Blockchain

Zwei kritische Erfolgsfaktoren für Blockchain bei Banken

Die Experimentierfreude der Banken in Sachen Blockchain ist ungebrochen. Das ist auch gut so, schließlich haben die Verfahren für Transaktionen und Settlement in der Finanzbranche schon viel zu viele Jahre auf dem Buckel. Der Blockchain-Hype bietet die Chance, an der einen oder anderen Stelle radikal neue und effizientere Verfahren zu etablieren. Das ist die Stärke eines Hypes: Er bringt alle in Bewegung. Da geht was.

Die Schwäche ist: Es laufen keineswegs alle in dieselbe Richtung. Im Gegenteil, viele Banken experimentieren gleichzeitig in verschiedenen Konstellationen mit verschiedenen Einsatzfällen auf Basis verschiedener Technologien. Die Financial Times hat hier schon darauf hingewiesen, dass es langsam unübersichtlich wird mit den diversen Cryptowährungen der Banken.

Welche Blockchain wird sich durchsetzen? Worauf kommt es an? Zwar wird über alle möglichen Aspekte diskutiert: eher offene oder eher geschlossene Systeme, eher zentrale oder dezentrale, Alternativen zum Proof of Work, Geschwindigkeit der Finalisierung von Transaktionen, … Accenture hat sogar eine editierbare Blockchain vorgeschlagen. Das wäre so etwas wie ein nachträglich änderbarer Rechnungsabschluss – eine sehr schräge Idee.

Im Moment sehe ich zwei Faktoren, die darüber entscheiden dürften, welches Blockchain-Konzept breite Akzeptanz finden kann:

  1. Der Charakter der verwendeten Token („Währung“) in der Blockchain
  2. Hinreichende organisatorische Regeln zum Umgang Ausnahmen und technischem Versagen

Charakter der Token

Die deutsche Bank,  Santander, BNY Mellon und ICAP machen mit jetzt mit beim Blockchain-Projekt der UBS. Der verwendete USC („Utility Settlement Coin“) wird hier an die jeweilige Landeswährung gebunden, also zum Beispiel Euro oder Dollar.

Von Seiten des Konkurrenten Ripple kam schnell die Kritik, dass diese Kopplung den Charakter der internen Währung fundamental ändert: Aus einem Asset wird eine Verbindlichkeit. Originellerweise wird Ripple selbst wiederum von den BitCoin-Anhängern dafür kritisiert, dass es in seinen Gateways mit Verbindlichkeiten („IOUs“) arbeite statt mit tatsächlichen Assets wie BitCoins.

Warum ist die Diskussion wichtig? Weil es um die Frage geht, wer aus dem Nichts neue Werte schaffen kann – und wem diese Werte dann gehören. Natürlich will jeder seine eigene Währung schaffen und besitzen. Das ermuntert andere aber nicht unbedingt zum Mitmachen. Warum sollte ich durch meine Mitwirkung eine Währung aufwerten, die überwiegend jemand anderem gehört?

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Blockchain

Die Blockchain-Revolution findet nicht statt

Blockchain, das war die Technologie, die Banken wirklich tiefgehend disrupten sollte. Die dem etablierten Finanzsystem sein Monopol auf Zahlungsverkehr zu entreißen drohte. Ein offenes Zahlungssystem, im Prinzip ähnlich zu Bitcoin, aber ohne dessen Limitierungen und Kinderkrankheiten. Geld in freier Wildbahn, habe ich das mal genannt.

Der aktuelle Stand: It’s not happening. Die Revolution ist abgesagt.

Um das zu verstehen, schauen wir auf die Banken, die Angreifer, und dann auf die anderen Bereiche, in die sich die Revolution verschoben hat. Es reicht, Gruppen zu betrachten, denn Blockchain und Zahlungsverkehr leben vom großen Netzwerk. Alleingänge sind witzlos.

