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Nützliche Studie: Die Zukunft der Finanzbranche

Das Weltwirtschaftsforum hat eine Studie zur „Future of Financial Services“ veröffentlicht (Link). Der umfangreiche (178 Seiten) und gut lesbare Text bietet nichts revolutionär Neues, aber eine sehr brauchbare Klassifikation der absehbaren Disruptionen.

Untersucht werden 6 Geschäftsbereiche des Finanzsektors, in denen 11 „Innovation Cluster“ identifiziert wurden. Gerade in den Bereichen, die man selbst nicht gut kennt, lohnt es sich, die Detailanalysen anzuschauen. Die Analysen sind fundiert, übersichtlich dargestellt und verzichten auf große Marktschreierei.

Wenn Sie also prüfen wollen, ob Sie in Ihrem Innovationsprozess mit den richtigen Suchfeldern unterwegs sind, sind Sie mit der Studie gut bedient. Wenn in Ihrem Innovationsprozess noch gar keine Suchfelder sauber abgegrenzt sind, können Sie die Einteilung der Studie als Ausgangspunkt nehmen, und einfach Ihre Spezialthemen weiter verfeinern.

Weltbewegend neue Erkenntnisse wird man beim Lesen nicht gewinnen, wohl aber ein besseres Verständnis für Breite und Tiefe der Veränderung, in der wir uns befinden. Mir ist die neue Unübersichtlichkeit noch nie so bewusst geworden wie ausgerechnet beim Lesen dieser gut strukturierten Untersuchung.

Es wird zukünftig mehr Anbieter geben in der Finanzbranche, sie werden in vielen unterschiedlichen Konstellationen zusammenarbeiten und konkurrieren, alte Stärken werden sich abnutzen und neue entstehen.

So wird den Versicherungen prophezeit, dass Produkte standardisierter werden und die Kundenbindung an einzelne Anbieter abnimmt. Gleichzeitig werden Versicherungen mehr Daten über die versicherten Personen und Objekte sammeln, und durch diese zusätzlichen Informationen ihren Stellenwert in der Finanzbranche ausbauen können.

Auch insgesamt nimmt die Datenbasis zu, wird aber gleichzeitig auf mehr Anbieter verteilt, was die Unübersichtlichkeit erhöht. Wenn ich zukünftig Kunde bei 17 Finanzanbietern bin, wissen die womöglich jeder mehr über mich als mir lieb ist – und in manchen Dingen dann doch weniger als die gute alte Hausbank.

Proprietäre Lösungen werden durch Plattformen mit Standardangeboten abgelöst, worauf aber wiederum Software zur Individualisierung aufsetzt, die Angebote maßschneidert.

Sie blicken nicht mehr durch? Dann lesen Sie die Studie. Wie gesagt: Sie bietet eine gute Einordnung des Geschehens.

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

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