit dem lokalen Crowdfunding (siehe hier). Wir werden sehen, was sich daraus entwickelt.

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

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