Blockchain

Die Blockchain-Revolution findet nicht statt

Blockchain, das war die Technologie, die Banken wirklich tiefgehend disrupten sollte. Die dem etablierten Finanzsystem sein Monopol auf Zahlungsverkehr zu entreißen drohte. Ein offenes Zahlungssystem, im Prinzip ähnlich zu Bitcoin, aber ohne dessen Limitierungen und Kinderkrankheiten. Geld in freier Wildbahn, habe ich das mal genannt.

Der aktuelle Stand: It’s not happening. Die Revolution ist abgesagt.

Um das zu verstehen, schauen wir auf die Banken, die Angreifer, und dann auf die anderen Bereiche, in die sich die Revolution verschoben hat. Es reicht, Gruppen zu betrachten, denn Blockchain und Zahlungsverkehr leben vom großen Netzwerk. Alleingänge sind witzlos.

Die Banken sind vor allem im Konsortium von R3 aktiv. 45 Großbanken sind aktuell dabei, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank, die UBS, JP Morgan, Wells Fargo – alles, was Rang und Namen hat. 60% der systemrelevanten Banken seien an Bord.

R3 hat mit Ethereum experimentiert, später auch mit IBMs OpenLedger / Hyperledger – und schließlich Corda vorgestellt. Corda ist ein verteiltes Buchungssystem (Distributed Ledger), das an die Bedürfnisse der Banken angepasst ist. Es soll die automatisierte Abwicklung von Verträgen zwischen Banken ermöglichen, Clearingstellen überflüssig machen und Kosten des Settlements eliminieren. Sogar „Kontrollknoten“ für die Regulierer sind vorgesehen. Dabei kann Corda wesentlich effizienter sein als Bitcoin, weil Transaktionsdaten nur von den Beteiligten der jeweiligen Transaktion gemeinsam gespeichert werden, nicht von jedem Knoten im Netz. Auch der bei Bitcoin aberwitzig aufwändige „Proof of Work“ kann sehr schlicht geregelt werden.

Nur: Das funktioniert, weil Corda eben keine Blockchain mehr ist. Corda soll den Banken Kosten sparen, indem Jahrzehnte alte Verfahren internationaler Geschäftsabwicklung durch ein neues System ersetzt werden. Das neue System funktioniert aber nur zwischen Anbietern, die sich vertrauen. Sprich: Zwischen den regulierten Anbietern des heutigen Zahlungsverkehrssystems. Alle anderen bleiben schön außen vor.

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DisruptionProduktionsbank

Digitalisierung ist ein alter Hut. Banking in freier Wildbahn, das ist disruptiv.

Man könnte behaupten, die Digitalisierung ihres Produktes habe der Musikbranche das Genick gebrochen. Und niemand würde widersprechen. Genau besehen stimmt das aber nicht:

Die Digitalisierung der Musikbranche fand Anfang der 80er statt. Digitale Aufnahmetechnik im Studio und digitales Abspielen auf dem CD-Player etablierten sich. Das war kein Problem für die Musikindustrie, sondern ein Riesengeschäft. Weil sie alte Platten nochmal als CDs verkaufen konnte.

Kritisch wurde es erst, als die Konsumenten die digitale Musik selber erstellen (CD-Brenner) und verteilen (MP3, Web) konnten. Digitalisierung ist überhaupt kein Problem, solange sie unter Kontrolle der Anbieter steht. Das Problem entsteht durch die Öffnung, durch die Verlagerung des Geschäfts in öffentliche Netze, in Standardformate, durch den Machtzuwachs der Konsumenten, die zu Prosumenten werden (oder schlicht zu Raubkopierern).

Auch die Banken haben ihr Produkt „Geld“ längst digitalisiert. Giralgeld ist genau das: Digitales Geld. Die Virtualisierung von Geld ist sogar noch viel älter: Zu den ersten Leistungen von Banken gehörte das Ausstellen von Wechseln. Damit Händler vor Wegelagerern geschützt waren, führten sie statt Geld nur den Wechsel mit. Als virtuelles Geld. Banken haben auch ihr eigenes Netz geschaffen, in dem sie das digitale Geld bewegen können.

