ThinkBold_2015

ThinkBold: Warum CIOs manchmal einen Cowboyhut brauchen.

IT-Leiter sind heute nicht nur CIOs, die ihre IT Schritt für Schritt immer etwas besser machen. Sie sind auch CDOs, Chief Disruption Officer, die ihre eigene Organisation herausfordern, die Dinge ganz anders anzugehen. Beide Aufgaben sind gleich wichtig, und der Hut, unter den man sie bringen muss, darf ruhig mal ein Cowboyhut sein. Soll heißen: In Deutschland organisieren wir uns gern mit der Gründlichkeit einer vom Ingenieurwesen geprägten Kultur. Für die disruptiven Herausforderungen wäre amerikanischer Pioniergeist oft hilfreicher. Mehr Mut, den Aufbruch ins Unbekannte zu wagen – dafür steht der Cowboyhut.

Das war eine der Erkenntnisse der ThinkBold-Konferenz, auf der gestern CIOs und Startup-Gründer angeregt diskutierten, wie IT und ihre Chiefs heute erfolgreich sein können. Zur Veranstaltung mit dem Thema „Mobile Enterprise“ hatten VOICE, Münchner Kreis und SYNGENIO AG in die „Klassikstadt Frankfurt“ eingeladen.

„Ein ganz normales Bankkonto könnte Facebook heute 98% günstiger anbieten als eine Direktbank.“ (Chris Boos, arago)

Und wenn sich selbstfahrende Autos durchsetzen, werden 70% weniger Fahrzeuge benötigt. Mit solch extremen Beispielen zeigte Chris Boos in seiner Keynote auf, wie radikal die Veränderungen sind, die Digitalisierung ermöglicht.

Und warum sind die neuen Player so bedrohlich für etablierte Anbieter? Zwei Gründe nannte er: Zum einen die ernorme Ertragskraft etwa von Google – 20% der Budgets reichen für den laufenden Betrieb, 80% können in die Veränderung wandern. Bei nicht wenigen Unternehmen ist es anders herum, und „Veränderung“ heißt dann oft auch noch: „Anpassung an die Regulierung“ statt Innovation.

Zum anderen ist es die Unternehmenskultur, die Etablierte zögern lässt, große Sprünge zu wagen. Menschen wie Organisationen schätzen Beständigkeit. Der Normalfall ist eine Absicherungskultur, die lieber Risiken vermeidet als Chancen zu ergreifen.

Dr. Thomas Endres, Sprecher des CIO-Verbandes VOICE, gab ein treffendes Beispiel: „Es ist völlig normal, dass das obere Management seiner Organisation den Auftrag erteilt, eine Entscheidung gut vorzubereiten. Diese Vorbereitung kann sehr erhebliche Kosten erzeugen, für die sich das Management aber nicht rechtfertigen muss. Wie wäre es, wenn man stattdessen dieselben Kosten gleich in die Umsetzung steckt? Statt für eine halbe Million Vorstudien und Abstimmungen zu machen, heißt es dann: Ihr dürft bis maximal eine halbe Million ausgeben, um eine erste Umsetzung zu machen und zu messen, ob das ein Erfolg werden kann. Die Ergebnisse sind konkreter, belastbarer, im Erfolgsfall hat man Zeit gewonnen und die Kosten der Entscheidungsvorbereitung gespart – und ein Misserfolg kommt auch nicht teurer als im konventionellen Modell.“

„Raum für den digitalen Perspektivenwechsel“ will ThinkBold bieten, und dazu trugen auch die Startups bei, die mit ihren Lösungen für das Mobile Enterprise den CIOs neue Ideen aufzeigten.

„Als Münchner Startup haben wir unsere ersten Kunden in den USA gewonnen“ berichtete Kerim Ispir von Re’flekt, Anbieter einer Augmented Reality Plattform. „Der deutschen Industrie waren wir anfangs zu klein, und Referenzen hatten wir natürlich auch noch nicht. In Amerika trafen wir auf die umgekehrte Wahrnehmung: Oh, die sind aus Deutschland, die machen bestimmt nichts, was nicht sorgfältig geprüft wurde.“

Da ist er wieder, der kulturelle Unterschied. Also ich lege mir jetzt einen Cowboyhut zu. Damit die Kollegen gleich wissen: Wenn ich den aufsetze, heißt es: Go West!

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr schöner Beitrag. Gut auf den Punkt gebracht. Es war ein sehr interessanter und spannender Abend. Auch die anderen Startup-Gründer warben für eine offene Fehlerkultur. Diese kann aber nur vom oberen Management bewusst eingeführt werden. Wenn Deutschland das hinbekommt, sind sicher viele deutsche Unternehmen ganz vorne dabei; bei der Umsetzung der Digitalisierung.

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