Ripple Payments

Ripple schlägt Wellen: Fidor unterstützt Alternative zu Bitcoin

Ripple versucht sich an einem ganzheitlicheren Verfahren für internationale Echtzeit-Zahlungen als Bitcoin es bietet. Aufwind bekommt Ripple jetzt durch Fidor, die als erste Bank weltweit das Protokoll unterstützt. Vorgestellt hat Matthias Kröner die Initiative der Fidor letzte Woche auf der Konferenz „Zahlungsverkehr der Zukunft“, die ich als Teilnehmer und Referent für „Next Generation Finance“ besucht habe.

Wie unterscheidet sich Ripple von Bitcoin? Zwei Kernpunkte sehe ich:

  • Zum einen deckt Ripple auch die Schnittstellen zu realen Währungen ab. Gerade hier, bei den Börsen, ihrer Zuverlässigkeit und den Umrechnungskursen, war Bitcoin bisher schwach.
  • Zum anderen ist Ripple weniger auf Konfrontationskurs zu etablierten Finanzstrukturen ausgelegt. Im Gegenteil, es bietet von Anfang an die Möglichkeit, unterschiedlich stark regulierte Payment-Strukturen auf Basis seines Protokolls zu realisieren. Banken sind quasi natürliche Gateways in die Ripple-Welt.

Außerdem gibt es bei Ripple kein Geld-Mining und damit auch weniger spekulative Goldgräberstimmung. Aber schauen wir erst einmal, worum es überhaupt geht: Ripple hat eine bis 2004 zurück reichende Historie hinter sich, entstand in seiner jetzigen Form allerdings erst 2011. Von „Ripple Labs“ erfunden, ist das eigentliche Protokoll heute Open Source. Ripple umfasst ein Verfahren zur Durchführung von Zahlungen innerhalb weniger Sekunden, eine einheitliche Kontenverwaltung im Netzwerk, eine digitale Währung (XRP), Regelungen zu Umrechnungskursen zwischen Währungen und eben Gateways, also Verbindungen zu konventionellen Geldstrukturen.

Die digitale Währung XRP spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Anders als Bitcoins sind XRPs schon von Anfang an in maximaler Menge vorhanden (fast die Hälfte gehört Ripple Labs). Sie werden als Mindestgebühren für eine Transaktion und als Mindesteinlage in ein Konto verwendet. Die Gebühren sind extrem klein, sie sollen vor allem DoS-Attacken auf das System verhindern. Große Wertsteigerungen sind meines Erachtens bei dieser „Währung“ nicht zu erwarten, allenfalls für Ripple Labs selbst mag die Wertsteigerung ihres XRP-Bestandes eine Rolle spielen.

Kern von Ripple ist ein dezentral von allen Netzknoten gespeichertes Hauptbuch („Ledger“). Hier werden die Konten der Teilnehmer verwaltet und Buchungen ausgeführt. „Zahlungen“ sind also Umbuchungen, es wird nicht wirklich Geld bewegt. Das ist bei Bitcoin ähnlich, dort aber unspektakulär, weil eben nur die virtuelle Währung betrachtet wird. In der Bitcoin-Welt definiert genau die Abfolge der Zahlungen (die „Blockchain“), wer welches Geld besitzt. Ripple will aber mehr, nämlich Zahlungen in praktisch beliebigen Währungen ermöglichen, also auch Euro, Dollar und Co. Da nicht wirklich Euros versendet werden, stellt die Umbuchung eigentlich nur einen Zahlungsanspruch gegenüber der anderen Seite dar. Genau hier kommen Gateways wie Fidor ins Spiel: Sie agieren als vertrauenswürdige Agenten im System.

Das Verfahren ähnelt dem traditionellen orientalischen Hawale-System: Ich zahle 100 € auf mein Konto beim Gateway ein. Damit habe ich einen Zahlungsanspruch von 100€ gegenüber dem Gateway. Genau wie bei jeder Einzahlung auf ein Bankkonto. Jetzt kann ich dieses Geld über Ripple in Sekundenschnelle zu jemandem umbuchen lassen, der im hinterletzten Winkels unseres Planeten hockt. Bzw. eben zu seinem Gateway. Dieses zahlt dem Empfänger die 100€ aus, übrig bleibt der Anspruch des fremden Gateways gegenüber meinem Gateway. Zwischen diesen wiederum erfolgt nach meinem Verständnis ein separates Settlement, etwa über die digitale Währung XRP.

How Ripple Works – Gateways and Pathways from ripple video on Vimeo.

