Hertie Stiftung

Sind Banker gierig oder können sie nicht anders ?

Von: Joachim Evers, Senior Business Consultant, syngenio AG

Unter diesem Titel fand am 10. Juli 2014 ein Vortrag der gemeinnützigen Hertie-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bei der Frankfurt School of Finance and Management statt.

 

Über 300 Teilnehmer warteten gespannt auf den Vortrag des umstrittenen Hirnforschers  Professor Dr. Christian Egler, der „in der Höhle des Löwen“ eher gemäßigt wirkte. Da der größte Saal nicht ausreichte, wurde der Vortrag in die Nachbarräume gestreamt, wo weitere Zuschauer doch noch diesem Vortrag folgen konnten.

Die entscheidende These seines Vortrags, dass Geld eine direkte Auswirkung auf unser Belohnungssystem habe, konnte Professor Egler mit einer Reihe von Ergebnissen aus seinen Versuchen mit Menschen aus der Fußgängerzone untermauern.  Auf die Frage an Passanten, ob sie lieber sofort 50 € oder lieber in zwei Wochen 70 € haben möchten, nahm der Großteil der Befragten lieber den geringeren Betrag.  In weiteren Versuchen, wo Menschen unter gleichzeitiger Beobachtung  im Kernspintomographen Geld angeboten bekamen, war deutlich zu erkennen, wie bestimmte Hirnregionen aktiviert wurden. Eine Wirkung, die man sonst nur unter Zugabe von Dopamin oder Kokain als Botenstoff kennt.

 

Ähnlich funktionieren die Rabattsysteme auf unsere archaisch entwickelten Gehirne. Obwohl wir Dinge nicht brauchen, kaufen wir sie, weil sie uns preiswerter angeboten wurden. Auch hier hat Professor Egler bereits eine Reihe von Untersuchungen angestellt, die allerdings nicht empirisch anerkannt sind.

 

Laut seiner Aussage gilt das allerdings nicht für das Bezahlen mit der Kreditkarte. Hier ist das Geld so irreal, dass es keine direkte Auswirkung auf unser Belohnungssystem hat.

 

Der Vortrag von Professor Egler endete mit einigen Thesen, unter anderem

 

Gier ist archaisch gesehen sinnvoll

Motivation geht über das Belohnungssystem

Geld regiert uns

Geld hat Suchteigenschaften

 

In der folgenden Podiumsdiskussion mit

 

Professor Dr.  Dr. hc. Udo Steffens (Leiter der School of Finance)

Dr. Johannes Reich (persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Metzler)

Professor Egler

 

unter der Moderation von Christoph Mohr wurden die Thesen von Professor Egler insbesondere von Dr. Reich heftig kritisiert. Reizworte wie „Casino-Kapitalismus“ und „notleidende Banken“ machten die diversen Positionen immer wieder deutlich und führten zu einer respektvoll geführten verbalen Auseinandersetzung.

 

In den versöhnlichen Schlussworten aller Beteiligten wurde deutlich, dass es halt risikofreudige, aber auch konservative Banker gibt. Geld reduziert auch bei anderen Berufsgruppen die Ratio, nicht nur bei Bankern. Geld gibt einfach den Kick, den man braucht. Geld ist absolut suchtfähig.

 

Im Anschluss an die folgende Fragerunde lud dann die Stiftung zur „Schlacht am kalten Buffet“. Hier wurde „genetzwerkt“, was das Zeug hielt.

 

 

Dieser Vortrag war nur einer aus einer ganzen Veranstaltungsreihe der Hertie-Stiftung, die sich jedoch alle mit der Hirnforschung beschäftigen, in die bereits viele Milliarden Euro investiert wurde.  Die Relevanz dieser Ergebnisse mag jeder für sich beurteilen. Wer mehr über die Vorträge erfahren möchte, findet die Termine unter www.ghst.de .

 

 

 

 

 

Martin van Lessen

Martin van Lessen ist seit mehr als 10 Jahren im Zahlungsverkehrsumfeld aktiv. Als gefragter Experte für Zahlungsverkehr, Karten-Zahlungen, Outsourcing und regulatorischen Anforderungen wie SEPA oder auch Basel III berät er unter dem Payment-Fokus Banken, Rechenzentralen und Karten-Dienstleister. Der zertifizierte Projektmanagement Fachmann (GPM-IPMA Level D) ist seit Anfang 2012 als Senior Business Consultant für die syngenio AG tätig.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. „Heute, unter der Herrschaft der Monopole, widerstreitet die Betätigung des Eigennutzes oft genug dem gemeinen Wohl. Daher die gut gemeinten Ratschläge der Moralisten und Ethiker, den Eigennutz zu bekämpfen. Sie haben nicht begriffen, dass der Eigennutz an und für sich durchaus am Platze ist, und dass es nur einige rein technische Mängel unserer Wirtschaft sind, derentwegen der Eigennutz so häufig zu Ungerechtigkeiten führt. In einer monopolbefreiten Wirtschaft hingegen, in der es nur eine Art des Einkommens, den Lohn, geben wird, laufen Eigennutz und Gemeinnutz dauernd parallel. Je mehr die Einzelnen dann, ihrem Eigennutz gehorchend, arbeiten, umso besser werden sie den Interessen der Allgemeinheit dienen.
    Der heutige endlose Widerstreit zwischen Eigennutz und Gemeinnutzen ist eine ganz zwangsläufige Folge des herrschenden Geldstreik- und Bodenmonopols. Eine von diesen beiden Monopolen befreite Wirtschaft entzieht diesem Widerstreit für immer die Grundlage, weil in ihr der Mensch aus Eigennutz stets so handeln wird, wie es das Gemeininteresse erfordert. Die seit Jahrtausenden von Religionsgründern, Religionslehrern, Philosophen, Moralisten usw. aufrecht erhaltene Lehre von der Sündhaftigkeit der menschlichen Natur wegen ihrer Eigennützigkeit findet damit ein für allemal ihr Ende. Es ist keineswegs notwendig, dass wir, diesen Lehren folgend, uns durch Äonen hindurch abmühen, um uns selbst zu überwinden, um eines Tages vielleicht doch noch gemeinnützig zu werden – sondern wir können schon jetzt, heute, in dieser Stunde, die Verbrüderung der bisherigen Widersacher Eigennutz und Gemeinnutz vollziehen. Es ist dazu nicht erforderlich, dass wir den Menschen reformieren, es genügt vielmehr, wenn wir das fehlerhafte Menschenwerk, unser Geldwesen und Bodenrecht, ändern.“

    Otto Valentin (aus Die Lösung der Sozialen Frage, 1952)

    Ob es die Moralverkäufer nun wahrhaben wollen oder nicht – es soll auch schlaue Bücher geben, deren Inhalt hält, was der Titel verspricht. Wo die Menschheit heute wäre, hätte es die Volksverdummung durch die Moralverkaufs-Mafia der „heiligen katholischen Kirche“ nicht gegeben, sprengt jedes Vorstellungsvermögen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/11/macht-oder-konkurrenz.html

    Antworten

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