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Einfach Anlegen statt Minizinsen: Knackt Vaamo die Nuss?

vaamo, das ist das deutsche FinTech-StartUp mit dem süßen Eichhörnchen-Logo.  vaamo tritt an, um den Deutschen Depotsparen in neuem Gewand nahe zu bringen. Dabei verbindet es einen sachlich empfehlenswerten Ansatz zur Geldanlage mit einer sehr gelungen Aufbereitung. Der Kunde, seine Ziele und Erwartungen stehen im Mittelpunkt, die abwicklungstechnischen Aspekte bleiben weitestgehend unsichtbar. So kann Online-Brokerage für die aktienscheuen Deutschen aussehen!

vaamo zeigte ihre Lösung erstmals auf der Finovate und jetzt auch auf ihrer Website. Laut Aussage der Gründer stehen die Verhandlungen mit den Depotbanken vor dem Abschluss, so dass man bald auch wirklich Geld über vaamo anlegen kann.

vaamo Finovate 2014

vaamo trennt User Interface radikal vom zugrunde liegenden Anlagekonzept. Die Oberfläche fokussiert das Anlegen von Sparzielen. Einzahlen, Auszahlen, erreichten Stand ansehen, prognostizierter Verlauf. Mehr steckt eigentlich nicht drin im Thema „Anlegen“, und mit mehr muss ich mich auch nicht herumschlagen in der schönen Oberfläche von vaamo. Vermutlich gab es auf der Finovate auch deshalb keinen „Best of Show“ Award: vaamo ist so einfach gehalten, dass es nicht beeindruckend genug wirkte. Als Kunde will ich aber genau diese Einfachheit. Davon können die etablierten Banken alle lernen!

vaamo Zielsparen

Anlagen erfolgen dann immer in eines von drei Standardportfolien, mit geringem, mittlerem oder erhöhtem Risiko. Die Portfolien werden zusammen mit der Frankfurter Goethe-Universität definiert. Sie realisieren eine passive Investmentstrategie, die über entsprechende Produkte mit niedrigen Gebühren umgesetzt wird. Genauere Informationen zur Gebührenstruktur habe ich noch nicht. Sie dürfte mit entscheidend sein für den Erfolg. „Vermögensverwaltung light“ in Form von Standardportfolien gab es anderswo auch schon, in der Regel aber auf Basis teurer aktiv gemanagter Fonds, Dachfonds etc. Die Forschung gibt vaamo Recht, aktive Strategien sind teurer und zeigten in Studien keine dauerhaft bessere Performance als passive Strategien.

vaamo Portfolio

In der Finovate-Präsentation erschien mir der Umgang mit dem Risiko der Anlagen zu optimistisch. Als ein Portfolio mit höherem Risiko gewählt wurde, stiegen sichtbar die Chancen der Wertentwicklung – aber die entsprechende Risikoerhöhung war zumindest für mich nicht erkennbar. Das wird man sich noch genauer anschauen müssen.

Denn Risiken bleiben natürlich auch bei gut gestreuter Asset Allocation. Man hofft zwar immer, dass man irrationale Marktphasen aussitzen kann, aber wie John Maynard Keynes so schön sagte: „Markets may remain irrational for longer than you may remain solvent.

All die technischen Abwicklungsdetails werden von der Oberfläche verborgen. Ich muss mich nicht mit einzelnen Depotpositionen und ihren zig Kennzahlen befassen. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil. vaamo dürfte diejenigen ansprechen, die angesichts von Minizinsen nach Alternativen suchen, vor dem Management eines eigenen Portfolios aber zurückschrecken. Es ist gut und wichtig, Angebote für diese Zielgruppe zu entwickeln, die sonst nur hilflos zusehen würde, wie die Inflation ihr Geld entwertet.

Ganz abschaffen lässt sich die Bürokratie dann aber doch nicht – wer vaamo nutzen will, muss durch einen WpHG-konformen Depoteröffnungsantrag. Und genau das dürfte letztlich die entscheidende Nuss sein, die das Eichhörnchen im vaamo-Logo knacken muss: Die potentiellen Kunden dazu zu bewegen, diese relativ hohe Einstiegshürde zu überwinden.

vaamo ist slick, einfach, und das passende Angebot für die Niedrigzinswelt. Ich wünsche dem Unternehmen und den aktienscheuen Deutschen, dass dieses Konzept ein Erfolg wird!

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Ich bin auch sehr gespannt, wie sich die ganze Sache in der nächsten Zeit entwickeln wird. Werde das Thema jedenfalls auch weiterhin verfolgen.

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  2. Vaamo ist Nep. Hier will jemand mit wenig Aufwand schnell Geld verdienen. Aus Anlagersicht bedenklich, da sehr teuer, fragwürdige Empfehlung (ETF für unerfahrene Privatanleger), keinerlei Haftung (bloße Ausführung, keine MIFID-konforme Beratung und Dokumentation). Ich würde entweder gleich zum Discounter gehen (keine AA, keine Servicegebühren) oder zum Berater, der meist noch günstiger sein wird als Vaamo.

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