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Google Glass Finanzanwendungen

Google Glass ist je nach persönlicher Einstellung das coolste Gadget seit dem iPad oder der nächste große Schritt in Richtung totaler Überwachung. In jedem Fall zeigt das Gerät, was in Sachen Miniaturisierung der IT heute möglich ist, indem es Daten direkt im Sichtfeld einer Brille anzeigt. Damit wird „Augmented Reality“, also die Überlagerung von Realität und zugehöriger Informationsebene, erstmals als Massenprodukt für normale Konsumenten angeboten werden.

Da Finanzen Teil der Informationsebene sind, ist es natürlich eine spannende Frage, wie sich Finanzen in die schöne neue Welt der Augmented Reality einfügen werden. Erste Showcases gibt es bereits.

Die ukrainische PrivatBank hat hier Konzepte vorgestellt, wie sich Google Glass für unterschiedliche Bezahlverfahren und Geldtransfers nutzen lässt. Im Video können Sie die Szenarien heute schon erleben:

Im Grunde hat die Bank hier ihre innovativen Smartphone-Apps für Google Glass umgesetzt. Das ist kein Hexenwerk, auch wenn die Handhabung in Wirklichkeit wohl nicht ganz so lässig sein wird wie im Video. Bildverarbeitung von Rechnungen und QR-Codes sowie Stimmerkennung als Identifikationsverfahren sind prinzipiell verfügbar und können auch Sicherheitsanforderungen vernünftig abdecken.

Das von Brett King getwitterte Titelbild des Beitrags zeigt ein weiter gehendes Szenario: Die App muss hier „location aware“ sein, um zu erkennen, dass sie sich in einem Autohaus befindet. Die Autos sind nicht einfach geparkt, sondern Produkte. Und neben Infos zum Produkt zeigt die App ein Finanzierungsangebot der Hausbank an. Hier wird die Realität um Internet-Werbung erweitert. Die Volkswagen Bank wird ein VW Autohaus als eigenes Territorium betrachten, auf dem ihre eigenen Angebote platziert werden. Aber über Google Glass kommt ein Konkurrenzangebot der Hausbank des Kunden ins Spiel. Ohne dass Volkswagen etwas dagegen tun kann.

Die Beispiele zeigen: Mit „Augmented Reality“ müssen sich die Angebote noch viel besser situativ an Kundenbedürfnisse anpassen. Vergessen wir die „Online-Filiale“ als Metapher für die Gestaltung digitaler Angebote. Der Kunde kommt nicht in die Online-Filiale der Bank, die Bank bietet Leistungen passgenau als persönlicher Assistent des Kunden. Agentensysteme hat man sowas früher in der IT genannt.

Google Glass wird viel kontroverser sein als iPad und Co. Es wird Fans und erbitterte Gegner geben. Die Fans werden Apps lieben, die ihnen Komfort und Nutzen bieten – und dazu gehören sicher auch Finanzapps. Die Rechnung beim Öffnen der Post sofort mit ein paar gesprochenen Anweisungen zu bezahlen – das ist schon sehr praktisch.

Glass wird als Nischenprodukt starten. Finanzapps werden zunächst ein toller Service für wenige Kunden sein – aber natürlich auch auf das Image der Bank insgesamt ausstrahlen. Wie die Nutzung konkret aussieht, das wird sich noch finden müssen. Der Platz auf der Brille ist begrenzt – was wollen die Nutzer dort wirklich sehen? Die richtigen Infos im richtigen Moment per Push zu bekommen ist genau der Kernvorteil von Glass – bei zu viele Infos wird Push aber auch schnell lästig.

In jedem Fall freue ich mich, dass die Finanzwelt technische Innovationen begleitet und sich mit Vorschlägen frühzeitig einbringt. Ich hätte jetzt endlich auch gern ein Exemplar von Google Glass. Bisher gab es das nur unter so strikten Auflagen, dass es sich nicht gelohnt hat. Sobald sich die Situation bessert, wird auch syngenio Showcases erstellen.

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

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