BFM Business Finance Management

Sie suchen ein unbesetztes Marktsegment für Digital Banking? Hier ist es.

Unglaublich, aber wahr: Es gibt noch Marktsegmente, in denen die deutschen Banken praktisch keine Next Generation Finance Lösungen anbieten. Wenn Sie also keine Lust mehr haben, ihre Apps und ihr PFM ständig mit der Bank um die Ecke zu vergleichen, dann begeben Sie sich doch mal auf ein Terrain ohne Konkurrenz: Banking für Freiberufler und kleine Unternehmen.

Zumindest die IT-Anbieter haben die Marktlücke erkannt. Auf der Finovate in London gab es mehrere Präsentationen dazu. Bevor ich darauf eingehe, mal kurz zur Frage: Wie kommt es eigentlich, dass hier ein ganzes Kundensegment unbeackert geblieben ist?

Brett King hat darauf schon vor Jahren eine Antwort gegeben, die vermutlich immer noch gilt: Weil Banken einfach keinen Bezug zu den Bedürfnissen dieser Kundengruppe haben. Ernsthaft verdient wird an den großen Firmenkunden. Denen muss ich aber im digitalen Bereich nicht viel bieten, was eine Benutzeroberfläche hat – die nutzen EBICS und integrieren all ihre Bankverbindungen in ihr ERP-System.

Anders sieht es bei Freiberuflern und Kleinunternehmern aus. Die haben teilweise gar keine Buchhaltungssysteme, oder nur sehr schlichte. Außerdem sind die geschäftlichen Transaktionen überschaubar: Sie kaufen Materialien, laufen Zahlungseingängen ihrer Kunden hinterher und vielleicht zahlen sie sogar Gehälter. Viele Freiberufler wären schon dankbar, wenn sie bei der Abrechnung der Mehrwertsteuer unterstützt würden. Gleichzeitig sind sie flexibel und nehmen Hilfe gern an – siehe hier unsere Erfahrung mit dem Taxiunternehmer, der seine Firma aus dem Auto führt.

Es geht also nicht darum, SAP nachzubauen. Es geht um einfache Hilfsmittel. Machen, ausrollen und schauen, was die Kunden dazu sagen. Daraus lernen und weiterentwickeln. Keine Riesenbudgets, sondern validierte Lernschritte. Als Inspiration hier einige Ansätze, die von Softwareherstellern propagiert werden:

Business Finance Management (BFM) nennt Strands ihr Angebot für Firmenkunden. Tatsächlich ist es sowas wie umgedrehtes PFM: Aus dem PFM für Privatkunden werden Informationen über das Kundenverhalten gewonnen. Wie weit vom Wohnort entfernt kaufen die Kunden ein? Nutzen sie lokale Angebote, das Stadtzentrum oder Märkte auf der grünen Wiese? Diese Daten nutzt BFM, um Firmen Standortanalysen zu ermöglichen. Was für Aldi normal ist, kann dann auch „Angelo’s Pizza Ristorante“: Bereits vor der Eröffnung einer neuen Lokation wissen, wie viele Kunden kommen. Und der Bank hilft die dieselbe Analyse bei der Risikobewertung des Kredits für die Neueröffnung.

Firmenbewertungen sind auch für Kleinunternehmer spannend und können hilfreich bei Kreditentscheidungen sein. Biz Equity ist eine Plattform zu sehen, die aus Bankdaten und zusätzlichen Eingaben des Unternehmers eine Bewertung erstellt.

Schon seit einer Weile gibt es Software für eBay-Händler. Deren Geschäft ist komplett digital, ihr wichtigstes Kapital sind die Kundenbewertungen auf eBay. Sie benötigen oft Kredit, um Waren vorzufinanzieren. Da kann man per Software (fast) alle relevanten Werte ermitteln: Bewertungen, Umsatz, wie lange am Markt – und auch gleich automatisch die Risikobewertung durchführen und eine Kreditzusage erteilen.

Wie gesagt: Man muss nicht mit solchen Themen anfangen. Man kann auch die Basics umsetzen und daraus lernen. Rechnungseingang nachverfolgen. Mehrwertsteuer planen. Alles besser als das, was die Konkurrenz bietet: nämlich nichts.

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

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