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JAX 2013 „Kinect und Touch bringen Sie den Wow-Faktor in die Filiale“

Von Manfred Bögelein und Sandro Sonntag / adorsys

Was bedeutet Next Generation Finance eigentlich für Bankfilialen und deren Kunden? Diese Frage war der Ausgangspunkt unserer Präsentation am JAX Finance Day 2013 mit dem Titel „Kinect und Touch bringen Sie den Wow-Faktor in die Filiale“.

Wir wissen zwar, dass zwei Drittel aller Kunden regelmäßig die Bankfiliale nutzen. Aber ein direkter Kontakt zum Angestellten findet dabei nur selten statt. Aus unserer Sicht müssen neue Konzepte und Technologien gedacht und umgesetzt werden, um Bankfilialen auf die Bedürfnisse einer neuen, zunehmend multimedialen Generation auszurichten.

Ein mögliches Konzept für das wir in diesem Bereich eintreten ist Digital Signage, das im Retail-Bereich bereits seine Anwendung findet und in Kombination mit innovativen Technologien, wie zum Beispiel Touchsystemen oder Kinect Gestensteuerung einen Wow Effekt in die Bankfiliale bringen kann.

Die Philosophie dahinter ist einfach: Bewegte Bilder schaffen eine höhere Aufmerksamkeit als konventionelle Plakate. Digital Signage bietet einen ganzheitlichen Lösungsansatz, der speziell auf die Bedürfnisse von Bankfilialen angepasst werden kann. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Bewerbung einzelner Bankprodukte, sondern der Kunde selbst und die Vielzahl seiner möglichen Lebenssituationen (Geburt eines Kindes, Gründung einer Familie und Bau eines Hauses). Er soll durch bewegte Bilder und visuelle Effekte selbst aktiv werden und bewusst eigenständig seinen Weg durch die Produktpalette bis in die Beratung bestimmen. Die Vorteile für die Bank dabei sind unter anderem:

  • Mehr Aufmerksamkeit
  • Höhere Frequenz in der Beratungszone
  • Informationen können auffälliger und umfassender, mit Hilfe interaktive Systeme sogar individueller als gedruckte Plakate oder Banner den Kunden präsentiert werden
  • Kopplung des Vertriebskanal Filiale mit weiteren Vertriebskanälen (Multikanalansatz)

Für den Erfolg von Digital Signage Konzepten sind neben dem Content und den nachgeschalteten Prozessen vor allem die eingesetzten Technologien entscheidend. Wir stellen euch deshalb zwei mögliche Anwendungsbeispiele näher vor:

iPad-Stele als Self Service System in der Filiale

ipad steleDie iPad-Stele ist ein multifunktionales Dialogsystem mit einer ganzen Bandbreite von Einsatzgebieten in der Filiale mit überschaubaren Aufwand. Durch die eingebaute Videotechnik kann die iPad-Stele in Verbindung mit der entsprechenden Software als digitaler Empfang genutzt werden. Im Empfangsbereich kann die iPad-Stele Besucher digital begrüßen und den Kontakt zu dem entsprechenden Ansprechpartner aufbauen.
Ein anderes Einsatzszenario ist im Self-Service-Bereich einer Filiale. Stellt ein Kunde z.B. während er seine Kontoauszüge drucken lässt fest, dass er in den Dispo-Bereich seines Kontokorrents gelaufen ist, kann er mit Hilfe der iPad-Stele sofort den Kontakt mit dem entsprechenden Berater aufnehmen, um z.B. eine deutliche günstigere Kreditfinanzierung zu besprechen um damit Kosten zu sparen.
ipadAber auch auf Messen oder Veranstaltungen bietet die iPad-Stele eine ganze Reihe von Vorteilen – Exponate können in allen möglichen Sprachen erläutert und Rückfragen durch direkten Kontakt zum zuständigen Ansprechpartner aufgenommen werden kann.

In jedem Fall können die Besucher getrackt werden – auch die die nicht interaktiv waren.Damit können Messeaussteller feststellen, wie stark bestimmte Stände und/oder Exponate frequentiert waren.

Kinect als berührungslose Eingabesteuerung für Digital Signage

Die Kinect ist als Teil der Microsoft Xbox bekannt und wurde bisher nur im Gaming-Bereich eingesetzt. Die Technologie ist jedoch so präzise und exakt, dass auch ein Einsatz im professionellen Business-Bereich möglich ist.  Die Technologie lässt sich also auch hervorragend in Digital Signage Konzepte integrieren. Besonders interessant ist dabei die berührungslose Steuerung. Dadurch sind Einsatzszenarien in Wartebereichen und Schaufenstern genauso vorstellbar, wie direkt in den Filialen.

