Finovate 2013 tagcloud

Finovate Europe 2013 – Live Bericht

Mind the Gap“ warnt die Underground Bahn an jeder Station in die Londoner City, traditioneller Sitz der traditionellen Finanzbranche. Der für zwei Tage (12.-13-2.2013) auch Veranstaltungsort der Finovate Europe 2013 Konferenz ist, der wichtigsten europäischen Konferenz für Next Generation Finance. Mind the Gap.

Finovate besteht aus 7-Minuten-Live-Präsentationen neuer Finanzlösungen. Folien sind verboten. Und natürlich gibt es Gesprächszeit zwischendrin. Zweimal wurde ich heute angesprochen: „Oh, Sie sind aus Deutschland – was halten Sie von Fidor?“ Grüße nach München, ihr habt euch internationale Aufmerksamkeit erarbeitet! Ein US-Teilnehmer meinte sogar, die europäische Finanz-IT-Szene sei insgesamt spannender als die amerikanische. Einige deutsche Anbieter sind vertreten, BörseGo, sum up, Pockets United, figo,… Manche Lösungen zielen auf den Einsatz durch klassische Anbieter, andere positionieren sich aggressiv als Alternative dazu:

„Bye, bye Banks. You’ve had your fun.“ (Transferwise).

Na ja, wir werden es sehen. Konkurrenz belebt jedenfalls das Geschäft und das ist gut für die Kunden.

Der erste Tag

Der erste Tag brachte eine gute Mischung mit einem starken Fokus auf Payment (Mobile/Social). Die Frage nach der Verfügbarkeit von NFC-fähigen Smartphones, die Banken auch nutzen dürfen, wurde dabei eher nicht angesprochen. Aber einige Lösungen kamen auch tatsächlich ohne NFC aus, so die osteuropäische „Privatbank“ oder Trustly, das skandinavische Gegenstück zu Sofortüberweisung.de. „sum up“ zeigte eine komplette Kassenlösung, die Karten akzeptiert, aber auch reine mobile Payments.

Personal Finance Management integriert in bestehende Banklösungen wurde von verschiedenen Anbietern präsentiert: Comarch, eWise, Etronika. Separate mobile Lösungen zeigten figo und Pockets United sowie opentech. „Device Ident“ ist ein neues Fraudmanagement, dass Devices erkennt (Gerät/Browser/IP), über die Zahlungen laufen und diese in einen Fraud Score integriert. Ein überzeugender Ansatz, wie ich finde.

Highlights

Die beste Präsentation des ersten Tages kam von Credit Agricole, die ihren App Store für Banking Applikationen vorstellten. Hier wurden wirklich die APIs der Bank offen gelegt. Fremdanbieter können Apps entwickeln und der Bank zur Zertifizierung und Bereitstellung im Store anbieten. (Sie verdienen pro Transaktion.) In nur sechs Monaten sind so 19 Apps zusammen gekommen. Von Anpassungen für Farbenblinde und Sehschwache über Mashups mit Google Maps bis zur Integration von Gaming Achievements ins Online Banking. Die Bank selber ist beeindruckt von der Geschwindigkeit, mit der sie jetzt neue Funktionen anbieten kann.

Die beste Analyse kam mal wieder von Brett King von der Movenbank:

„Mobile Banking is not about shrinking the internet banking screen to an mobile phone. It’s not about wallets. It’s about creating a useful context for money.“ (Brett King)

Das Smartphone als neue Repräsentation des Kontos, so wie es vorher durch die EC-Karte repräsentiert wurde und noch früher durch den Kontoauszug. Es geht um die Frage, wie dieses abstrakte Ding namens „Konto“ erlebbar wird. Das muss mobile Banking leisten.

Der zweite Tag

Auch der zweite Tag bietet spannende Atmosphäre und ist vollgepackt mit neuesten Softwaredemos. „Finovate is the ADD of conferences“ sagte Gregg Palmer, der Moderator, in der Pause zu mir. Teilnehmer aus aller Welt (außer Südamerika), insgesamt 36 Länder, sind vertreten. Ein Teilnehmer von Forrester hebt hervor, wieviele Smartphones und Pads dieses Jahr zu sehen sind, das sei letztes Jahr noch anders gewesen.

