Main Incubator

SLAM, Main Incubator, Trumpf: Das Ende des Branchendenkens

Normalerweise geht’s hier ja um Wandel in der Bankbranche durch die digitale Transformation. Aktuell ist aber ein anderer Wandel mal wieder augenfällig: Die zunehmende Auflösung des Konzepts „Branche“, auch in Bezug auf die Bankbranche. Hier mal ein paar aktuelle Meldungen:

  • Die Commerzbank gründet „Main Incubator“ zur Förderung von Startups im FinTech-Bereich. Büroräume, Experten, Fördergelder, Kooperationen mit der Commerzbank werden angeboten. Damit verschafft sich eine Großbank Zugang zum Markt der „Angreifer“. (siehe auch den Bericht in der „Gründerszene“ ). Ich bin sehr gespannt, was Main Incubator zur deutschen FinTech Landschaft beitragen wird!
  • Der Maschinenbauer Trumpf gründet seine eigene Bank. Bereits seit 2001 verfügt Trumpf über eine eigene Leasinggesellschaft. Das gab es bei anderen Maschinenbauern auch. Jetzt hat das Unternehmen aber eine Vollbanklizenz bekommen – ein Novum in der Branche. Ziel ist die Finanzierung des eigenen Absatzes. Trumpf sieht sich gegenüber klassischen Banken dabei im Vorteil, weil sie das Geschäft und damit die Risiken ihrer Kunden besser verstehen.
  • SLAM („Schnellladenetz für Achsen und Metropolen“) ist ein Kooperationsprojekt zum Aufbau einer Ladesäuleninfrastruktur für Elektroautos.  Neben den üblichen Verdächtigen wie Automobilherstellern und Forschungsinstituten engagieren sich auch der Energieversorger EnBW und der DG Verlag. Genossenschaftliches Tanken, das ist doch mal was Neues! Zitat:

„Wir sehen hier Chancen für die genossenschaftliche Finanzgruppe, sich als Innovator für das Zukunftsthema Energiewende, hier speziell der Elektromobilität, zu positionieren. Durch unser Engagement im Projekt SLAM erhalten wir exklusiven Zugang zu neuen Entwicklungen im Bereich Elektromobilität, der unseren Beratungsleistungen für die Volksbanken Raiffeisenbanken zu Gute kommt“ (Peter Erlebach, Vorstandsvorsitzender des DG Verlags)

Genossenschaftliche Zentralinstitute werden elektromobil, Großbanken setzen auf Startups, die ihnen selbst Konkurrenz machen und Maschinenbauer halten sich für die bessere Bank. Jetzt geht es aber rund! Ein Hauch von Silicon Valley weht herüber, wo Unternehmen wie Google ja auch in alles Mögliche investieren, auch völlig außerhalb des Kerngeschäfts.

Zum Teil sind die Unternehmen natürlich Getriebene. Dirk Erlach zeigt in seinem Blogartikel sehr schön, wie sich Unternehmen von Banken zu emanzipieren versuchen, weil sie strengere Kreditvergaberegeln in Folge von Basel III fürchten. Wenn die Industrie sich gegenseitig Kredit gibt und Großunternehmen eigene Anleihen begeben, wird der Geschäftskundenmarkt für Banken enger. Wenn dann noch die FinTech-Startups das Retail Banking angreifen, müssen Banken sich etwas einfallen lassen. Auch außerhalb ihrer klassischen Geschäftsbereiche.

Wobei die Auflösung von Branchengrenzen natürlich kein spezifisches Phänomen der Finanzbranche ist, im Gegenteil. Auch die Telekom installiert heute Stromzähler, Smart baut Fahrräder und EnBW bietet „Smart Home“ Lösungen.

Dieses Denken außerhalb der eigenen Branchengrenzen ist ein Kulturwandel, der gerade den erfahrenen, langjährigen Brancheninsidern schwer fällt. Mindestens so schwer wie zu akzeptieren, dass die komischen Teckies mit ihren Smartphone-Apps womöglich den besseren Kundenzugang haben als ausgebildete Bankmitarbeiter.

Wie Banken sich gegen Finanzierungsangebote des Handels wehren können, indem sie selbst Near- und Non-Bank-Produkte anbieten, habe ich hier schon beschrieben. Den Multichannel-Managern bei meinen Kunden leuchtet das Konzept auch sofort ein, wenn ich es erkläre. Aber gestandene Bankvorstände zu überzeugen, das ist was anderes. Sowas ist doch kein Banking…

Natürlich gibt es keine Garantie, dass man außerhalb des Kerngeschäftes so erfolgreich ist wie gewohnt. Die Volksbanken haben sich im Telekom-Boom ja auch als Telefon- und Internet-Provider versucht, mit eher überschaubarem Erfolg.

Anderseits kann man durchaus einiges bewegen, auch wenn man nicht auf Liquiditätspolster a la Google oder Apple zurückgreifen kann. 2001 habe ich ja die syngenio AG mitgegründet. syngenio bietet Bank- und IT-Expertise für innovative Geschäftsmodelle. Inzwischen hat syngenio vier weitere Unternehmen mitgegründet und sich dadurch Zugriff auf wichtige Zukunftsthemen gesichert:

Es geht also. Und es hat sich gelohnt. Als Beispiel: Ohne die Kompetenz der Unterschied & Macher im Bereich Kreation und Konzeption würde sich syngenio heute sehr viel schwerer tun, Lösungen für Next Generation Finance zu entwickeln.

Also: Nur Mut, ihr Geschäft endet nicht an den Branchengrenzen!

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

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