GeldmitSinn

Nachhaltige Geldanlagen: „Bald so selbstverständlich wie das Bio-Sortiment im Supermarkt“

Wir begrüßen heute Frau Birte Pampel, Mitgründerin der von der UNESCO ausgezeichneten Finanzinitiative „Geld mit Sinn“. [Link: http://www.geldmitsinn.de]

 

Frau Pampel, worum geht es Ihrer Initiative „Geld mit Sinn“?

 

Es geht darum, Dinge, die uns allen am Herzen liegen, durch eine bewusste Geldanlage zu fördern: z.B. ein starkes Bildungssystem, familienfreundliche Unternehmen, gesunde Lebensmittel oder junge Unternehmer mit pfiffigen Ideen. In unserem Netzwerk lernen Anleger und Anlegerinnen, wie sie ihr Geld dort investieren, wo es am meisten Sinn schafft.

 

Welche Bedeutung haben nachhaltige Geldanlagen heute und in Zukunft?

In Deutschland führt das Thema noch ein Nischendasein, aber es spricht vieles dafür, dass ethisch-ökologische Geldanlagen bald so weit verbreitet sein werden wie das Bio-Sortiment im Supermarkt. In manchen europäischen Ländern haben sie bereits einen Anteil von fast 40% des gesamten Anlagekapitals erreicht, besonders dort, wo wirtschaftlicher Erfolg nicht eindimensional, sondern an finanziellen, ökologischen und sozialen Kriterien gemessen wird.

 

„Vertrauen ist der Anfang von allem“, so lautete mal der Slogan der Deutschen Bank. Können nachhaltige Anlagen den etablierten Anbietern helfen, Vertrauen zurück zu gewinnen? Oder kaufen ihnen die Kunden das heute nicht mehr ab?

 

Wenn Sie mit „etablierten Anbietern“ die großen Mainstreambanken meinen: Wohl kaum. Das Vertrauen der Anleger ist ja nicht verloren gegangen, weil ihre Banken ihnen keine grünen Finanzprodukte verkauft haben, sondern weil sich unser Bankensystem auf vielen, großen wie kleinen Ebenen als unzuverlässig erwiesen hat. Es wäre klüger, wenn die Banken sich erst einmal damit befassen würden, was die Kernwerte unserer Gesellschaft – ihrer Kunden — sind und wie sie diese in ihren Unternehmensstrukturen, Geschäftsprozessen, im Umgang mit Mitarbeitern etc. glaubwürdig mit Leben füllen. Große Unternehmen wie Whole Foods haben gezeigt, dass ein solcher Kulturwandel nicht nur sinnvoll ist, sondern solche Unternehmen dauerhaft erfolgreicher macht.

 

Wie muss ein Anbieter agieren, um erfolgreich zu sein mit nachhaltigen „Anlageprodukten mit Sinn“?

 

Wenn eine konventionelle Bank heute anfängt, ethisch-ökologische Finanzprodukte zu verkaufen, dann muss sie sich selber erst einmal die „Sinnfragen“ stellten. Zum Beispiel indem sie überlegt, welche Art von Geschäften sie zukünftig tätigen will und was sie aus ethisch-ökologischen Gründen lieber ausschließen wird. Ohne eine gut durchdachte Nachhaltigkeitsstrategie bleibt der Verkauf ethisch-ökologischer Finanzprodukte eine reine Marketingmaßnahme – und das hat auch der Kunde schnell durchschaut.

 

Auch bei den Spezialanbietern nachhaltiger Produkte gab es spektakuläre Skandale, etwa bei Solar Millenium und Windreich. Hat das den Markt beschädigt? Was raten Sie Anlegern?

 

Ich würde sagen, dass diese Beispiele die Erwartungen an die nachhaltige Finanzbranche auf ein gesundes Realitätsmaß gebracht haben: Es ist ja nicht so, dass im grünen Finanzmarkt nur Gutmenschen unterwegs sind, die Anlegern zu einer ethisch einwandfreien Geldanlage verhelfen wollen. Momentan haben wir es auch hier mit einem Markt zu tun, auf dem Unternehmen zunächst einmal für ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen. Und wie überall im Finanzmarkt gilt auch hier: Anleger müssen ihre Sinne dafür schärfen, welche Anbieter oder Berater seriös und transparent arbeiten und wer weniger vertrauenswürdig ist.

 

 

Gibt es Bereiche, in denen Sie sich neue, sinnvolle Anlagen wünschen würden?

Ich fände es wünschenswert, wenn mehr Anlegergelder in unser Bildungssystem fließen würden – auch auf die Gefahr hin, dass der Staat sich dann noch mehr aus der Verantwortung zurückzieht. Außerdem fände ich es gut, wenn Privatanleger sich auch weiterhin an der Finanzierung der Energiewende beteiligen können, einem Anlagefeld, das von Kleinanlegern und Pionierunternehmen auf eigenes Risiko aufgebaut wurde. Es wäre schade, wenn die Bundesregierung dieses Feld nun den Großanlegern überlassen würde.

 

Was empfehlen Sie Lesern, die sich näher mit sinnvollen Geldanlagen beschäftigen wollen?

Wer einen schnellen Einstieg ins Thema sucht, findet auf unserem Online-Portal unter http://www.geldmitsinn.de/Wissen.html die wichtigsten Schritte erklärt. Außerdem bieten wir eine Vielzahl von Veranstaltungen, wo Anleger sich weiterbilden und den Spaß an einer  sinnvollen Geldanlage entdecken können.

 

Frau Pampel, wir danken für das Gespräch und wünschen Ihrer Initiative weiterhin viel Erfolg und große Resonanz!

Martin van Lessen

Martin van Lessen ist seit mehr als 10 Jahren im Zahlungsverkehrsumfeld aktiv. Als gefragter Experte für Zahlungsverkehr, Karten-Zahlungen, Outsourcing und regulatorischen Anforderungen wie SEPA oder auch Basel III berät er unter dem Payment-Fokus Banken, Rechenzentralen und Karten-Dienstleister. Der zertifizierte Projektmanagement Fachmann (GPM-IPMA Level D) ist seit Anfang 2012 als Senior Business Consultant für die syngenio AG tätig.

Schreib einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Top