PFM Wandel

Personal Finance Management: Erfolg durch Wandel.

2013 hielt Personal Finance Management (PFM) Einzug in deutsche Online Bankings. Postbank, comdirect und Volksbanken mit Fiducia-Anbindung haben PFM gestartet, die Links verweisen auf die jeweiligen Reviews. Damit hat das Thema in kurzer Zeit eine Sichtbarkeit erreicht, die alle anderen Retail Banken zwingt, sich damit auseinander zu setzen. Soll man mitmachen? Wenn ja, wie?

Als Beitrag zur von Boris Janek initiierten Blogparade „Trends für das Jahr 2014“ wage ich hier eine Prognose, wie es mit PFM in Deutschland weitergehen wird und vor allem, wie sich unsere Sichtweise auf PFM verändern wird. Die nächsten faktischen Entwicklungen sind ja noch relativ klar:

  • Weitere PFM-Angebote, die heute bereits in Entwicklung oder Pilotierung sind, gehen live.
  • Weitere Banken drängen ihre IT oder IT-Dienstleister, PFM endlich auch umzusetzen.
  • Diejenigen Banken, die schon live sind, werden erst einmal auswerten und auf konkrete Kundenwünsche reagieren. Offen ist, ob diese Banken auch substanziell neue Funktionen bringen, um ihren Vorsprung zu halten.
  • Und diejenigen Banken, die sich in 2013 gegen PFM entschieden haben, werden diese Entscheidung beibehalten. Aber ich werde gleich erklären, warum sie trotzdem Personal Finance Management machen werden, wenn auch nicht so, wie es bisher bekannt und benannt ist.

Sind Sie bereit für das Tal der Tränen?

Neue Entwicklungen folgen dem bekannten Hype Cycle, das gilt auch für PFM. Mit den ersten Starts befinden wir uns in der Hype Phase. Danach kommt notwendig das Tal der Tränen – überzogene Erwartungen werden korrigiert, stattdessen setzt überzogene Kritik ein. Anzahl der Nutzer und Intensität der Nutzung werden sich zunächst nur langsam entwickeln. Nach dem ersten Wow-Effekt verpufft die Wirkung zunächst, nur ganz allmählich wird sich die Nutzung verstetigen. Dafür gibt es gute Gründe:

  • Deutschland ist nicht Island, wo die Meniga-Lösung ihre Erfolgsgeschichte begann. In Island brachen Währung und Wirtschaft mit der Finanzkrise ein. Leute wie Du und ich, die eigentlich mit Geld umgehen können, mussten sparen. Da kommt PFM wie gerufen. Eine solche „Finanzkrise bei finanzkompetenten Kunden“ haben wir in Deutschland nicht. Eben so wenig lässt sich das US-Vorbild Mint einfach übertragen. Die Amerikaner mussten den Umgang mit Kreditkarten erst wieder lernen, in Deutschland werden die Karten ohnehin fast ausschließlich rein zum Bezahlen genutzt, nicht als Kredit. Für einen plötzlichen Run auf PFM fehlt der Anlass. Realistisch ist eine langsame, stetige Entwicklung der Nutzung wie wir sie von EC-Karten, Geldautomaten und Online Banking kennen.
  • Die aktuellen PFM-Lösungen haben viel „unter der Motorhaube“ gearbeitet. Kategorisierung von Buchungen ist aufwändig, was der Kunde aber nicht direkt sieht. Zu sehen sind derzeit: Tortendiagramme der Ausgaben nach Kategorien und Balkendiagramme der Budgetnutzung. Das ist es auch schon. Böse gesagt: PFM in Deutschland, das sind zur Zeit vor allem die teuersten Torten- und Balkendiagramme der Welt. Auf dieser Basis kann man jetzt natürlich weitere spannende Funktionen realisieren, die sichtbarer sind und den Kundennutzen wesentlich erhöhen. Das muss aber erst noch passieren. Und bis dahin haben die Kritiker reichlich Gelegenheit zum Schlechtreden.

PFM geht durch das Tal der Tränen. Und es wird danach das „Plateau der Produktivität“ erreichen. Aber dazu wird es sich ändern müssen, und es wird sich auch ändern:

Personal Finance Management findet seine Bestimmung

Mir scheint immer wieder, dass heute hat noch kaum jemand verstanden hat, was PFM im Kern ist. Es geht nicht um ein paar Tortendiagramme oder Balkendiagramme, auch nicht um ein elektronisches Haushaltsbuch. Es geht um das Leben der Bankkunden in all seinen Facetten, das seinen Weg ins digitale Banking findet. Wohnen, Arbeiten, Gesundheit, Familie, Sicherheit und Zukunft – all das ist demnächst explizit präsent im Banking!

