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Mobile Payment: Löst sich der gordische Knoten jetzt?

Mobile Payment ist „Hot Stuff“! Nicht, dass das neu wäre. Mobile Payment wird seit mehr als zehn Jahren als „Next Big Thing“ gehandelt. Genau deshalb wollen alle Großen dabei sein, die Payment Provider, Banken, Telkos, zuletzt auch Google und der Handel. Ergebnis: Jeder blockiert die Anderen, es ging im Schneckentempo voran. Aber jetzt kommen wir in die heiße Phase, weil sich neue Verfahren ausbreiten, die sich nicht blockieren lassen. Wer jetzt nicht den Markt besetzt, verliert.

Ich sehe aktuell einen Wettstreit „Hardware gegen Software“. Traditionell zahlt man an der Kasse elektronisch mit einem passenden Stück Hardware: einer Karte mit Chip. Die Karten kann man in ein Lesegerät einstecken, das wird mit dem Handy schwierig. Aber derzeit steht ohnehin der Wechsel zu kontaktlosen Chips an, die man nur noch ans Bezahlterminal hält. (Siehe zum Beispiel girogo.) Dann kann man sich das Plastik auch sparen, den Chip ins Smartphone verlagern und schwupps, hat man Mobile Payment. Sogar mit dem Vorteil, dass der Handel nur ein einziges Bezahlterminal für Kartenzahlungen und mobile Zahlungen vorhalten muss. Auch das befindet sich in der Pilotierung, vor kurzem hat etwa die Dortmunder Volksbank ihren Piloten gestartet.

Damit das aber funktioniert, müssen viele Firmen und Branchen zusammenkommen: Hardwarehersteller, Telkos, Banken, Payment Provider. Und weil jeder profitieren will, geht es nur sehr zäh voran. Gerade in den USA blockieren die Telkos, indem sie die NFC-Chips in den Smartphones deaktivieren lassen. Auch Google hat sich mit seinem Wallet erstmal nur eine blutige Nase geholt – selbst Jahre nach der Ankündigung funktioniert es nur in sehr spezifischen Konstellationen.

Eher aus Nischen heraus hingegen wächst der software-basierte Ansatz. Schlicht gesagt: Jedes Smartphone hat Internetzugang – man muss nur bereit sein, eine Kassenzahlung als Internetzahlung abzuwickeln, dann braucht man für Mobile Payment nichts als die passende App. Das ganze braucht natürlich einen trendigen Namen: Cloud Payments. Kesh, Sumup, Paypal bieten entsprechende Zahlungsverfahren an. Stärker noch verbreitet sich diese Form des mobilen Bezahlens aber durch Integration ins Apps: ob iTunes oder myTaxi, bezahlt wird einfach mit den Kreditkartendaten, die beim Anbieter hinterlegt sind.

Knifflig bleibt die Integration der Cloud Payments mit den Kassensystemen. An denen läuft die Zahlung erst einmal vorbei. Das ist für den Taxifahrer kein Problem, für große Händler hingegen schon. Paypal nutzt daher QR-Codes, um die Zahlung direkt mit dem Kassensystem zu verbinden.

Durch die neuen Anbieter ist Bewegung im Markt. Es dürfte jedem klar sein: Wenn sich eine Lösung erst mal etabliert, wird es für Nachzügler schwierig. Reagieren die Großen? Kommt NFC-basiertes Bezahlen jetzt doch schneller? Wir werden sehen. Mit Visa und Samsung kooperieren wieder mal zwei mächtige Player. Auch Moven, die sich als „Bank ohne Filialen und ohne Plastik“ versteht, setzt auf NFC.

Warum ist Mobile Payment so wichtig? Macht es wirklich einen Unterschied, ob ich mein Smartphone an das Bezahlterminal halte oder meine EC-Karte? Der Unterschied liegt in den Zusatzdiensten, die mit dem Handy möglich sind. Zahlungsdaten sind dann gleich im Computer namens Smartphone erfasst. Der Kunde hat immer ein aktuelles Personal Finance Management im Phone. Kaufentscheidungen können von der ersten Suche bis zum tatsächlichen Kauf analysiert werden. Händler können ortsbasiert Coupons ausgeben. Gemeinsames Bezahlen mit Freunden und Aufteilen der Rechnung wird praktikabel. Kurz gesagt: Man kann die gesamte Big Data Maschinerie loslassen, inklusiver sozialer Vernetzung und ortsbasierten Diensten. Das wird noch sehr spannend, was da auf uns zukommt. Wenn es denn jetzt endlich mal kommt.

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

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