EuroCoin

EuroCoin- der bessere Bitcoin?

Am Donnerstag, 25. Sept. 2014 fand erneut die Bitkom Arbeitsgruppe SEPA + Kryptowährungen in Frankfurt/Main statt, diesmal in den Räumen von NTT Data.

Eines der zentralen Themen dieser AG sind Kryptowährungen.

So gibt es Überlegungen, echtes kryptografisches Zentralbankgeld, den EuroCoin, zu schaffen. Hier will sich die Bitkom als High-Tech-Verband maßgeblich engagieren.

Nachdem der ursprünglich geplante Redner aus persönlichen Gründen kurzfristig absagen musste, sprang spontan Meinhard Benn, Gründer von SatoshiPay, mit einem Vortrag ein.

Zunächst gab es eine hervorragende  Einführung und Erklärung zum Bitcoin. Diese gebe ich hier nicht wieder, da man diese an anderer Stelle, z.B. bei Wikipedia, bereits findet.

Es gibt aktuell einen „Goldrausch“ im Bitcoin. So werden regelrechte „Mining-Farmen“ betrieben um neue Bitcoins „zu graben“.

Diese Mining-Farmen sind große Hallen mit speziellen Rechnern, die gleichzeitig auch den Bitcoin-Zahlungsverkehr prozessen. Denn die Transaktionsgebühren im Bitcoin-Netzwerk stehen den Minern zu.

20 % der Mining Power ist allein in China beheimatet.

Generell ist der Bitcoin dabei, „erwachsen“ zu werden. So werden mehr und mehr improvisierte Lösungen von Profi-Lösungen abgelöst.

Zugriff auf meine eigenen Bitcoins erhalte ich durch einen privaten kryptografischen Schlüssel.
Wenn man den Schlüssel verliert, hat man keinen Zugriff mehr auf die eigenen Bitcoins, analog zu Bargeld.

Kritisch würde es, wenn mehr als 50 % der Mining Power in einer Hand wären. Dies unterbindet die Community aber durch Selbstregulation des betreffenden Mining-Pools oder als Ultima Ratio auch mit dem Sperren der betreffenden IP-Adresse.

Auch Gefahren eines plötzlichen Kurssturzes bestehen. So unterliegt der Preis eines  Bitcoins in EURO oder USD großen Schwankungen. In der langfristigen Betrachtung besteht aber bisher eine kontinuierliche Wertsteigerung.

Diskutiert haben wir auch das Thema Geldwäsche in Bezug auf Bitcoin. So ist eine Anonymität wie bei Bargeld möglich.

Die Bitcoin-Börsen unterliegen aber dem lokalen KYC-Reglement (Know Your Customer). Daher ist bei den deutschen Börsen bei Kontoeröffnung natürlich auch ein Post-Ident-Verfahren erforderlich. Aber genauso wie im klassischen Zahlungsverkehr gibt es je nach Land große Unterschiede bei den Compliance-Regeln und deren Überwachung oder Strafverfolgung. Dies ist aber kein technisches Problem, sondern ein politisches oder gesellschaftliches.

Der Bitcoin Algorithmus ist Open Source. Dadurch besteht eine hohe Transparenz. Eine Manipulation des Bitcoin-Netzwerkes durch Hacker ist aber wegen der Kryptografie nicht möglich.

Aktuell gibt es bereits 150.000 Online-Shops die Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren, sowie 4.400 POS-Akzeptanzstellen.

Was macht nun das im September 2014 gegründete StartUp SatoshiPay?
SatoshiPay ist ein Payment-Provider für Bitcoins. SatoshiPay kann sehr einfach als White Label Produkt in bestehende Online-Payment-Module integriert werden. Der Focus liegt in der Tat auf Online-Shops, aber auch eine Mobile-App auf QR-Code Basis für den Point-Of-Sale gehört zum Angebot.

