FehlendeBerater

Ersetzen Robo Advisor nur fehlende menschliche Berater?

Robo Advisor und deren Varianten wie Cyborg-Advisor (mit menschlichem Berater im Hintergrund) sind stark im Kommen. Das gilt zum einen für Geldanlagen, aber auch für Versicherungen – mit Clark ist gerade wieder ein InsurTech-Makler hinzugekommen, bei dem sich der Mensch hinter der App versteckt.

Was treibt eigentlich diesen Trend? Einerseits sicher die Erwartung von Kunden, auch komplexe Fragen einfach aufbereitet zu bekommen. Nicht aus Hunderten von Fonds wählen, aber trotzdem eine passende Anlagestrategie haben, das klingt doch gut.

Man kann es aber auch anders sehen: Den Menschen bleibt zunehmend keine Wahl mehr, als sich von Robotern beraten zu lassen. Es gibt nämlich zu wenige menschliche Berater, die das tun. Banken reduzieren die Anzahl der Filialen und der Berater. Versicherungen reduzieren ihren Außendienst. Die Anzahl der gebundenen Berater sinkt damit.

Man kann in Frage stellen, ob anbietergebundene Finanzberatung überhaupt Sinn macht. Also ist die Lage bei den freien Beratern eigentlich viel spannender. Wie sieht es denn insgesamt aus, wenn man alle betrachtet? Praktischerweise veröffentlicht der DIHK die Statistiken der eingetragenen Vermittler. Das sieht dann im Vergleich so aus:

  • Finanzanlagenvermittler: Juli 2016: ca. 37 Tausend. 2010: Noch keine Eintragung nötig, geschätzt ca. 80 Tausend Vermittler (Schätzung der Bundesregierung). Seit der Eintragungspflicht wurde der Höchststand in 2014 mit gut 41 Tausend Vermittlern erreicht.
  • Versicherungsvermittler: Juli 2016: ca. 230 Tausend. Juli 2010: ca. 256 Tausend.

Gegenüber dem früheren Niveau haben wir also jetzt schon mal 10% Rückgang. Hingegen gab es eine Steigerung bei den Honorarberatern: von 45 (2014) auf 121 (2016). Tolle Wachstumsrate, irrelevante Größenordnung.

Und bei den Vermittlern sind noch viele Berater aus den Zeiten dabei, als man mit LV und automatischen jährlichen Anpassungen gut leben konnte. Wenn die mal aussteigen, werden sie wohl kaum durch entsprechend viel Nachwuchs ersetzt.

Womit sich die Frage stellt: Wenn die klassische, provisionsfinanzierte Beratung zunehmend weniger attraktiv für die Berater ist, und die Kunden immer noch keine Honorarberatung akzeptieren, wer berät dann die Menschen, deren Einkommensniveau zu unattraktiv für die übrig gebliebenen Berater ist?

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FinovateEurope2016

Finovate Europe 2016: Die wichtigsten Perspektiven

Die Londoner Finovate zeigt, was sie kann: Natürlich gibt es es inzwischen auch in Deutschland genügend FinTech-Konferenzen, aber in dieser Dichte, Internationalität und mit breit gestreutem Publikum ist sie nach wie vor einzigartig in Europa. Immerhin ist London derzeit „King of FinTech“ , die Investitionen in Großbritannien überstiegen in 2015 die im gesamten Rest von Europa.

Statt bahnbrechender Neuerungen gab es vor allem Trends zu entdecken, die sich durch die Veranstaltung zogen. Stark im Fokus stand die Personalisierung und Kontextorientierung des Bankings. Außerdem wurden Gestaltungsprinzipien übertragen, die Nutzer von anderen Apps oder aus dem eCommerce kennen. SwipeStox bezeichnete sich selbst als „Tinder of Social Trading“, eWise als „fitbit of finance“.

Wichtig war immer wieder die Balance zwischen Automatisierung und eigener Kontrolle durch den Kunden. Deutschland FinTech-Szene war stark vertreten unter anderem mit Lendstar, Scalable Capital, Risk Ident und SwipeStox.

Herausheben möchte ich zwei Themen: Neues zum Robo Advisoring und zur Biometrie.
Die Roboter gehen den nächsten Schritt, bei der Biometrie kommen Sprach- und Augen-Erkennung, was insbesondere für die mit PSD II verbundene Zwei-Faktor-Authentisierung spannend ist.

Meetinvest

Meetinvest bietet einen Roboter, der nicht auf Basis von Fonds arbeitet, sondern täglich über 90.000 einzelne Aktien analysiert. Auf Basis der Analysen werden dann Strategien berühmter Anleger umgesetzt (wie Warren Buffet, den das Beitragsbild zeigt). Die Algorithmen der Strategien sind veröffentlicht, hier herrscht Transparenz. Anhand einer Rückwärtsbetrachtung sieht der Kunde, wie die Strategie in der Vergangenheit gewirkt hätte.

Aus meiner Sicht eine spannende Verbindung zwischen voller Automatisierung einerseits und menschlichem Faktor anderseits in Form der der großen Investoren, deren Anlagestrategien den Kern der Plattform bilden.

Scalable Capital

Scalable Capital bietet eine automatisierte Vermögensverwaltung nach dem „Value at Risk“ Prinzip. Roboter arbeiten gerne mit einem schlichten Mix von Aktien und Anleihen entsprechend der Risikoneigung des Kunden. Große Investmentgesellschaften bewerten das tatsächliche Risiko eines Portfolios aber fortlaufend neu und steuern nach, um die Value at Risk im angestrebten Rahmen zu halten. Genau das verspricht Scalable Capital jetzt auch Kunden im mittleren Vermögensbereich. In Deutschland können die die Plattform bereits nutzen, Großbritannien folgt jetzt.

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