Wearable

Wearable Banking kommt tatsächlich

Mit dem iPad hat Apple damals erfolgreich eine ganz neue Gerätekategorie etabliert. Seitdem glauben alle daran, dass weitere Gerätekategorien ebenso erfolgreich sein können. Um Google Glass ist es etwas ruhiger geworden, aktuell stehen andere „Wearable Computing Devices“ im Vordergrund, vor allem Smart Watches. Offenbar ist der Cyborg-Look von Google Glass nicht jedermanns Sache – Armbänder sind da unauffälliger, im besten Fall sogar modische Accessoires. Jetzt starten gleich zwei Initiativen, die solche Armbänder fürs Banking nutzen:

Moven

Brett King, CEO von Moven, hat immer betont: „Kontext ist King“, gerade beim Mobile Banking. Sein Ziel ist, dass wir nicht tagtäglich irgendwo unser Geld ausgeben und hinterher in Kontoauszügen und PFM-Tools versuchen nachzuvollziehen, wo es eigentlich geblieben ist. Sondern dass wir stets in Echtzeit, vor und nach jeder Zahlung, die passenden Finanzinformationen bekommen.

Für diesen „Small Data“ Ansatz, jeweils im richtigen Moment die wenigen relevanten Daten zu liefern, eignen sich Smart Watches natürlich. Mit einem Blick kann man nebenbei den Kontostand wahrnehmen. Oder auch, wieviel man diesen Monat schon bei Starbucks ausgegeben hat. O-Ton Brett King: „We’ve gone beyond PFM into day-to-day gamification of financial wellness.“

Außerdem versteht sich Moven als der Pioneer im Mobile Banking schlechthin. Da können sie es sich nicht leisten, beim Smartwatch-Banking nicht ganz vorne mit dabei zu sein. Wie klein oder groß die akute Nachfrage danach auch immer ist.

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Nymi

Mit dem Armband Nymi hat Bionym ein reinrassiges Identifikations-Gerät entwickelt (siehe Titelbild). Es tut nichts anderes, als seinen Träger am Puls zu erkennen und seine Identität per NFC zu senden. Anders als eine Smartwatch hat Nymi also erst gar kein Display, was es besonders unauffällig macht.

Nymi kann im Prinzip für jede Form der Authentisierung genutzt werden, es kann Passwörter ersetzen oder Türen öffnen. Und das schon ganz alleine, ohne eine Bluetooth-Verbindung zum Smartphone, wie sie bei einer Smartwatch benötigt wird.

Wenn ich es richtig verstehe, kommt beim Einsatz von Nymi in Bezahlprozessen aber doch auch das Smartphone ins Spiel. Nymi ersetzt hier dann im Wesentlichen die Passwort-Eingabe bzw. den Fingerprint-Scanner des iPhone.

Ich habe keine Ahnung, wie zuverlässig eine Identifikation anhand des Pulses sein kann. Unabhängig davon bleibt das prinzipielle Problem aller biometrischen Verfahren bestehen: Wenn das Verfahren einmal kompromittiert ist, kann man seinen Puls nicht ändern, anders als ein Passwort. Wobei Nymi dieses Problem schon gut angeht: Die biometrischen Daten sind im Armband gekapselt und verlassen es nicht. Auf das Armband wiederum kann keine Software aufgespielt werden, somit auch keine Schadsoftware. Wenn der Chip im Armband selbst noch auf einem hohen Sicherheitslevel ist, dann kann man mit biometrischen Daten wohl nicht sicherer umgehen. (Über den Sicherheitslevel des Chips weiß ich aber nichts.)

Neulich habe ich gelesen, Mobile Payment sei der „Boulevard of Broken Dreams“. Nymi ist schon ein schöner Traum. Vielleicht wird ja doch was draus.

Elmar Borgmeier

Gestaltet Online Finance seit 1997. Glaubt an die Symbiose von Finance und IT. Ist Mitgründer und Chief Innovation Officer der syngenio AG. Moderator des JAX Finance Day. Berater für Next Generation Finance. Philosophiert gern über IT und realisiert noch lieber konkrete Lösungen.

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