Morgens gibt es erst einmal relativ viel internationalen Zahlungsverkehr und Devisen – eher ein britisches Thema, die Firmen sind auch teilweise von Einwanderern selbst gegründet. PFM (Personal Finance Management) war wieder top vertreten mit Holvi (budgetbasierte Konten mit selbstgestalteten Templates fürs Budgeting), IND („Story based interface“) und Meniga, der Klassiker.

Später überzeugte mich vor allem mBank, eine große polnische Bank, mit ihrem neuen Online-Banking. mBank hat die Commerzbank als Investor, vielleicht kommt über diesen Weg ja auch etwas davon nach Deutschland? So muss PFM aussehen – direkt integriert ins alltägliche Banking, dann benutzt man es auch.

Bei mBank und anderen wurde die Integration mit Loyalty Programmen und Angeboten von Händlern betont.

„Refunds: Double the value of the service for the customer at no extra cost for the bank.“ (mBank)

Auch andere Medien kamen zu Sprache: Spracherkennung als Identifikationsmedium (Voicetrust), natürlichsprachliche Eingabe von Kommandos (Financtics), Online Banking über Google TV (IT sector) mit Integration in die Fernsehwerbung, und interaktive Kontoauszüge von GMC.

Sicherheitsthemen gab es mehrfach, durch Stimme (Voicetrust) oder das Device (Acuity Systems, auch mit einem „Photauswahl-Login“ vertreten).

Plattformen spielten eine interessante Rolle. Das openBank Projekt stellte seine Plattform vor.  The currency cloud versteht sich als Plattform und integriert sich seinerseits in die Salesforce-Plattform. Holvi erlaubt es, eigene Templates für themenspezifische Konten anzulegen und diese auf einem Template-Market zur Verfügung zu stellen.

Was nicht zu sehen war

Intereressant ist auch, was wenig oder nicht zu sehen war. Privatkredite? Fehlanzeige. Immobilienfinanzierung? Ein einziger Vortrag (eyeopen, Online Assistant und Produktauswahl). Brokerage war am zweiten Tag wenig, aber stark vertreten mit ayondo (Social Trading, mit Trader Karrieremodell) und QuantConnect, einer Plattform für eigene Tradingalgorithmen. Trotzdem: Aktien liegen anscheinend gerade nicht im Fokus der Innovatoren.

Genauso gab es nichts zu Innovationen in der Bankfiliale, fast nichts für den Banker (nur TrueOffice: Geldwäsche-Training mit Gamification und zwei Vorträge zu Business Process Management von five degrees und additiv).

Facebook wurde zwar immer wieder mit angebunden, aber wirklich auf den Social Media Plattformen aufzusetzen, das traute sich keiner. BBVA zeigte mit ihrer Twitter-Analyse für Investoren die einzige rein Social Media basierte Lösung.

Websiten (CMS), Responsive Design, Online Marketing, virales Marketing? Wurde nicht gesichtet. Das wundert mich schon. Social Media zu managen ist nicht einfach für große Organisationen.

Best of Show Voting

Ergebnisse der Abstimmungen zu besten Präsentationen (alphabetisch):

  • Credit Agricole (Open App Plattform)
  • Etronika (PFM im Windows 8 Design)
  • mBank (Echtes Online Banking aus Polen – großartig!)
  • Meniga (App zur Entscheidungsfindung beim Shopping)
  • Movenbank (mobile payment und mobile banking)
  • Pockets United (Deutsches Startup mit Zahlungsaufteilung unter Freunden in tollen Design)
  • sum up (Zahlungsplattform für Karten und ohne Karten)
  • Virtual Piggy (Zahlungs- und Finanzplattform für Kinder)

Alles gute Lösungen, da kann ich mich anschließen. Etronika ist mir noch nicht ganz klar – sieht cool aus, aber führt es nicht zu mehr Klicks als nötig? Und Movenbank leidet unter dem üblichen NFC-Dilemma – man muss sein schönes iPhone mit einem NFC-Sticker „verzieren“, wenn es funktionieren soll. Gratulation an alle Gewinner!

(Bild der tagcloud mit freundlicher Genehmigung von „The Finovate Group“.)

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Finovate 2013. Der erste Nachbericht « Finance 2.0

  2. Super Zusammenfassung. Kann mich nur anschließen und überlege ob ich jetzt überhaupt selbst noch eine Zusammenfassung schreiben soll :-)

    Viele Grüße
    Franz Welter

    Antworten

  3. Pingback: Privatkundengeschäft: Klare Markenbildung entscheidet. | Next Generation Finance

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