Nur: Das alles ist auf dem Stand, den die Musikindustrie Mitte der 80er erreicht hatte. Es ist eine rein brancheninterne Digitalisierung unter Kontrolle der Anbieter (und deren Aufsichtsbehörden). Was hindert denn eine Bank daran, zum Raubkopierer zu werden und ihr Giralgeld zu vermehren? Die Bilanz würde nicht mehr stimmen und die Aufsicht würde hoffentlich einschreiten. Also die systeminternen Kontrollen, mehr nicht.

Das digitale Geld der Banken wäre in der freien Wildbahn des Internet überhaupt nicht überlebensfähig. Wo systeminterne Kontrollen fehlen, wäre es beliebig kopierbar und würde seinen Geldcharakter sofort verlieren.

Auftritt Bitcoin: Ein digitales „Geld“, das für die offenen Netze gemacht ist. Das jeder selbst durchs Netz schicken kann, billiger und schneller, als die Banken es in ihrem internen Netz können. Klar, ich sehe die Schwächen von Bitcoin auch. Bisher bin ich immer noch der Ansicht, dass es eher das Napster der Kryptowährungen ist, noch nicht das iTunes. Aber der Zuspruch wächst, vielleicht bleiben wir wirklich beim Pionier des Internetgeldes hängen.

Es ist auch egal, ob nun Bitcoin oder ein besser eingebundener Nachfolger das Rennen macht. Entscheidend ist, dass die Banken verstehen: Sie sind noch gar nicht im Internet. Sie sind mit ihrer Digitalisierung noch voll in ihrem internen Netz gefangen. Bisher haben sie lediglich Brücken geschlagen ins Internet mit den Websites, mit Online- und Mobile-Banking. Aber ihre Produkte selbst haben den Sprung ins Netz nicht geschafft.

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EuroCoin

EuroCoin- der bessere Bitcoin?

Am Donnerstag, 25. Sept. 2014 fand erneut die Bitkom Arbeitsgruppe SEPA + Kryptowährungen in Frankfurt/Main statt, diesmal in den Räumen von NTT Data.

Eines der zentralen Themen dieser AG sind Kryptowährungen.

So gibt es Überlegungen, echtes kryptografisches Zentralbankgeld, den EuroCoin, zu schaffen. Hier will sich die Bitkom als High-Tech-Verband maßgeblich engagieren.

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Bitcoin-Ranking

Bitcoin Boom: Auf dem Weg zur echten Währung?

Wieder haben wir eine Gelegenheit verpasst, mühelos reich zu werden: Anfang 2011 notierte die virtuelle Währung Bitcoin erstmals über 1 Dollar. Noch im September 2013 konnte man sie für gut 100$ erwerben, doch aktuell kennen die Kurse kein Halten mehr: Schon wurden mehr als 700$ für einen bitcoin gezahlt. Wer also 2011 mal zehntausend Dollar investiert hat, kann sich heute über sieben Millionen freuen.

Die Titelgrafik zeigt, dass die Bitcoin-Geldmenge insgesamt damit Rang 88 in der Liste der größten Währungen der Welt erreicht hat. Etliche reale Volkswirtschaften kommen also mit weniger Geld aus.

Ausschlaggebend dürften Erwartungen sein, dass Bitcoin sich zumindest in den USA auf dem Weg zur regulären Währung befindet: Das New York State Department prüft die Ausgabe einer „BitLicence“, um den Handel mit bitcoins aus der Schattenwelt zu holen und in einen regulierten Kontext einzubinden. Auch der amerikanische Senat befasste sich aktuell mit Bitcoin. Timothy B. Lee bewertet das in seinem Bericht in der Washington Post so: „This Senate hearing is a Bitcoin lovefest“.

Welche Chancen und Risiken bietet die erste dezentrale Kryptowährung der Welt?

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