Zinsfalle_als_Chance

So geht’s : Die Zinsfalle als Chance der Deutschen

Im Handelsblatt vom 03. Januar 2014 erschienen mehrere Artikel zu der Problematik, dass durch das inzwischen langjährige Zinstief das Geschäftsmodell der deutschen Regionalbanken, namentlich Volksbanken/Raiffeisenbanken und Sparkassen in den nächsten Jahren massiv in Bedrängnis geraten kann. Denn diese Häuser nehmen vor allem Spareinlagen entgegen und leihen dieses Geld in Form von Krediten wieder aus. Durch das Zinstief tappen nun diese Banken und Sparkassen in die Zinsfalle, denn die Marge zwischen Einlagenzinsen und Kreditzinsen schrumpft deutlich.

Als wichtigste Lösung wurde in den Artikeln eine Ankurbelung des Provisionsgeschäftes, insbesondere des Wertpapiergeschäftes genannt.

Und in dieser möglichweise bald anstehenden Wandlung des Geschäftsmodells sehe ich eine große Chance für die Sparer in Deutschland!


Warum schmerzt die Deutschen Sparer so besonders die Zinsfalle? Weil es beispielsweise im Gegensatz zum angelsächsischen Raum keine wirkliche Aktienkultur in Deutschland gibt. Nun könnten aber die wichtigsten Kreditinstitute Deutschlands mit je Verband etwa einem Drittel Marktanteil das Wertpapiergeschäft neu entdecken. So kann die Zinsfalle zur Chance einer echten Aktienkultur in Deutschland werden. Aktuell boomt der Dax, doch profitieren vor allem ausländische Anleger, da die Deutschen sich weitgehend von Aktien fern halten.
Dabei bieten Qualitätsaktien oder wirkliche Top-Investmentfonds mittel- bis langfristig eine weit bessere Rendite als Spareinlagen oder Kapitallebensversicherungen.

Wenn nun zwei Drittel der Bankkunden von ihren regionalen Instituten in groß angelegten Aufklärungs- und Finanzbildungskampagnen wirklich dieses lernen würden, wäre das eine große Chance für die Deutsche Volkswirtschaft und auch für die Deutsche Kreditwirtschaft.

Ganz wichtig ist dabei jedoch, dass die Beratungsqualität aber auch die Produktqualität stimmen muss. So war in einer Wirtschaftswoche im Jahre 2013 zu lesen, dass die Fondsgesellschaft der Sparkassen Deka nun endlich mit der Fondsqualität im Mittelfeld angekommen ist. Vorher waren viele Fonds der Deka noch schlechter! Einerseits ist sicher der Weg zu begrüßen, die Qualität der hauseigenen Produkte sukzessive zu steigern. Jedoch ein echter Mehrwert für die Kunden wäre die Aufnahme von Topfonds fremder oder unabhängiger Fondsgesellschaften ins Angebot. Dies ist beispielsweise in den USA vollkommen normal. Immerhin bekommt meist der Vermittler den größten Teil des Ausgabeaufschlages. Deshalb kann man auch mit hausfremden Produkten das Provisiongeschäft ankurbeln. Und für drei bis fünf Prozent Ausgabeaufschlag kann der Anleger auch wirklich ein gutes Produkt erwarten. Die Beratung muss zu einer echten Win-Win Situation führen. Nur so lässt sich verloren gegangenes Vertrauen der Kunden in die Bankberatung zurückgewinnen.

Ich meine, diese Bildung im Thema Aktien müsste bereits in allen Sekundarschulen auf den Lehrplan kommen. Warum bieten die Volksbanken und Sparkassen immer noch nur das angestaubte Schulsparen in den Schulen an? Zukunftsweisender wären Unterrichtstunden mit den Wertpapierexperten der Banken und Sparkassen. Die bisherigen Börsenspiele sind dabei zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber bei weitem nicht ausreichend.

So können Schüler den Unterschied zwischen Spekulieren/Zocken und Investieren lernen, oder wie man das Verlustrisiko mit verschiedenen Techniken (z.B. dynamisches Stop-Loss) begrenzen kann.
So kann man den Deutschen dann auch die Angst vorm nächsten Kursrutsch nehmen. Denn schwankende Kurse sind vollkommen normal, so lange die mittel- bis langfristige Qualität des Investments stimmt.

So kann aus der Zinsfalle eine große Chance für die Sparer und deren Altersversorgung erwachsen.

Das ist gut für Deutschland und macht den Weg frei in die Zukunft  😉

Martin van Lessen

Martin van Lessen ist seit mehr als 10 Jahren im Zahlungsverkehrsumfeld aktiv. Als gefragter Experte für Zahlungsverkehr, Karten-Zahlungen, Outsourcing und regulatorischen Anforderungen wie SEPA oder auch Basel III berät er unter dem Payment-Fokus Banken, Rechenzentralen und Karten-Dienstleister. Der zertifizierte Projektmanagement Fachmann (GPM-IPMA Level D) ist seit Anfang 2012 als Senior Business Consultant für die syngenio AG tätig.

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Das Problem der Sparkassen und Volksbanken ist doch, dass diese Banken, die jahrelang nur auf konservative Spareinlagen gesetzt haben, nun die straffen Vorschriften (dank mancher Zockerbanken) bei der Anlageberatung im Wertpapierbereich ausbaden müssen. Die Vorgaben zu den Beratungsprotokollen erschlagen sowohl die Mitarbeiter als auch die kleinen Sparer. Welche dann letztlich wieder zu Spareinlagen mit schlechten Zinsen tendieren.

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