So zeigen verschiedenste Praxisbeispiele was mit einem 3D Tiefensensor möglich ist:

Die T-COM nutzt Kinect Installationen um in der Fussgängerzone mehr Aufmerksamkeit mit einem Multiplayer Spiel zu schaffen. Das zieht Menschen an und bringt mehr Kunden in Filiale.

Digitales Schaufenster bei T-Com

Quelle: Shoperception

Shoperception entwickelt eine Software zur Optimierung des Productplacements in Einkaufszentren – Welche Produkte/Regale sind frequentiert? Welche nicht? Die Technologie ist interessant, um eine Analyse von Besucherströmen in der Filiale zu ermöglichen. Was kommt an, was nicht? Zu welchen Tages und Uhrzeiten bilden sich Warteschlangen? Wie lange  muss ein Kunde warten?
Hier überwacht die Kinect beispielsweise spezielle Bereiche der Filiale und eine Software generiert daraus eine Heat Map, die das Kaufverhalten in dem Bereich dokumentiert.

Während der Praxiseinsatz der Kinect in vielen Bereichen noch überschaubar ist, gehört die Kinect in der Wissenschaft derzeit zu einem beliebten Forschungsobjekt. So gibt es Projekte die im Medizinbereich berührungslose Kamerasteuerung bei Operationen erlauben, oder in der Fertigung, wo durch Objekterkennung auf dem Fließband Qualitätssicherung erfolgt und defekte Teile aussortiert werden. Andere Projekte vermögen die Präzision der Handerkennung soweit zu detaillieren, das sogar einzelne Gelenke erkannt werden können.

Die Technik

Die XBox Kinect Hardware – Quelle: channel9.msdn.com

Als Entwickler sind wir natürlich auch immer an der Technik interessiert. Hardwareseitig verbirgt sich in einem Kinect System eine ganze Fülle von Sensoren (Videosensor, Mikrofon, Neigungsmotor und natürlich ein IR-Emitter samt IR-Sensor). Besonders interessant ist dabei die Funktionsweise des Tiefensensors, der durch einen IR-Emitter strukturiertes Licht sendet um daraus die Tiefe eines Bildpunktes zu berechnen.

Sichtbar gemacht: das IR-Licht des Tiefensensors

Softwareseitig bietet Microsoft neben der günstigen Kinect Hardware auch ein SDK an, das in der Lage ist aus Videosignalen Personen, Bewegungen und Gesten zu erkennen. Entwickler die nicht mit .NET vertraut sind, können auf das alternative SDK, OpenNI, zurückgreifen. Dies erlaubt es mit C++ oder Java Kenntnissen auf die Sensorik der Kinect zuzugreifen. Aber OpenNI kann dank seiner Treiberarchitektur auch andere 3D Sensoren ansprechen. So gibt es von Primesense und ASUS vergleichbare Hardware, die sich im Wesentlichen durch die Mindestentfernung zum Sensor unterscheidet.

Webtechnologien und Kinect

Die Kinect kann aber noch mehr. Über das Browser-Plugin „zigfu“ können sogar Browserinhalte über die Kinect gesteuert werden. Die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben sind beeindruckend. So können Standard Technologien wie HTML5  und CSS3 3D Transformations genutzt werden, um ansprechende Produktpräsentationen zu entwickeln.

Als Demonstration und besonderes Schmankerl haben wir unsere, mit impress.js erstellte Präsentation, durch zwei einfache Bewegungen gesteuert. Die Geste „Wave“ ruft die nächste Slide auf und mit der Geste „Klick“ springt man wieder eine Slide zurück. Die Besucher unseres Vortrags waren begeistert.

Hier können Sie sich die Präsentation anschauen (Optimiert für Chrome und Safari).

Sandro Sonntag

Sandro Sonntag beschäftigt sich als Technical Lead bei der adorsys GmbH & Co. KG seit vielen Jahren mit leichtgewichtigen Architekturen auf Basis von Spring und Java EE. In den letzten Jahren lag dabei sein besonderes Interesse auf hochskalierbaren RESTful "Thin-Server"-Architekturen, NoSQL DBs sowie Webclients mit HTML5 und JavaScript.

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