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Personal Finance Management jetzt online

Allein diese Woche ging Kiboo live mit Personal Finance Management für ihre jugendlichen Zielgruppe, und mein Lieblingsinstitut für Bankinformatik, das ibi research, startete seine Umfrage zu PFM (mitmachen!). Die Postbank bietet sogar schon seit einer Weile ihre Finanzassistenten-App an.

Man braucht keine hellseherischen Fähigkeiten um zu erkennen: das Thema ist reif, auch in Europa. Einerseits wird Personal Finance Management schon als Synonym für das Online Banking der Zukunft verwendet, anderseits kennt die deutsche Wikipedia PFM noch gar nicht, und der englische Artikel ist eher ein Sammelsurium. Also worum geht es und wie profitieren Kunden und Banken davon?

Nehmen wir mal das Beispiel Kiboo. Aus der Sicht eines klassischen Bankproduktmanagers ist das ein unspektakuläres Geschäftsmodell: Junge Menschen werden mit einer MasterCard-Prepaid-Karte ausgestattet. Das war es schon. Der Trick liegt darin, über zusätzliche Komfort-Funktionen den jungen Menschen gleichzeitig den Umgang mit eigenem Geld leichter zu machen (bzw. sogar erst mal beizubringen). Das geschieht über die PFM-Funktionen, zumindest wenn die Karte zum Bezahlen genutzt wird. Denn dann kennt die Kiboo-Website die Zahlung und kann sie passend verbuchen. Kunden werden somit zur intensiven Nutzung der Karte motiviert und generieren Provisionen bei Kiboo.

Ein klares Geschäftsmodell, mit Vorteilen für die Kunden und den Anbieter, vom Prinzip her gefällt mir das. Es zeigt aber auch, dass Kundenbegeisterung nur eine Motivation für Banken ist, PFM anzubieten. Ganz nebenbei eröffnet die Intensivierung der Kundenbeziehung nämlich weitreichende neue Geschäftsmodelle. Da diese Modelle oft wieder Netzeffekte nutzen, ist die spannende Frage, wer im deutschen Markt welche Marktanteile bei PFM erreicht. Früh dabei zu sein, ist sicher kein Nachteil.

Konkret fokussiert sich Kiboo auf Budgets, Ziele und Spenden. Die Postbank bietet eine grafische Umsatzanzeige, Kategorisierung und wiederum Budgets. Das sind noch sehr überschaubare Funktionsumfänge – bestenfalls die Spitze des Eisbergs dessen, was mit PFM möglich ist. Aber alles fängt klein an, auch die ersten Bankenwebsites waren damals nur einfache Info-Präsenzen. Wichtig ist eigentlich nur, dass durch die Initiative der Postbank das Rennen um die Marktanteile bei PFM in Deutschland eröffnet ist.

Personal Finance Management kann wesentlich mehr sein: Online Finanz-Cockpit, Ausgabenanalyse, Zielsetzung und Hinterlegen der Ziele mit Finanzprodukten, Planungstool für „Self First“ Kunden, hilfreiches Werkzeug für Steuererklärung und Rechnungserstellung.

Basis all dessen ist die Betrachtung der Finanzen in ihren Sachzusammenhängen. Alle Finanzprodukte und Umsätze haben für die Kunden eine qualitative Bedeutung: Der Sparplan ist für die Ausbildung der Kinder, die Abbuchung für eine Autoreparatur – das sind unterschiedliche Sachzusammenhänge, und die qualitative Bewertung jeder Zahlung erfolgt durch den Kunden immer innerhalb des jeweiligen Zusammenhangs. Deshalb ist eine entsprechende Kategorisierung der Umsätze und Finanzprodukte eine gute Ausgangsbasis für die sinnvolle Unterstützung der Kunden im Umgang mit ihren Finanzen.

Banken haben die Umsatzdaten und können für die meisten Sachzusammenhänge eine automatisierte Zuordnung aufbauen. PFM ist denn aktuell auch primär eine andere Formulierung für „Banken heben den Datenschatz und informieren ihre Kunden über die Sachzusammenhänge ihrer Finanzen“.

Ist das neu? Im Grunde Nein. Beispielsweise habe ich 2009 auf dem Adobe Finance Forum in Frankfurt eine Keynote gehalten, in der die Verbindung von User Experience mit der Aufbereitung von Kundendaten als zentrale Bausteine des Online Bankings der nächsten Generation identifiziert wurden. mint und Meniga sind auch nicht erst seit gestern aktiv.

Ist PFM der einzige seligmachende Weg zum Online Banking der nächsten Generation? Nicht zwingend, man kann Kunden auch anders begeistern. Um nur ein paar Stichworte zu nennen: Bessere Antragsformulare, Cashbacks, Modern Payment, Vernetzung, Online Beratung.

Ist PFM ein guter Weg zum Online Banking der nächsten Generation? Absolut! (Wenn man es richtig macht. Dazu im kommenden Artikel nächste Woche mehr.)

Wollen die Kunden das wirklich? In den USA sind die Nutzerzahlen schon nicht schlecht – und auch deutsche Kunden äußern Interesse, wie hier beim Hello Bank Workshop. Ich denke, es wird entscheidend darauf ankommen, PMF richtig anzubieten.

Warum ist PFM aktuell so präsent? Weil PFM als Bezeichnung dafür verwendet wird, ausgehend von den vorhandenen Daten Mehrwerte für die Kunden zu schaffen (und in der Folge für die Bank). Und natürlich tun Banken gut daran, beim Übergang zum Next Generation Banking auf ihre vorhandenen (Daten-)Stärken aufzusetzen. Kein Wunder, dass PFM quasi synomym zum Next Generation Online Banking geworden ist.

Wie gesagt: Das Thema ist reif. Wir werden weiter berichten. Lassen Sie sich überraschen.

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

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