IEX

Geschäftschance für Europa: Fair Trade. An der Börse.

Das Ab und Auf der letzten Börsentage ist ein guter Anlass, darauf hinzuweisen, dass Next Generation Finance auch Beiträge zur Stabilisierung des Handels leisten kann. Mit den gleichen Prinzipien wie immer: Durch Einfachheit und Transparent zum fairen Angebot für alle.

Vorbild ist die junge amerikanische Handelsplattform IEX. Über IEX werden bereits etwa 1,5% des US-Aktienhandels abgewickelt, gerade wird die Zulassung als offizielle Börse beantragt. IEX unterbindet Handelstricks durch einfache Maßnahmen, etwa:

  • Der Zugang für alle Händler wird absichtlich mit einer Latenz von 350 Microsekunden versehen. Damit kann sich niemand relevante Informationsvorsprünge durch schnellere Börsenanbindung verschaffen.
  • Die Börse erlaubt nur wenige, einfache Auftragsarten.
  • Der Börsenalgorithmus ist offen gelegt.

Die Entschleunigung des Handels ist geradezu banal umgesetzt: Das Bild oben zeigt zu Spulen gewickeltes Fiberglaskabel, durch das alle Anfragen geleitet werden. Diese zusätzlichen Netzwerk-Meilen im Zugangsweg reichen, um Hochgeschwindigkeitshandel auszubremsen.

Die Gründungsgeschichte von IEX liest sich hier wie ein Krimi (oder hier noch ausführlicher, in Englisch). Die Geschichte ist ein Auszug aus Michael Lewis Buch „Flash Boys„. Das Buch macht aus dem Thema Hochfrequenzhandel (HFT) einen Skandal, schießt leider in seiner reißerischen Art über das Ziel hinaus.

Wie steht es in Europa um den Hochfrequenzhandel (HFT)?

Die Deutsche Börse sieht bei HFT überwiegend Vorteile, da die Liquidität der Märkte steigt (Link). Die Börse verdient allerdings auch an den Co-Location Services für die fixen Händler. Öffentlich diskutiert wird wenig, hier können sie ein leidenschaftliches Plädoyer gegen HFT lesen.

Immerhin unterliegt HFT in Deutschland seit 2013 der Aufsicht, das nächste MifiD-Update wird den regulatorischen Ansatz auf Europa ausdehnen. Eine ESMA-Studie aus 2014 ordnet bereits etwa 2/3 aller XETRA-Orders und etwa 1/3 des Handelsvolumens dem HFT-Bereich zu. Kann die Aufsicht eine solche Ordermenge effektiv kontrollieren? Oder kann man letztlich nur warten, bis irgendwo ein Kind in einen Brunnen fällt, und dann diesen spezifischen Brunnen schließen?

Das schöne am Ansatz von IEX ist, dass er den Markt entscheiden lässt. HFT verdient sein Geld ja offensichtlich auf Kosten der anderen Börsenteilnehmer. Wenn das schlecht ist, können diese anderen Teilnehmer zu IEX wechseln. Wenn die Nachteile tatsächlich durch höhere Liquidität überkompensiert werden, können sie bei den bekannten Börsen bleiben. Noch besser: Marktteilnehmer können einen Teil ihrer Orders über IEX leiten, um zu messen, wie sich die Kurse dort von anderen Plattformen unterscheiden.

Mein Vertrauen in die Regulierung ist bei diesem Thema sehr begrenzt. Europäische Pendants zu IEX wären mir lieber. Hoffentlich wird dieses offene Marktsegment bald besetzt.

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Für alle, die sich für technische Hintergründe zu dem Thema interessieren, empfehle ich diese(n) Artikel(serie) – geschrieben von einem Physiker:

    „Barbarians at the Gateways“

    https://queue.acm.org/detail.cfm?id=2536492

    U.a. enthalten sind nette Hardware-Specs & Tech-Facts, wie bspw. dass deren Software-Systeme bis runter auf Switch-Ebene deployd werden (da original Firmware zu langsam) oder dass deren System ein komplett konsolidiertes Order-Buch aus mehreren Feeds in 25 Mikrosekunden erstellt (Mikro-Sekunden, *nicht* Mili-Sekunden) – parsen der Textdaten natürlich inklusive 😉

    Antworten

  2. Danke für den Link!
    Das ist schon eine enorme technische Aufrüstung. Wenn man Physiker braucht, einem das zu erklären, dann bezweifle ich einfach mal, dass die Investment Banker die Auswirkungen noch im Griff haben. (Und bezüglich der Aufsicht habe ich dieselben Zweifel.)
    Die Chaostheorie beschäftigt sich ja genau damit, was passiert, wenn man Operationen sehr oft wiederholt ausführt. Für HF-Trading müsste man genau solche chaostheoretischen Untersuchungen anstellen, um die Wirkungen auf die Märkte zu analysieren.

    Antworten

Schreib einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Top