Die POS Händler setzen sich allerdings einer Double-Spend-Gefahr aus. Das bedeutet: Theoretisch kann man in einen gewissen Zeitfenster mit demselben Bitcoin mehrfach bezahlen.
Denn bis zur endgültigen Bestätigung einer Transaktion durch das dezentrale Netzwerk vergehen bis zu 60 Minuten.

Dieses Problem reduziert SatoshiPay durch Risikomanagement eines Partnerunternehmens, welches ein Scoring des Zahlenden vornimmt.

Weiterhin bietet SatoshiPay den Umtausch von Bitcoins in EURO an. Aber der Händler kann natürlich auch Bitcoins ausgezahlt bekommen.

Für den Händler werden keine Gebühren anfallen. Die Preisgestaltung des jungen StartUps ist jedoch noch nicht abgeschlossen.

Ein wesentlicher Vorteil für den Händler ist, dass es keinerlei Chargebacks gibt.

Wenn man die echten Kosten von Online-Bezahlsystemen betrachtet (hierzu wurde kürzlich eine Studie von ibi-Research veröffentlicht), soll SatoshiPay aber deutlich günstiger als herkömmliche Anbieter sein.

Zudem besteht eine sehr hohe Sicherheit durch den Zero-Trust-Ansatz des Bitcoin, denn alles muss durch Kryptografie bewiesen werden.

Nach dem Vortrag regte Herr van den Berg,  van den Berg AG, die Diskussion an, ob eine Kryptowährung der Europäischen Zentralbank, ein sogenannter EuroCoin, für den Markt interessant sein könnte.

Meinhard Benn meinte hierzu, dass eine Kryptowährung der EZB einerseits ein „Ritterschlag“ wäre. Andererseits liegt der Vorteil des Bitcoin-Netzwerkes gerade in der dezentralen Struktur, was den Bitcoin sehr sicher macht, falls beispielsweise ein Player ausfällt. Herr van den Berg betonte aber, dass die Finanzkrise vor allem eine Bankenkrise war und keine Krise der Zentralbank. Jedoch hat der Bankenkunde keinen Zugriff auf Zentralbankgeld. Dies haben derzeit nur die Banken. Ein EuroCoin als Zentralbankgeld könnte hier eine echte Zukunftsvision darstellen.

Auf jeden Fall wird sich diese Bitkom Arbeitsgruppe mit dem EuroCoin in den nächsten Monaten intensiv beschäftigen.

Ob die EZB sich von der Idee überzeugen lässt, wird sich zeigen. Jedenfalls gibt es beispielsweise in Kanada ähnliche Bestrebungen.

Wir freuen uns auf intensive und spannende Diskussionen.

Martin van Lessen

Martin van Lessen ist seit mehr als 10 Jahren im Zahlungsverkehrsumfeld aktiv. Als gefragter Experte für Zahlungsverkehr, Karten-Zahlungen, Outsourcing und regulatorischen Anforderungen wie SEPA oder auch Basel III berät er unter dem Payment-Fokus Banken, Rechenzentralen und Karten-Dienstleister. Der zertifizierte Projektmanagement Fachmann (GPM-IPMA Level D) ist seit Anfang 2012 als Senior Business Consultant für die syngenio AG tätig.

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Das Risiko, dass mehr als 50% der Mining Power in eine Hand gelangen, ist keineswegs ein rein theoretisches. Vergangenen Sommer war es zum ersten Mal soweit. Es ist sehr fraglich, ob die Bitcoin-Community das wirksam unterbinden kann. Insofern braucht es dringend eine technische Lösung für dieses Problem.

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  2. Vielen Dank für Ihre Berechnung, hatte ich keine idear über die Kosten der Bitcoin und fand Ihren Artikel sehr interessant. Vor kurzem habe ich mein erstes Bitcoins auf ecoin.eu gekauft, und ich bin bereit, eine Menge von Artikeln wie diesem zu lernen.

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