PFM Sparkasse Chemnitz

Elektronisches Haushaltsbuch bei der Sparkasse Chemnitz und in der Zeit

Bisher hatten die Sparkassen vor allem das gedruckte Papier-Haushaltsbuch im Angebot. Den traditionellen Zettel-Look hat die Sparkasse Chemnitz beibehalten. Aber sonst ist alles anders, denn sie bietet jetzt ein ausgewachsenes Online Personal Finance Management (PFM), das den Vergleich mit den Angeboten anderer deutschen First Mover nicht scheuen muss: Einnahmen und Ausgaben-Visualisierungen, Kategorien-Tortendiagramm und individuelle Budgets. Es fehlen eigentlich nur Sparziele.

Ob der niedliche Papier-Look wirklich praktisch ist, kann ich anhand der Screenshots nicht beurteilen. Die Post-Its sehen eigentlich zu klein aus, um darauf wirklich Listen von Einzelbuchungen anzuzeigen. Schön aufgeräumt wirkt das Ganze aber auf jeden Fall.

Leider gibt es die moderne Lösung nicht unbedingt schon bald bei jeder Sparkasse. Die Chemnitzer sind nämlich „Enfant terrible“ im Verband und setzen IT auch mit ihrer eigenen Tochter um. So auch hier. Sparkassen, die rein auf die vom DSGV vorangetriebenen Lösungen setzen, bleibt bis auf weiteres der Verweis auf das gedruckte Haushaltsbuch. Aber vielleicht gelingt die Provokation ja und der Verband startet eine Multichannel-Initiative, die neben Papier und Bleistift auch Maus und Touchscreen unterstützt?

Auch an anderer Stelle scheint noch nicht ganz angekommen zu sein, was heute bereits möglich ist. Die Printausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ räumt einem Selbstversuch eine halbe Seite ein: „Fünf Euro hier, fünf Euro da – wer Geld sparen will, sollte ein Haushaltsbuch führen. Wem das zu altmodisch ist, der kann seine Finanzen mit Apps kontrollieren“ (von Carola Sonnet in Nr. 23). Und was kommt dann? Ausschließlich Apps, die keine Verbindung zu Konto und Kreditkarte haben, sondern wirklich alle Einnahmen und Ausgaben händisch erfasst sehen wollen. Wiederkehrende Zahlungen als solche erfassen zu können, ist dann schon ein herausragendes Merkmal. Äh, elektronische Zahlungen liegen doch schon elektronisch vor, warum sollte ich die noch mal von Hand eingeben? Es kann doch nur um die Verbuchung von Barzahlungen gehen? Auf diese Schwäche aller getesteten Apps geht der Artikel nicht ein. In der Bewertung der Apps für typische Nutzer bietet er ohnehin nicht mehr als längst bekannte Vergleiche der Medien.

Trotzdem ist der Artikel spannend, weil es ja ein Selbstversuch ist, und zwar von einer Freiberuflerin. Die meisten PFM-Lösungen werden eher für Menschen mit regelmäßigen Einkommen konzipiert. Denen stellt sich die Frage, wieviel Geld diesen Monat noch verfügbar ist. Die Autorin interessiert sich eher dafür, wie lange ihr vorhandenes Geld noch reicht, wenn keine neuen Aufträge kommen. Die besonderen Szenarien der schwankenden Einnahmen stellen noch ein spannendes Aufgabenfeld für PFM-Weiterentwicklungen dar.  Ebenso die Erfassung von steuerrelevanten Ausgaben – da könnte man Freiberufler noch viel besser unterstützen. Bei Einnahmen schon mal die Mehrwertsteuer und Einkommensteuer planerisch abziehen, die man davon zukünftig wird zahlen müssen. Kosten den Aufträgen zuordnen. Markieren, was an Kunden verrechnet werden kann (etwa Reisekosten).

Fazit: Heute geht zwar schon mehr, als viele wahrnehmen, es gibt aber noch genug zu tun. Bleiben wir dran!

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

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