Die Banken sind vor allem im Konsortium von R3 aktiv. 45 Großbanken sind aktuell dabei, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank, die UBS, JP Morgan, Wells Fargo – alles, was Rang und Namen hat. 60% der systemrelevanten Banken seien an Bord.

R3 hat mit Ethereum experimentiert, später auch mit IBMs OpenLedger / Hyperledger – und schließlich Corda vorgestellt. Corda ist ein verteiltes Buchungssystem (Distributed Ledger), das an die Bedürfnisse der Banken angepasst ist. Es soll die automatisierte Abwicklung von Verträgen zwischen Banken ermöglichen, Clearingstellen überflüssig machen und Kosten des Settlements eliminieren. Sogar „Kontrollknoten“ für die Regulierer sind vorgesehen. Dabei kann Corda wesentlich effizienter sein als Bitcoin, weil Transaktionsdaten nur von den Beteiligten der jeweiligen Transaktion gemeinsam gespeichert werden, nicht von jedem Knoten im Netz. Auch der bei Bitcoin aberwitzig aufwändige „Proof of Work“ kann sehr schlicht geregelt werden.

Nur: Das funktioniert, weil Corda eben keine Blockchain mehr ist. Corda soll den Banken Kosten sparen, indem Jahrzehnte alte Verfahren internationaler Geschäftsabwicklung durch ein neues System ersetzt werden. Das neue System funktioniert aber nur zwischen Anbietern, die sich vertrauen. Sprich: Zwischen den regulierten Anbietern des heutigen Zahlungsverkehrssystems. Alle anderen bleiben schön außen vor.

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Transparenz930

Kein Paradox: So schafft mehr Transparenz mehr Sicherheit

Im Artikel „Wie digitale Transparenz die Welt verändert“ zieht das Magazin „Spektrum der Wissenschaft“ eine hübsche Parallele: Als die Ozeane sich von trüben Gewässern zu klaren, sonnendurchfluteten Meeren wandelten, war das eine enorme Herausforderung für das Leben im Meer. Plötzlich konnten Raubtier und Beute sich sehen. Innerhalb (geologisch gesehen) kurzer Zeit entstand ein Vielzahl von Arten, die auf die neue Transparenz der Meere ganz unterschiedlich reagierten. Muscheln bilden harte Schalen, andere setzen auf Tarnung, gute Augen oder einfach Schnelligkeit.

Die Digitalisierung schafft heute Transparenz über Menschen, Verhalten, Institutionen und Diskussionen. Die Deutschen nehmen vor allem wahr, dass ihre Privatsphäre transparent wird. Aber selbst die NSA, die so geheim ist, dass sie vor wenigen Jahren kaum jemand in Deutschland kannte, muss sich dank Edward Snowdon heute für ihre Tätigkeit öffentlich rechtfertigen.

Digitalisierung schafft Transparenz und gleichzeitig die Frage, wie man damit umgeht. Will ich die Vorteile der Transparenz nutzen? Wie die ersten Fische mit Augen, die ihre Feinde früher sehen konnten? Oder will ich mich vor Transparenz schützen, wie Muscheln in ihren Schalen?

Für die Finanzbranche stellt sich die Frage besonders deutlich. Banken sind klassische Orte der Sicherheit und Verschwiegenheit – wer an Banken denkt, hat immer noch den gepanzerten Tresorraum vor Augen. Und Versicherungen verkaufen Schutz, das ist ihr Kerngeschäft.

Wie reagieren Banken und Versicherungen auf die Möglichkeiten, die digitale Transparenz schafft? Vielleicht ist dies eine der zentralen Fragen für die zukünftige Ausrichtung der Institute. Es wird unterschiedliche Antworten geben, und je nachdem, wie die Antwort ausfällt, entstehen unterschiedliche Arten von Finanzinstituten. So, wie das Leben im Meer sich in unterschiedliche Arten aufteilte.

Dabei sind Transparenz und Sicherheit keine Gegensätze. Transparenz ist nämlich auch das beste Mittel, Betrug zu vermeiden. Dazu zwei Beispiele:

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