PFM wird genau dann ein Erfolg werden, wenn wir das verstanden haben und umsetzen. Und wir werden das umsetzen, alle, auch die Banken, die sich im Moment ausdrücklich gegen PFM entschieden haben. Sie werden dieselben Themen schlicht aus einer anderen Perspektive angehen. Nämlich aus dem Blickwinkel Omnichannel-Banking. Wer seinen Kunden über alle Kanäle und Devices hinweg ein konsistentes Markenerlebnis bieten will, der muss weitgehende Self Service Angebote in die digitalen Medien integrieren. Und weil im persönlichen Beratungsgespräch natürlich schon immer die konkrete Lebenswirklichkeit der Kunden wichtig war, wird Omnichannel diese konkrete Lebenswirklichkeit auch in die Self Service Angebote transferieren. Diese Entwicklung ist zwangsläufig, ob man sie nun „Personal Finance Management“ nennt oder „Omnichannel Banking“.

So gesehen werden wir ein PFM, das wirklich zu seiner ureigenen Bestimmung gefunden hat, womöglich gar nicht mehr als PFM wahrnehmen. Sondern einfach als wirklich guten Self Service, der auch die Brücke schlägt zwischen digitalen Medien und persönlicher Beratung.

Die aktuellen Lösungen, die ich mit syngenio entwickelt habe, sind bereits genauso gut ohne vorhandene Kategorisierung einsetzbar wie mit. Wichtig ist schlicht der Kundennutzen, die Lösungen aus Sicht des realen Lebens zu konzipieren, nicht aus Sicht der Finanzprodukte. Die Kategorisierung, die bisher einen Großteil der PFM-Investments verschlungen hat, ist da nur ein Baustein unter vielen.

Wie sehen Sie die Zukunft des Personal Finance Management in Deutschland? Über Feedback freue ich mich!

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr spannend. Das Tal der Tränen sehe ich nicht. Derzeit etabliert sich PFM gerade mal. Und das wird es, da bin ich zuversichtlich (nicht nur von Berufs wegen).
    Meniga ist ja nicht nur in Island aktiv sondern als führender europäischer Anbieter mittlerweile in acht Märkten mit über 10 Mio. Kunden live, von denen die wenigsten eine echte Krise durchlaufen haben.
    PFM ist eine sinnvolle Erweiterung des Online Bankings, über Kuchen und Balkendiagramme hinaus. Die Kunden nutzen es mit Begeisterung.
    Es wird sich weiterentwickeln, ohne Frage (wie alles sich weiterentwickeln muss), aber von Krise kann (so kurz nach der Geburt) keine Rede sein.
    Und „teuer“ ist relativ, muss man doch den Nutzen in die Berechnung einbeziehen. Ein ROI ist in jedem Fall positiv.

    Beste Grüße

    Hansjörg Leichsenring

    Meniga Deutschland

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  2. Hallo,

    ich sehe das ähnlich wie Herr Leichsenring. PFM ist gerade erst dabei sich zu etablieren.

    Ich denke aber auch PFM auf Balken- und Tortendiagramme zu reduzieren ist ein Fehler. Diese Tools können ein wunderbares Kundenbindungstool sein, die Bank kann damit sehr viel über ihre Kunden lernen. Den Filialkontakt ist sie ja gerade dabei zu verlieren, umso wichtiger sind dann solche Tools. Wenn der Kunde beispielsweise im PFM ein neues Sparziel „Haus“ definiert, so sollte das ein Trigger für den Bankberater sein. Integriert in die Banken-IT Landschaft kann es den Beratern wertvolle Infos geben.

    Was ich allerdings schade finde ist die Selbstbeschränkung der Banken auf ihre eigenen Daten. Warum bieten die Banken nicht Services an bei der die Kunden auch andere Konten einbinden können, beispielsweise die Kreditkarte, Paypal, das Tagesgeld bei der Bank XYZ. Das hätte einen Mehrwert für die Kunden und natürlich auch für die Banken.

    viele Grüße

    Andreas Ebner

    Antworten

  3. Ich kann Ihnen da durchaus folgen, besonders Herrn Ebner. Das sind sehr wertvolle Hinweise, die Sie da geben! Und solche Diskussionen führe ich mit meinen Kunden ja auch. Nur liefen diese Gespräche von einem Jahr unter der Überschrift „PFM“, heute laufen sie unter der Überschrift „Omnichannel Banking“. Durch eine andere Überschrift wird der Inhalt nicht besser oder schlechter, aber es belegt meines Erachtens, dass zumindest der Begriff „Personal Finance Management“ bankintern nicht mehr so hoch im Kurs steht wie vor einem Jahr. Die Funktionen an sich werden weiter ausgebaut werden, und sich gegenseitig stützen. Wie gesagt, Herr Ebner hat da ja schon sehr gute Vorschläge für die nächsten Schritte gemacht.

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