Ripple-Zahlungen enthalten zwangläufig ein „Counterparty-Risk“. Das ist in einem nicht-regulierten System nicht ohne. Deshalb kann jeder Teilnehmer definieren, welche anderen Knoten im Netz er als vertrauenswürdig betrachtet und bis zu welchem Betrag. Zahlungen im Netz werden dann nach Bedarf über mehrere Zwischenstationen so ausgeführt, dass immer nur Buchungen zwischen Knoten stattfinden, die sich vertrauen. Eine einzige Zahlung kann also zu einer Welle von Umbuchungen führen, daher der Name Ripple. Welchen Weg eine Zahlung im Netz nimmt, das handeln die Knoten untereinander aus, in einem sogenannten „Konsens-Verfahren“. Es beruht auf vorgeschlagenen Zahlungswegen und deren Bewertung. Schrittweise werden dabei Vorschläge mit zu geringer Zustimmung eliminiert, bis ein Vorschlag mit hoher Zustimmung übrig bleibt, der Konsens. Alle paar Sekunden soll ein Konsens zustande kommen und damit die Zahlungen ausgeführt werden. Über ähnliche Verfahren werden Umrechnungskurse zwischen Währungen wie Euro, Bitcoin, XRP oder Gold ermittelt. Im Endeffekt verspricht Ripple, Zahlungen zwischen beliebigen Orten und Währungen in Echtzeit auszuführen, mit kontrolliertem „Counterparty-Risk“.

Das mag alles seltsam kompliziert klingen, ist aber eigentlich nur die Essenz dessen, wie internationaler Zahlungsverkehr heute abläuft: Einige Player wie Deutsche Bank oder Citi haben ihre weltweiten Netzwerke vertrauenswürdiger Banken, über die sie internationale Zahlungen leiten. Andere wiederum geben ihre Zahlungen in diese Netze hinein. Im Kern dasselbe wie bei Ripple, nur viel langsamer, sehr teuer und ohne nachvollziehbaren Gesamtbuchungsbestand.

Internationale Zahlungen

Grafik von Coindesk: Internationale Zahlungen heute

Eigentlich müssten alle Banken, die kein eigenes internationales Zahlungsnetzwerk unterhalten, an einem Erfolg von Ripple interessiert sein. Sie sind für die Rolle als Gateway prädestiniert und finanzieren dann nicht mehr über Gebühren ihre Konkurrenz mit (wie sie es tun, wenn die Zahlungen über Großbanken-Netze laufen).

Riipple Zahlungen

Grafik von Coindesk: Zahlungen mit Ripple

Im Ripple-Netz muss nicht jeder jedem vertrauen. Es kann Subnetze geben, in denen Gateways nur anderen Gateways vertrauen, die bestimmte Anforderungen umsetzen. Zum Beispiel ihre Kunden identifizieren und Anti-Geldwäsche-Maßnahmen umsetzen. Damit entfallen viele Bedenken, die Banken den Einstieg in die Bitcoin-Welt schwer machen.

Ripple erscheint extrem flexibel. Von GWG-konformen Zahlungen in traditionellen Währungen zwischen traditionellen Banken als Gateways bis zu anonymen Peer-to-Peer-Zahlungen in virtuellen Währungen ist alles umsetzbar. Die Verfahren erinnern dabei eher an Giralgeldzahlungen, während Bitcoin vom Charakter und Selbstverständnis her stärker an Bargeld angelehnt ist.

Wie bei jedem Netzwerk gilt: Es lebt von seiner Verbreitung. Da steht Ripple noch ganz am Anfang. Ripple Labs hat prominente VCs hinter sich, Google Ventures und Adreessen Horowitz etwa. Mit Fidor hat Ripple jetzt das erste voll regulierte Gateway und damit einen Achtungserfolg in Sachen Seriösität erzielt. Trotzdem bleibt eine Prognose schwierig, wie es sich gegen Bitcoin schlagen wird. Denn in Sachen öffentlicher Aufmerksamkeit ist Bitcoin noch weit voraus. Und Aufmerksamkeit ist bekanntlich die wahre Währung des 21. Jahrhunderts.

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Ripple gehört sicher zu den vielversprechendsten Ansätzen im derzeitigen Online- Zahlungsverkehr. Fidor macht damit einen strategisch wichtigen und innovativen Schritt. Für einen guten Überblick welcher Payment Provider neben Fidor / welches Payment Gateway, welche Zahlungsarten (Kreditkarte, Rechnungskauf oder auch Bitcoin) anbietet, kann ja mal unter http://de.paymentor.org/ reinschauen. Neben den Transaktionsgebühren und Setup Fees werden auch Features (Fraud Tools etc.) verglichen.

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